Stetiger Abwärtstrend – gute Leute gehen, Motivation sinkt
Verbesserungsvorschläge
Meiner Meinung nach könnte das Unternehmen in mehreren Bereichen Verbesserungen vornehmen. Wichtig wäre zunächst mehr Transparenz und eine offenere Kommunikation. Ziele, Prioritäten und Entscheidungsprozesse sollten frühzeitig klar kommuniziert werden, und Mitarbeitende sollten stärker in Entscheidungen einbezogen werden, anstatt dass vieles ausschließlich Top-Down umgesetzt wird.
Auch die Förderung von Karriere und Weiterbildung sollte ausgebaut werden. Interne Aufstiegsmöglichkeiten sollten klar definiert und transparente Kriterien geschaffen werden. Zudem wäre es wünschenswert, Weiterbildungen, Schulungen oder Trainings regelmäßig anzubieten, um die persönliche und fachliche Entwicklung der Mitarbeitenden zu unterstützen.
Gleichberechtigung und faire Behandlung sind weitere Punkte, die verbessert werden könnten. Home-Office-Regelungen, Gehaltsanpassungen und Aufstiegschancen sollten für alle Mitarbeitenden einheitlich und nachvollziehbar gestaltet werden. Langjährige Mitarbeitende sollten stärker wertgeschätzt und ihre Erfahrung gezielt genutzt werden.
Darüber hinaus sollte die technische Ausstattung und das Arbeitsumfeld modernisiert werden. Veraltete Hardware sollte zeitnah ersetzt und die Beschaffungsprozesse vereinfacht werden, damit effizientes Arbeiten möglich ist. Regelmäßige Überprüfungen der Büro- und IT-Ausstattung könnten hier helfen.
Nicht zuletzt wäre es sinnvoll, das Image und die Unternehmenskultur zu stärken. Die Außendarstellung sollte verbessert und die Markenbekanntheit erhöht werden, sodass Mitarbeitende wieder stolz auf das Unternehmen sein können. Außerdem sollte die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit gefördert werden, um Silodenken zu reduzieren und den Teamgeist zu stärken.
Arbeitsatmosphäre
Ich war lange Zeit sehr zufrieden mit meinem direkten Vorgesetzten und meinen Kollegen. Das Arbeitsklima im Team war positiv, respektvoll und motivierend. Leider sind inzwischen fast alle dieser Kolleginnen und Kollegen nicht mehr im Unternehmen. Viele Positionen wurden entweder gar nicht oder unpassend nachbesetzt, was sich stark auf die Stimmung ausgewirkt hat. Früher wurde unsere Arbeit regelmäßig wertgeschätzt, heute zählt nur noch Geschwindigkeit. Die höhere Führungsebene vermittelt kaum Anerkennung – stattdessen entsteht zunehmend Druck und Frustration. Schade um das, was einmal ein wirklich gutes Arbeitsumfeld war.
Kommunikation
Die Kommunikation im direkten Team funktioniert gut, hier kann ich nichts Negatives sagen. Innerhalb der Abteilung ist sie durch den Personalmangel zwar schwieriger geworden, aber insgesamt noch in Ordnung. Abteilungsübergreifend war die Kommunikation jedoch schon immer problematisch. Oft hat man den Eindruck, dass jede Abteilung nur ihre eigenen Interessen verfolgt – ohne Rücksicht auf gemeinsame Ziele oder die Auswirkungen auf andere Bereiche.
Hinzu kommt, dass viele Aufgaben oder Projekte direkt von der Geschäftsführung als persönliche Priorität behandelt werden – selbst wenn es sich nur um einfache Textänderungen handelt, die seit Monaten bestehen und plötzlich über Nacht umgesetzt werden müssen. Das wirkt planlos und sorgt für unnötigen Druck im Arbeitsalltag.
Kollegenzusammenhalt
Die Stimmung ist gemischt. Es gibt einige Kolleginnen und Kollegen, die weiterhin alles daransetzen, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Viele andere haben jedoch innerlich bereits abgeschlossen und warten nur noch auf den großen Umbruch – oder befinden sich schon in Gesprächen mit anderen Arbeitgebern.
Work-Life-Balance
Das Unternehmen bemüht sich grundsätzlich, die Work-Life-Balance zu verbessern – zum Beispiel durch die Abschaffung der Kernarbeitszeit. Gleichzeitig werden jedoch immer wieder kurzfristige Anwesenheitspflichten per E-Mail angeordnet, was den positiven Ansatz konterkariert. Zudem herrscht große Ungleichheit bei den Arbeitsmodellen: Mitarbeitende in vergleichbaren Positionen haben teils völlig unterschiedliche Home-Office-Regelungen – von nahezu vollständigem Homeoffice bis hin zu maximal einem Tag pro Woche. Diese Ungleichbehandlung hätte längst angegangen werden müssen.
Vorgesetztenverhalten
Über meinen ehemaligen direkten Vorgesetzten kann ich nur Positives sagen – die Zusammenarbeit war stets offen und vertrauensvoll. Leider ist er inzwischen nicht mehr im Unternehmen. Bei der aktuellen Abteilungsleitung fehlt mir jedoch Transparenz. Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau, welche Aufgaben dort tatsächlich übernommen werden, und viele Kolleginnen und Kollegen empfinden das ähnlich. Es gibt keine klar kommunizierten Ziele oder Meilensteine – wenn überhaupt, erfährt man nur beiläufig davon, wenn Entscheidungen bereits getroffen und Maßnahmen fast umgesetzt sind. Eine vorausschauende, transparente Planung über die kommenden Monate hinweg würde hier sehr helfen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind abwechslungsreich, herausfordernd und bieten viel Raum für fachliche Weiterentwicklung. Ich schätze die Vielfalt und die Möglichkeit, eigenverantwortlich zu arbeiten. Allerdings sind die Aufgaben oft mit unbezahlten Überstunden verbunden, und viele Entscheidungen werden von der oberen Führungsebene stark beschleunigt durch alle Prozesse durchgesetzt, was den Handlungsspielraum einschränkt.
Gleichberechtigung
Direkte Ungerechtigkeiten zwischen Frauen und Männern habe ich nicht feststellen können. Auffällig ist jedoch, dass fast alle Head-of- und Director-Positionen von Männern besetzt sind. Aufstiegschancen gibt es grundsätzlich nur sehr begrenzt – unabhängig vom Geschlecht. Wer persönliche Beziehungen zur oberen Führungsebene hat, kann hier deutlich profitieren, auch wenn es sich dabei um Positionen handelt, die vorher nicht existierten oder fachlich eigentlich nicht notwendig waren.
Umgang mit älteren Kollegen
Erfahrene Mitarbeitende und ihre langjährige Betriebszugehörigkeit werden leider kaum wertgeschätzt. Es entsteht eher der Eindruck, dass neue Kolleginnen und Kollegen bevorzugt behandelt werden, während Bestandsmitarbeitende wenig Aufmerksamkeit oder Vorteile erhalten – vergleichbar mit einem Kundenvertrag, bei dem Neukunden die besten Angebote bekommen und langjährige Kunden leer ausgehen.
Arbeitsbedingungen
Das Headquarter selbst ist ein sehr schöner und gepflegter Arbeitsort. Die technische Ausstattung entspricht jedoch nicht den Anforderungen: Die Hardware ist größtenteils veraltet, und die Beschaffung neuer Geräte gestaltet sich sehr mühsam, da mehrere Abteilungen zustimmen müssen – was oft mehrere Wochen dauert. Die IT wäre bereit, neue Hardware bereitzustellen, doch es fehlt das nötige Budget. Entsprechend ist das Equipment bis auf wenige Ausnahmen stark in die Jahre gekommen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mir sind einige Maßnahmen aufgefallen, die das Umweltbewusstsein des Unternehmens zeigen: Photovoltaik auf dem Dach, Regenwassernutzung zur Toilettenspülung und mehrere Ladestationen für E-Autos. Solche Initiativen finde ich positiv und zeugen von einem bewussten Umgang mit Ressourcen.
Gehalt/Benefits
Mit meinem Gehalt bin ich zufrieden, auch wenn in vergleichbaren Positionen bei anderen Unternehmen oft höhere Vergütungen möglich wären. Gehaltsanpassungen sind derzeit nahezu ausgeschlossen und waren auch in den vergangenen Jahren wenig transparent. Zudem gibt es Ungleichheiten zwischen Mitarbeitenden: Einige, die schon viele Jahre im Unternehmen sind, haben bis auf allgemeine Anpassungen keine individuellen Gehaltserhöhungen erhalten.
Image
Ehrlich gesagt kenne ich niemanden, der noch positiv über das Unternehmen spricht. Das Produkt kommt bei Kundinnen und Kunden nicht mehr gut an, und in privaten Kreisen ist das Unternehmen kaum bekannt. Insgesamt wirkt das Image nach außen schwach und wenig präsent. Auch intern spürt man, dass der Stolz auf die Marke bei vielen Kolleginnen und Kollegen stark nachgelassen hat.
Karriere/Weiterbildung
Wie bereits erwähnt, sind Karrieremöglichkeiten im Unternehmen kaum gegeben. Höhere Positionen werden fast ausschließlich extern besetzt, sodass interne Aufstiegschancen sehr begrenzt sind. Weiterbildungsmöglichkeiten sind mir nicht bekannt; in den vergangenen Jahren hatte ich jedenfalls keine Gelegenheit, solche Angebote zu nutzen.