Abgehobenes Management, toxisches HR-Klima & zweierlei Maß bei Regeln
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die HR-Abteilung trägt aus meiner Sicht massiv dazu bei, das Arbeitsklima zu vergiften. Einwandfreie und begründete Bedenken von Mitarbeitenden werden bürokratisch übergangen; es entsteht das Gefühl, dass kritische Stimmen vergrault werden sollen. Zudem gilt ein spürbares zweierlei Maß: Während von der Belegschaft strikte Einhaltung aller Vorgaben verlangt wird, werden Richtlinien und Standards auf Management- und HR-Ebene nach eigenem Ermessen ausgelegt oder überschritten.
Verbesserungsvorschläge
- Realitätscheck: Steigen Sie aus dem Elfenbeinturm aus und setzen Sie sich mit der tatsächlichen Arbeitsrealität der Belegschaft auseinander.
- Experten einbinden: Nutzen Sie das im Haus vorhandene Fachwissen vor Entscheidungen, statt es zu ignorieren und Risiken erst dann zu bekämpfen, wenn es zu spät ist.
- Echte Transparenz & Kultur: Hören Sie auf, HR als Kontroll- und Druckinstrument einzusetzen. Regeln, Wertschätzung und Respekt müssen für alle gelten, ausnahmslos auch für das Management.
- Prioritäten setzen: Hören Sie auf, alles gleichzeitig als Prio 1 zu deklarieren, und schaffen Sie verlässliche Rahmenbedingungen.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre ist extrem angespannt und von Frustration geprägt. Das einzig Positive ist der Zusammenhalt unter den unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen. Nach oben hin herrscht jedoch ein Klima der Unsicherheit und Entfremdung. Statt Vertrauen zu schaffen, spaltet das Agieren der Unternehmensführung die Belegschaft.
Die HR-Abteilung (ironischerweise aus People & Culture bezeichnet) agiert nicht als unterstützender Partner für die Belegschaft, sondern trägt durch starre, unflexible Prozesse und das Abbügeln berechtigter Einwände massiv zu einem vergifteten Klima bei. Während von den Mitarbeitenden die strikte Einhaltung aller Vorgaben eingefordert wird, hat man den Eindruck, dass Richtlinien für das Management nach Bedarf ausgelegt werden.
Kommunikation
Sehr schwach und intransparent. Entscheidungen werden "Top-Down" vorgesetzt, ohne das "Warum" verständlich zu erklären oder zu hinterfragen. Arbeitsrelevante Informationen muss man sich oft über informelle Wege besorgen. Bei kritischen Themen wird eher gemauert oder öffentlich gegeneinander agiert, anstatt sachlich zu informieren.
Zudem wird regelmäßig nach Feedback und Ideen gefragt (z. B. in Befragungen), aber es passiert schlichtweg nichts damit. Vorschläge und Kritik verpuffen wirkungslos, ohne dass es ein nachvollziehendes Follow-up gibt. Wer konstruktiven Input liefert, wird oft ignoriert, stattdessen werden Entscheidungen an der Basis vorbei getroffen.
Kollegenzusammenhalt
Die Kollegialität im Team ist gut und hält den Laden überhaupt am Laufen. Man stützt sich gegenseitig, löst Probleme auf unbürokratischem Weg und fängt gemeinsam vieles von dem auf, was strukturell und von Führungsebene schiefläuft.
Work-Life-Balance
Ständig wechselnde Prioritäten und eine Flut an angeblichen "Prio-1-Themen" sorgen für Dauerstress. Zudem werden starre Vorgaben beim Arbeitsmodell ohne messbaren Mehrwert oder Rücksicht auf die Lebensrealität und Pendelbelastung der Mitarbeitenden durchgedrückt.
Vorgesetztenverhalten
Das Management agiert völlig fernab der operativen Realität. Es herrscht eine Kombination aus Micromanagement bei belanglosen operativen Details und gleichzeitigem Fehlen jeglicher echter Führung dort, wo sie gebraucht würde (klare Prioritäten, verlässliche Planung, Change Management). Feedback verpufft wirkungslos oder wird ignoriert.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben an sich wären eigentlich vielfältig und spannend. Das Potenzial wird jedoch durch unklare Vorgaben, mangelnde Priorisierung und die systematische Missachtung vorhandener interner Expertise massiv ausgebremst.
Im Unternehmen ist enorm viel wertvolles Expertenwissen vorhanden, das jedoch bei wichtigen Entscheidungen, Tool-Wechseln oder strategischen Schritten systematisch übergangen wird. Stattdessen wird am Fachwissen vorbei entschieden, mit der Konsequenz, dass die Angestellten im Nachhinein die entstandenen Reibungspunkte und Fehler mühsam ausbaden müssen.
Arbeitsbedingungen
Viele kleine technische und organisatorische Dauerbaustellen summieren sich im Alltag zu spürbarem Zeitverlust. Neue Tools und Technologien werden oft übereilt eingeführt, bevor grundlegende Punkte sauber geklärt sind.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen gibt man sich innovativ, im Alltag zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Starre Anwesenheitspflichten erzeugen vermeidbaren Pendelverkehr (Abgase) und Kosten, ohne dass ein fachlicher Nutzen dahintersteht.
Gehalt/Benefits
Gehaltsentscheidungen und Zusagen wirken oft unklar oder schwer nachvollziehbar. Vorgestellte Benefits oder Aktionen verfehlen durch schlechte oder unausgewogene Umsetzung häufig ihr Ziel und wirken stellenweise eher deplatzierungsfördernd als wertschätzend.
Karriere/Weiterbildung
Entwicklungswege, Jobtitel und Beurteilungen wirken uneinheitlich und willkürlich. Regeln und Kriterien scheinen sich je nach Bereich zu unterscheiden. Wer viel leistet, bekommt oft nur mehr Arbeit aufgebürdet, während echte Leistungsprobleme an anderer Stelle nicht gesteuert werden.

