Drastischer Sparkurs auf dem Rücken der Belegschaft – ein Unternehmen im Dauer-Notzustand
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit für Homeoffice, in dem viele Teams nachweislich hochgradig produktiv und fokussiert arbeiten (auch wenn dies von einigen Führungskräften leider kritisch gesehen wird).
- Den Zusammenhalt der Kollegen untereinander, die versuchen, den immensen Druck durch fehlende Kapazitäten gemeinsam bestmöglich abzufangen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
⚬ Extreme Arbeitsverdichtung: Durch Kündigungswellen und drastische Sparmaßnahmen übernehmen einzelne Mitarbeitende teils die Arbeit von 2 bis 5 Personen.
⚬ Umgang mit Eltern: Die systematische Ablehnung von Teilzeitanträgen nach der Elternzeit ist rechtlich höchst fragwürdig und widerspricht dem nach außen propagierten Work-Life-Balance-Versprechen.
⚬ Gehalt und Benefits: Das Gehaltsniveau liegt deutlich unter dem Marktdurchschnitt. Benefits (wie der freie Tag am Geburtstag) werden übertrieben angepriesen, hinken aber dem Standard des restlichen Konzerns (wo es z.B. hohe Weiterbildungsbudgets gibt) stark hinterher.
⚬ Fehlgeschlagene Umstrukturierungen: Es wird viel Geld für externe Berater ausgegeben, was letztlich nur zu komplexeren Prozessen, auseinandergerissenen Teams und Mehraufwand führt.
⚬ Blockierendes IT-Projekt: Ein seit Jahren stockendes IT-Großprojekt blockiert das Potenzial vieler anderer Bereiche und zwingt Mitarbeitende zu ineffizienten Workarounds.
⚬ Mangelnde Wertschätzung: Dass die Mitarbeiterveranstaltung ersatzlos abgesagt und das Budget stattdessen für fünfstellige Stornogebühren verschwendet wurde, zeigt die fehlende Wertschätzung der Geschäftsführung.
Verbesserungsvorschläge
⚬ Strukturen verschlanken: Dringendes Aufräumen der zu komplexen Organisationsstrukturen und Abbau unnötiger Hierarchieebenen ("Wasserköpfe"). Es braucht mehr Pragmatismus und echte Agilität statt endloser Abstimmungsrunden in "Mikroteams".
⚬ Kompetenz statt Sympathie: Führungspositionen dürfen nicht länger an den "inner Circle" oder nach Freundschaft vergeben werden, sondern müssen zwingend nach fachlicher und moderner Führungskompetenz besetzt werden.
⚬ HR-Bereich professionalisieren: Dringende Einführung eines Ticketsystems, um das E-Mail-Chaos abzustellen und gravierende Fehler bei Gehältern, Elternzeiten und Zeugnissen zu vermeiden. Zudem muss die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie offen und konstruktiv umgesetzt statt blockiert werden.
⚬ Transparenz schaffen: Klare, nachvollziehbare Kriterien für Beförderungen und Entwicklungsstufen (Junior, Manager, Senior) definieren, die sich dann auch zwingend im Gehalt widerspiegeln.
⚬ Datengetriebenes Projektmanagement: Externe Tools zur Priorisierung sollten mit echten Daten und nicht mit "Bauchgefühl"-Zahlen gefüttert werden, um sinnvolle Entscheidungen zu treffen.
Arbeitsatmosphäre
Das Unternehmen befindet sich gefühlt in einem dauerhaften Notzustand. Seit zwei Jahren gibt es drastische Sparmaßnahmen, die dazu führen, dass viele Mitarbeitende kündigen. Die verbleibenden Kollegen leiden extrem unter den fehlenden Kapazitäten. Ich empfinde es als sehr belastend, dass eine Person oft die Arbeit von zwei bis fünf Leuten übernehmen muss. Wenn jemand geht, wird uns das lediglich schönredend als "Teamaufgabe" verkauft. Diese massiven Rettungsmaßnahmen der neuen Geschäftsführung drücken die Stimmung extrem.
Kommunikation
Die Kommunikation ist in vielen Bereichen mangelhaft. Ein großes, blockierendes IT-Projekt zieht sich seit Jahren, ohne dass transparent kommuniziert wird, warum es so langsam vorangeht. Auch in der Personalabteilung herrscht Chaos: Da es kein Ticketsystem gibt, läuft alles unorganisiert über E-Mails. Ein absoluter Tiefpunkt war die Absage der diesjährigen Mitarbeiterveranstaltung: Es hieß, die Geschäftsführung habe keine Themen. Das führte zu fünfstelligen Stornierungsgebühren, und die Belegschaft wurde mit einem einzigen, wenig wertschätzenden Satz abgespeist.
Kollegenzusammenhalt
Grundsätzlich versuchen die Teams, den Druck gemeinsam abzufangen. Allerdings gibt es Abteilungen, in denen die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. Hier agieren manche Kollegen sehr dominant und unkooperativ, was regelmäßig zu Eskalationen führt. Zudem leiden gut funktionierende Teams darunter, dass sie durch sinnlose Umstrukturierungen auseinandergerissen wurden.
Work-Life-Balance
Es wird nach außen viel Wert auf Work-Life-Balance gelegt, die Realität sieht leider anders aus. Ein riesiges Problem: Anträge von Müttern und Vätern, die nach der Elternzeit in Teilzeit zurückkehren wollen, werden teils systematisch abgelehnt. Die Betroffenen müssen dann klagen, um ihr gutes Recht durchzusetzen.
In anderen Bereichen betreiben Führungskräfte extremes Micromanagement, schreiben E-Mails spät abends, am Wochenende oder im Urlaub und drohen damit, die Homeoffice-Tage zu streichen – obwohl die Teams von zu Hause aus nachweislich hochproduktiv sind.
Vorgesetztenverhalten
Hier liegt meines Erachtens das größte Problem. Loyalität wird kaum anerkannt, dafür aber Freundschaften zu Vorgesetzten. Wer zum "inner Circle" gehört, wird befördert. Es werden für Führungskräfteprogramme unnötige Stellen geschaffen, was zu einem immer größeren, ineffizienten "Wasserkopf" an Hierarchieebenen führt. Stellenausschreibungen wirken oft wie Pseudo-Ausschreibungen, die bereits auf Wunschkandidaten zugeschnitten sind. Zudem werden Jahresgespräche durch die neue Geschäftsführung künstlich strenger bewertet (oft durch Feedback von Personen, die gar nicht mit einem arbeiten), offenbar nur, um Argumente gegen Gehaltserhöhungen zu haben.
Interessante Aufgaben
Viele eigentlich sehr potenzialreiche Projekte werden durch das bereits erwähnte große IT-Projekt blockiert. Das demotiviert stark. Man wird immer wieder dazu angehalten, Workarounds zu erarbeiten, von denen man weiß, dass sie nach Abschluss des Großprojekts umsonst waren. In manchen analytischen Abteilungen werden zudem Business Cases nicht sauber gerechnet, sondern man verlässt sich blind auf bunte Präsentationen externer Dienstleister.
Gleichberechtigung
Es gibt keine einheitlichen Prozesse. Bei Gehaltserhöhungen bekommen in manchen Bereichen alle Mitarbeitenden automatisch Anpassungen, während andere extrem darum kämpfen und beweisen müssen, dass ein Inflationsausgleich nicht reicht. Auch bei den Regeln gibt es Ungleichbehandlung: Während für normale Mitarbeitende strenge Homeoffice-Regeln gelten, halten sich einige Führungskräfte überhaupt nicht daran und sind fast nie im Büro. Kritik daran wird ignoriert.
Umgang mit älteren Kollegen
Ehemalige Mitarbeitende oder Personen, die bereits in Rente sind, werden als Berater für teures Geld wieder ins Unternehmen geholt. Auch hier ist es sehr offensichtlich, dass es primär um persönliche Freundschaften zum Management geht und weniger um tatsächliche Kompetenzen, die dem Unternehmen fehlen.
Arbeitsbedingungen
Die Orga-Strukturen sind zu komplex und nicht digital getrieben. Multi-Team-Zugehörigkeiten führen zu endlosen, überlappenden Terminen. Zudem wird damit geworben, dass jede Bürofläche frei genutzt werden kann ("Desksharing"). Das entspricht nicht der Wahrheit. Es gibt versteckt fest zugewiesene Plätze für bestimmte Personen. Da ein einheitliches Raum-Buchungssystem fehlt, stiftet das nur Verwirrung und demotiviert, überhaupt ins Büro zu fahren. Hinzu kommt eine HR-Abteilung, die gravierende Fehler macht: Gehälter werden vergessen, Elternzeiten verwechselt, Zeugnisse dauern Monate und Zugangskarten werden nicht verlängert.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Vor der Pandemie hatte die Kantine ein gehobenes Niveau mit Bio-Qualität. Davon ist nichts übrig geblieben, stattdessen sind die Preise in den letzten zwei Jahren massiv gestiegen. Zudem mangelt es an Sitzplätzen, sodass man oft außerhalb essen oder sich anderweitig versorgen muss.
Dass für abgesagte Events fünfstellige Stornogebühren verschwendet werden, spricht ebenfalls nicht für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt liegt definitiv unter dem Marktdurchschnitt, was unter Kollegen auch offen und mit großer Enttäuschung besprochen wird. Der Umgang mit der EU-Entgelttransparenz-Richtlinie ist bezeichnend: HR blockt das Thema extrem ab, um nicht aufzeigen zu müssen, welche Gehälter für gleiche Rollen gezahlt werden. Die Benefits sind im Vergleich zum Rest des Konzerns (wo es z.B. 2.000 € Weiterbildungsbudget gibt) nicht mehr zeitgemäß. Bei toom gibt es beispielsweise nur einen freien Tag am Geburtstag, wofür man aber laut Geschäftsführung noch extrem "dankbar" sein soll. Titel-Beförderungen spiegeln sich zudem oft überhaupt nicht im Gehalt wider.
Image
Das Image leidet intern massiv. Die ständigen Umstrukturierungen (für die viel Geld an externe Berater fließt, obwohl ein Blick aufs Orga-Chart gereicht hätte), der andauernde Notzustand und die mangelnde Wertschätzung sorgen für eine extrem hohe Unzufriedenheit und Kündigungsbereitschaft in der Belegschaft.
Karriere/Weiterbildung
Der Fokus liegt fast ausschließlich auf vertikaler Entwicklung. Viele werden in Führungskräfte-Schulungen geschickt, was zur Bildung von "Mikroteams" und unnötigen Prozessen führt. Die fachliche Weiterentwicklung bleibt komplett auf der Strecke. Es gibt zudem keine transparenten Kriterien, was man für die nächste Entwicklungsstufe (Junior, Manager, Senior) erfüllen muss – dies wird scheinbar rein nach individuellem Verhandlungsgeschick oder "Gusto" der Vorgesetzten entschieden.


