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Ilmenau
Bewertung

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Worst place to work for women

2,0
Nicht empfohlen
Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung im Bereich Forschung / Entwicklung bei TU Ilmenau in Ilmenau gearbeitet.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

In der täglichen Zusammenarbeit zeigt sich darüber hinaus ein wiederkehrendes Muster der pauschalen Zurückweisung. Vorschläge meinerseits – seien es konzeptionelle Ansätze oder methodische Überlegungen – werden regelmäßig mit dem Hinweis abgelehnt, sie seien „unbekannt“ oder entsprächen nicht der etablierten Praxis. Eine inhaltliche Auseinandersetzung findet dabei nur selten statt.

Gleichzeitig wird erwartet, dass ich Verfahren anwende, für deren souveräne Nutzung mehrjährige Vorerfahrung erforderlich wäre, die mir jedoch bislang fremd sind. Dass andere Teammitglieder diese Methoden bereits im Studium vertieft behandelt haben, ist zweifellos ein Vorteil für sie. Diese Kompetenzen durch Schulungen weiterzuentwickeln, scheint jedoch nicht vorgesehen.

Es entsteht somit eine widersprüchliche Situation: Eigene Expertise darf nicht entfaltet werden, während neue Anforderungen ohne begleitende Schulung oder strukturierte Einarbeitung gestellt werden. Aus organisationsanalytischer Sicht handelt es sich hierbei um eine Konstellation, die Innovation eher hemmt als fördert und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten deutlich einschränkt.

Verbesserungsvorschläge

Aus meiner Sicht ließen sich verschiedene Ansatzpunkte zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation formulieren.

Erstens erscheint eine angemessenere Vergütung als grundlegende Voraussetzung für Motivation und langfristige Bindung qualifizierter Mitarbeitender. Eine leistungsgerechte Bezahlung signalisiert institutionelle Wertschätzung und trägt zur Stabilisierung des wissenschaftlichen Personals bei.

Zweitens wäre eine konsistente Anwendung arbeitsvertraglicher Regelungen wünschenswert. Wenn eine Vollzeitstelle mit 40 Wochenstunden vergütet wird, sollte deren Umfang unabhängig vom Geschlecht oder familiären Status gleichermaßen gelten. Familienfreundlichkeit ist zweifellos ein hohes Gut; sie sollte jedoch transparent, fair und für alle Beschäftigten nachvollziehbar ausgestaltet sein, um den Eindruck einseitiger Privilegierung zu vermeiden.

Drittens bedarf es einer strukturierten und verbindlichen Einarbeitung neuer wie bestehender Mitarbeitender. Nachhaltige Integration in Arbeitsprozesse ist eine zentrale Voraussetzung für Produktivität und Identifikation mit der Institution.

Viertens erscheint die Förderung tatsächlicher Chancengleichheit essenziell. Karriereperspektiven, Vertragsverlängerungen und Entwicklungsmöglichkeiten sollten klaren, objektiven Kriterien folgen.

Schließlich stellt die Praxis sehr kurzfristiger Vertragsverlängerungen – etwa im jährlichen Rhythmus – ein strukturelles Problem dar. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse erschweren nicht nur wissenschaftliche Planungssicherheit, sondern beeinflussen auch private Lebensentscheidungen erheblich. Unter solchen Bedingungen erscheint die Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere als riskantes Unterfangen, insbesondere wenn implizite Befürchtungen bestehen, dass eine Schwangerschaft negative Auswirkungen auf die berufliche Perspektive haben könnte. Durch die kurzfristigen Verlängerungen der Arbeitsverträge wird es Frauen erschwert eine Schwangerschaft in Betracht zu ziehen und dennoch 100% angestellt zu sein. Männern mit Kindern werden währenddessen erhebliche Privilegien zugesprochen.

Arbeitsatmosphäre

Mehrere wissenschaftliche Mitarbeiterinnen – mich eingeschlossen – empfinden den Gang ins Institut nicht als motivierend oder bereichernd. Die Arbeitsatmosphäre wird vielmehr als belastend wahrgenommen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es nachvollziehbar, dass wir bemüht sind, unsere Tätigkeit – soweit organisatorisch möglich – ins häusliche Umfeld zu verlagern. Das Arbeiten von zu Hause bietet nicht nur eine höhere Konzentration auf die inhaltlichen Aufgaben, sondern auch eine gewisse Distanz zu den geschilderten sozialen Dynamiken.

Aus institutioneller Perspektive wäre es sicherlich lohnenswert zu reflektieren, weshalb qualifizierte Wissenschaftlerinnen die physische Präsenz im Arbeitsumfeld eher meiden und welche strukturellen Faktoren hierzu beitragen.

Karriere/Weiterbildung

Auch im Bereich der Weiterbildung zeigt sich eine gewisse Diskrepanz zwischen formaler Angebotsstruktur und tatsächlicher Zugänglichkeit. Zwar existiert augenscheinlich ein breites Spektrum an Fortbildungsmaßnahmen, doch blieb mir die Teilnahme bislang faktisch verwehrt. Es erfolgte keine offizielle Genehmigung, mich überhaupt darauf zu bewerben. Ein erheblicher Teil der Fortbildungsmaßnahmen findet im Ausland statt, was aus wissenschaftlicher Perspektive zweifellos bereichernd sein kann. Für Mitarbeitende mit familiären Verpflichtungen stellt dies jedoch eine reale Hürde dar.

In meinem Fall ist eine längere Abwesenheit nicht ohne Weiteres möglich, da ich in die Pflege meiner Eltern eingebunden bin. Diese Verantwortung ist weder delegierbar noch kurzfristig aussetzbar. Dadurch entsteht eine faktische Benachteiligung gegenüber Kolleginnen und Kollegen, die räumlich und zeitlich flexibler agieren können.

Aus institutioneller Sicht wäre es daher sinnvoll, verstärkt hybride Weiterbildungsformate anzubieten, um unterschiedlichen Lebensrealitäten Rechnung zu tragen.

Kollegenzusammenhalt

Der kollegiale Zusammenhalt unter den männlichen Mitarbeitern wirkt außerordentlich ausgeprägt. Neue männliche Kollegen werden sorgfältig eingearbeitet, ihre Fragen finden Gehör, und sie erhalten zügig Zugang zu den relevanten Systemen. Ebenso scheint es selbstverständlich, dass sie ihren Arbeitstag gegen 14 Uhr beenden, um familiären Verpflichtungen nachzukommen.

Auffällig ist zudem, dass sich die männlichen Kollegen mitunter in kleiner Runde in Besprechungsräumen zurückziehen, um dort informell verschiedene Themen zu erörtern. Die daraus resultierenden Entscheidungen werden der übrigen Belegschaft anschließend präsentiert, oftmals ohne vorherige Einbindung.

Im Kontrast dazu entsteht der Eindruck, dass die Beiträge von Mitarbeiterinnen weniger Berücksichtigung finden. Projekte, die über Monate hinweg vorbereitet wurden, werden kurzfristig verworfen oder nicht weiterverfolgt. Zudem scheint es, als fänden ihre Wortmeldungen nicht die erforderliche Aufmerksamkeit.

Insgesamt deutet dies auf eine unausgewogene Kommunikations- und Entscheidungskultur hin, die aus organisationssoziologischer Perspektive definitiv Anlass zur Reflexion bietet.

Umgang mit älteren Kollegen

Dazu kann ich nichts sagen.

Kommunikation

An der TU Ilmenau zeigt sich zudem ein differenziertes, beinahe hierarchisch codiertes Interaktionsmuster. Personen, die über Entscheidungsspielräume verfügen oder Möglichkeiten eröffnen können, erfahren eine außerordentlich zuvorkommende, bisweilen demonstrativ freundliche Behandlung. Die Freundlichkeit scheint dabei weniger Ausdruck kollegialer Wertschätzung als vielmehr strategisch motiviert.

Anders gestaltet sich hingegen der Umgang mit Mitarbeitenden, die keine vergleichbare Position innehaben. Ohne formale Macht oder institutionellen Einfluss reduziert sich die Aufmerksamkeit ihnen gegenüber spürbar – nicht selten bis an die Grenze des vollständigen Ignorierens. Eine Ausnahme bildet offenbar lediglich der Fall, in dem private Bekanntschaften oder persönliche Freundschaften bestehen.

Aus soziologischer Perspektive ließe sich hierin eine stark statusorientierte Kommunikationskultur erkennen, in der Anerkennung primär entlang formaler Hierarchien verteilt wird und weniger an inhaltliche Beiträge oder professionelle Kompetenz gebunden scheint.

Interessante Aufgaben

Der Zugang zu zentralen Systemen, Informationen oder relevanten Arbeitsressourcen bleibt mir in wesentlichen Teilen verwehrt.

Diese fortdauernde strukturelle Exklusion führt zwangsläufig zu Phasen der Unterforderung.

Einerseits wird formale Zugehörigkeit über Jahre hinweg aufrechterhalten, andererseits bleibt die tatsächliche Partizipation an Arbeitsprozessen eingeschränkt. Die daraus entstehende Frustration erscheint hoffentlich verständlich.


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Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.