Fortschritt rückwärts – ein modernes Arbeitsumfeld von gestern
Gut am Arbeitgeber finde ich
Apropos: Die „Benefits“, mit denen man gerne wirbt, bestehen aus einem Aufenthaltsraum, gratis Wasser und Kaffee. Ein echter Traum. Wer braucht schon faire Bezahlung, Entwicklungschancen oder Wertschätzung, wenn der Kaffee heiß ist?
Arbeitsatmosphäre
Seit dem Führungswechsel geht es im Unternehmen steil bergab – natürlich nur für die Mitarbeitenden. Innovation findet vor allem im Bereich Kosteneinsparung statt, allen voran bei den Personalkosten. Weihnachtsgeld? Prämien? Klingt nach einem Mythos aus einer fernen Vergangenheit.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance – leider rein theoretisch
Teilzeit wird nur dann genehmigt, wenn es dem Unternehmen perfekt ins Raster passt. Ansonsten lieber gar nicht. Familienfreundlichkeit war mal ein Thema – inzwischen klingt es eher wie ein leeres Buzzword auf der Karriereseite. Flexibilität? Gilt hier vor allem für die Mitarbeitenden – zum Anpassen, Aushalten oder Gehen.
Karriere/Weiterbildung
Wer sich gut mit der Führung stellt, darf aufsteigen. Alle anderen bleiben auf der Stelle – Weiterbildungsmöglichkeiten gibt’s ohnehin nicht. Warum auch investieren, wenn Kaffee und Wasser kostenlos sind?
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kolleginnen und Kollegen ist nach wie vor ein Lichtblick. Trotz wachsender Unzufriedenheit halten viele zusammen – vermutlich auch, weil man sich gegenseitig durch den Arbeitsalltag tragen muss.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kolleg*innen werden zwar (noch) gebraucht, aber nicht unbedingt gefördert. Man hat nicht den Eindruck, dass ihre Erfahrung wertgeschätzt wird
Vorgesetztenverhalten
Vertrauen in die Führungskräfte? Kaum vorhanden. Entscheidungen sind oft nicht nachvollziehbar, Versprechen werden gebrochen. Druck und Einschüchterung sind gängige Mittel, um "Ruhe" zu bewahren. Und wer unbequem wird, muss im nächsten Jahr mit einem Leistungsabzug rechnen – oder mit mehr.
Kommunikation
Transparente Kommunikation gibt es nur auf dem Papier. In der Realität erfährt man wichtige Dinge über den Flurfunk – oder gar nicht. .Offene Kommunikation und ehrlicher Austausch sind hier nicht erwünscht – zu riskant. Druck wird lieber fein dosiert, aber dauerhaft ausgeübt. Vertrauen in Führungskräfte? Nur für Mutige. Man bekommt das Gefühl, dass Entscheidungen eher nach Bauchgefühl und Loyalität als nach Kompetenz getroffen werden.
Gehalt/Benefits
Tarif? Ja, aber nur wenn’s gerade passt
Zwar sind wir offiziell an den IG Metall-Tarif angelehnt – seit diesem Jahr aber scheinbar nur noch so halb. Die tarifliche Erhöhung wurde kurzerhand ignoriert oder kreativ interpretiert. Vielleicht war das auch Teil eines neuen „Flexibilität“-Konzepts?
Gleichberechtigung
Karrierechancen hängen stark davon ab, wie gut man mit der Führungsetage vernetzt ist. Objektive Leistung tritt da schnell in den Hintergrund. Wer sich anpasst und mitläuft, kommt weiter – alle anderen bleiben stehen.