Schön war’s, aber rückblickend hätte ich die Zeit anderswo sinnvoller nutzen können.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Nach außen wurde eine offene und wertschätzende Unternehmenskultur vermittelt, die im täglichen Umgang jedoch nicht immer entsprechend gelebt wurde. Wenn nach dem Ausscheiden einzelner Mitarbeiter im Nachgang negativ oder abwertend über diese gesprochen wird, steht das für mich im Widerspruch zu einer tatsächlich offenen und authentischen Unternehmenskultur. Gerade im Umgang mit ehemaligen Mitarbeitern sollte Professionalität und Wertschätzung unabhängig von den Gründen des Ausscheidens gewahrt bleiben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Auch mündliche Zusagen sollten aus meiner Sicht möglichst verlässlich eingehalten werden. Bei aller Betonung einer partnerschaftlichen Unternehmenskultur darf nicht vergessen werden, dass hinter Entscheidungen und Zusagen auch reale Existenzen und persönliche Planungen stehen.
Persönlich sehe ich aktuell keine wesentlichen Vorteile gegenüber einem bereits etablierten Softwareunternehmen oder einem vergleichbaren Mittelständler. Das ist insbesondere deshalb schade, weil die bestehenden Strukturen und die Unternehmensgröße eigentlich gute Voraussetzungen dafür bieten würden, sich durch kurze Wege, schnelle Entscheidungen, frühzeitige Verantwortungsübernahme und eine hohe persönliche Lernkurve positiv abzuheben.
Wenn diese Vorteile jedoch nicht entsprechend zum Tragen kommen und Verantwortungsübernahme, Entscheidungsgeschwindigkeit und persönliche Entwicklung bei bereits etablierten Unternehmen teilweise sogar höher ausfallen, ist aus Mitarbeitersicht nur schwer ein zusätzlicher Mehrwert erkennbar. In diesem Fall wäre aus meiner Sicht sogar ein etwas niedrigeres Gehaltsniveau nachvollziehbar, wenn im Gegenzug tatsächlich andere klare Vorteile geboten werden. Gerade die vorhandenen Strukturen bieten eigentlich die Möglichkeit, Mitarbeitern schneller Verantwortung zu übertragen, Entscheidungen pragmatischer zu treffen und dadurch eine deutlich stärkere persönliche Entwicklung zu ermöglichen.
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner Sicht sollte bei der Personalstrategie klarer zwischen erfahrenen Fach- und Führungskräften und der gezielten Entwicklung jüngerer Potenziale unterschieden werden. Entweder investiert man bewusst in erfahrene Persönlichkeiten aus dem Enterprise-Software-Umfeld und vergütet diese entsprechend, sodass sie ihr Know-how an jüngere Mitarbeiter weitergeben können, oder man baut Nachwuchskräfte systematisch auf und entwickelt diese langfristig.
Aktuell werden zwar durchaus fachlich starke Mitarbeiter mit teilweise beeindruckenden Lebensläufen gewonnen, bei einigen fehlt jedoch die tatsächliche Erfahrung im Softwarevertrieb innerhalb des relevanten Kundensegments. Gleichzeitig entsteht durch hohe Gehälter für diese Positionen und eine deutlich niedrigere Vergütung jüngerer Mitarbeiter eine Diskrepanz bei Wertschätzung, Verantwortung und Entwicklungsperspektiven.
Zusätzlich erschwert die vergleichsweise hohe Fluktuation den Aufbau nachhaltiger Strukturen. Durch häufige personelle Wechsel und damit verbundene strategische Neuausrichtungen fehlt es teilweise an Kontinuität und Stringenz in der Umsetzung.
Arbeitsatmosphäre
Im Großen und Ganzen solide, allerdings fehlen teilweise klare Strukturen. Strategien ändern sich zudem häufig, ohne dass transparent kommuniziert wird, was konkret erarbeitet werden soll und in welche Richtung sich Themen entwickeln. Gerade für jüngere oder unerfahrenere Mitarbeiter kann dadurch schnell das Gefühl entstehen, mit Aufgaben allein gelassen zu werden. Die Aussage, man solle „erst einmal machen“, hilft dabei nur bedingt, wenn gleichzeitig nicht klar ist, welches Ziel verfolgt wird und welche Richtung vorgegeben ist.
Für die überschaubare Unternehmensgröße sind die Abläufe teilweise unnötig langwierig und Entscheidungen müssen über mehrere Hierarchieebenen hinweg abgestimmt werden, anstatt pragmatisch und zeitnah eine Lösung zu finden. Gerade bei einem kleineren Unternehmen sollte hier eigentlich der Vorteil in den kurzen Entscheidungswegen und der damit verbundenen Möglichkeit liegen, schnell auf Veränderungen und neue Gegebenheiten zu reagieren. In diesem Fall war das jedoch leider nicht erkennbar.
Über alles wurde mehrfach diskutiert.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war, gelinde gesagt, unterdurchschnittlich und lag auch im Vergleich zu vergleichbaren Positionen in der Branche deutlich niedriger. Gleichzeitig wurden teilweise Personalien besetzt, die aus meiner Sicht nicht zum tatsächlichen Bedarf passten und dabei ein deutlich höheres Gehaltsniveau erhielten. Das führte verständlicherweise zu fehlendem Verständnis. Gleichzeitig wurde kein klarer und nachvollziehbarer Fahrplan aufgezeigt, wie man sich selbst in dieser Hinsicht weiterentwickeln und perspektivisch verbessern kann.
In Gesprächen wurden Inhalte, fachliche Entwicklungen und insbesondere die eigene Bedeutung für das Unternehmen immer wieder hervorgehoben. Bei konkreten Maßnahmen und tatsächlichen Verbesserungen wurde die Umsetzung jedoch häufig auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Dadurch entstand zunehmend der Eindruck, dass zwischen den kommunizierten Wertschätzungen und den tatsächlich getroffenen Entscheidungen eine gewisse Diskrepanz besteht.
Auch im Bereich Karriere und Weiterbildung war grundsätzlich ein Budget vorgesehen. In der Praxis wurde bei konkreten Weiterbildungswünschen jedoch teilweise wieder hinterfragt, ob diese tatsächlich notwendig seien.
Arbeitsbedingungen
Es wurde sich stets darum bemüht, ein angenehmes und wertschätzendes Arbeitsklima zu schaffen. Teilweise blieb es jedoch bei Lippenbekenntnissen, während der tatsächliche Umgang mit bestimmten Themen diesem Anspruch nicht immer gerecht wurde. Gleichzeitig geht dieser Ansatz an manchen Stellen etwas zu weit. Bei aller Bedeutung eines guten Miteinanders sollte nicht aus dem Blick geraten, dass es sich letztlich um ein Wirtschaftsunternehmen handelt und daher auch Leistung, Effizienz und klare Entscheidungen eine entsprechende Rolle spielen.
Hinzu kam, dass getroffene Absprachen hinsichtlich der weiteren beruflichen Entwicklung teilweise aufgrund einer neu ausgerichteten Strategie wieder verworfen wurden. Wenige Monate später wurden vergleichbare Positionen dann teilweise doch extern besetzt.
Hier fehlten aus meiner Sicht insbesondere eine offene Kommunikation, Transparenz und eine gewisse Stringenz in den Entscheidungen. Gerade bei der eigenen beruflichen Entwicklung ist es schwierig, langfristig zu planen, wenn zuvor getroffene Vereinbarungen aufgrund wechselnder strategischer Ausrichtungen wiederholt infrage gestellt werden.
Gleichberechtigung
Viele ältere Kollegen gab es hier tatsächlich nicht. Teilweise haben einzelne Personalentscheidungen jedoch etwas überraschend gewirkt, sodass man sich davon mitunter überrumpelt gefühlt hat. Letztlich hat man diese Entscheidungen dann so hingenommen.