Vom Familienunternehmen zur Angstkultur - sehr enttäuschende & traurige Entwicklung!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv ist nach wie vor der Zusammenhalt unter vielen Kolleginnen und Kollegen. Es gibt viele engagierte, kompetente und loyale Mitarbeitende, die das Unternehmen über Jahrzehnte geprägt haben. Auch die fachlichen Aufgaben können interessant sein, und die technische Ausstattung ist grundsätzlich solide. Das Unternehmen hatte lange einen guten Ruf als sicherer, familiengeprägter und verlässlicher Arbeitgeber. Viele Mitarbeitende haben sich genau deshalb stark mit dem Unternehmen identifiziert.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Besonders enttäuschend ist der Umgang mit langjährigen und älteren Kolleginnen und Kollegen. Menschen, die 30 Jahre und länger für das Unternehmen gearbeitet haben, sich nichts haben zuschulden kommen lassen, zuverlässig waren und das Unternehmen über Jahrzehnte nach vorne getragen haben, werden plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt. In Gesprächen wird ihnen eröffnet, dass es für sie keine Perspektive mehr gibt. Anschließend werden sie behandelt, als hätten sie sich etwas Schwerwiegendes zuschulden kommen lassen. Dieser Umgang ist menschlich kaum nachvollziehbar und passt überhaupt nicht zu dem Bild, das Viega nach außen gerne vermittelt. Hinzu kommt eine Atmosphäre der Unsicherheit. Viele fragen sich mittlerweile, ob sie als Nächstes betroffen sind. Vertrauen entsteht so nicht.
Im Gegenteil: Es entsteht Angst, Enttäuschung und eine große Distanz zur Unternehmensführung. Ebenfalls schwer nachvollziehbar ist der zunehmende Ausbau von Führungsebenen. Früher waren die Wege deutlich kürzer. Heute werden zusätzliche Ebenen eingezogen, bis man beim CEO ankommt. Gleichzeitig wird bei Mitarbeitenden gespart, die seit Jahrzehnten das Unternehmen getragen haben. Aus meiner Sicht sollte man zuerst prüfen, ob die aufgeblähte Führungsstruktur wirklich notwendig ist.
Verbesserungsvorschläge
Die Unternehmenswerte sollten nicht nur kommuniziert, sondern tatsächlich gelebt werden. Dazu gehört ein respektvoller, transparenter und sozialverträglicher Umgang mit Mitarbeitenden - insbesondere mit Menschen, die dem Unternehmen über Jahrzehnte treu waren. Wenn Einsparungen notwendig sind, sollte zuerst geprüft werden, ob es freiwillige Programme, Altersteilzeit, faire Abfindungsmodelle oder andere sozialverträgliche Lösungen gibt. Genau das war früher möglich und hätte auch heute geprüft werden müssen.Außerdem sollte man kritisch hinterfragen, ob wirklich bei den Mitarbeitenden gespart werden muss oder ob Einsparpotenziale nicht auch in der Führungsebene und in den gewachsenen Hierarchien liegen.
Der Hinweis des Employer Brandings, man könne sich bei Gesprächsbedarf an die Führungskraft oder den People-Bereich wenden, wirkt in der aktuellen Situation wenig glaubwürdig. Viele Mitarbeitende werden sich genau das nicht trauen, weil sie befürchten müssen, dass es negative Folgen haben könnte. Wenn man die Sorgen der Mitarbeitenden ernst nehmen möchte, braucht es unabhängige, geschützte und vertrauenswürdige Gesprächsmöglichkeiten.
Viega sollte dringend wieder zu einem menschlicheren, faireren und glaubwürdigeren Umgang zurückfinden. Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens darf nicht auf Kosten von Vertrauen, Respekt und sozialer Verantwortung gehen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre hat sich in den letzten Jahren spürbar verschlechtert. Früher war das Unternehmen für viele ein verlässlicher, familiärer und stabiler Arbeitgeber. Heute ist die Stimmung deutlich angespannter und von Unsicherheit geprägt. Viele Kolleginnen und Kollegen fragen sich, ob sie als Nächstes betroffen sein könnten. Das Vertrauen in die Unternehmensführung hat erheblich gelitten.
Kommunikation
Die Kommunikation ist aus meiner Sicht eines der größten Probleme. Nach außen wird viel kommuniziert, intern bleibt vieles aber oberflächlich, unvollständig oder kommt zu spät. Entscheidungen werden offenbar weit oben getroffen und dann in die Organisation gegeben, ohne dass Betroffene wirklich einbezogen oder frühzeitig informiert werden. Ein Beispiel ist das neue Arbeitsplatzkonzept: Man hat keinen fest zugewiesenen Arbeitsplatz mehr und muss Wochen im Voraus über eine App einen Schreibtisch buchen. Wenn dann eine neue Führungskraft eingestellt wird, kann es passieren, dass der gebuchte Arbeitsplatz ohne eine persönliche Info gestrichen wird. Wenn man Glück hat, sieht man es zufällig in der App.
Das mag organisatorisch begründbar sein, wirkt im Alltag aber sehr unpersönlich. Gerade in einem Unternehmen, das Wertschätzung und moderne Zusammenarbeit betont, würde ich mir hier deutlich mehr Transparenz, Verlässlichkeit und direkte Kommunikation wünschen.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist nach wie vor einer der wenigen positiven Punkte.
Work-Life-Balance
Flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten sind grundsätzlich möglich, was positiv ist. Allerdings wird die Work-Life-Balance zunehmend dadurch belastet, dass Aufgaben auf weniger Mitarbeitende verteilt werden. Wenn Personal reduziert wird, die Arbeit aber bleibt, entsteht zusätzlicher Druck. Das wirkt sich langfristig auf Motivation, Gesundheit und Belastbarkeit aus.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten wirkt zunehmend distanziert, strategisch und wenig ehrlich. Besonders unangenehm ist diese vordergründige Duz-Kultur.
Nach außen wirkt alles locker, modern und wertschätzend, tatsächlich fühlt es sich aber oft hintergründig und wenig aufrichtig an.
Es wird Nähe suggeriert, wo in entscheidenden Momenten keine echte Fürsorge vorhanden ist. Wenn es schwierig wird, zählen offenbar vor allem Zahlen, Strukturen und Anweisungen von oben. Menschlichkeit und Loyalität bleiben dabei auf der Strecke.
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben gibt es grundsätzlich weiterhin. Das Unternehmen bietet fachlich durchaus spannende Themen und Entwicklungsmöglich-keiten. Allerdings wird das durch die aktuelle Stimmung und die zunehmende Unsicherheit stark überlagert. Wenn Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben oder plötzlich zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen, weil Kolleginnen und Kollegen entlassen wurden, treten Motivation und Gestaltungsspielraum in den Hintergrund.
Gleichberechtigung
Nach außen wird viel über Werte, Fairness und moderne Unternehmens-kultur gesprochen. In der Praxis entsteht aber nicht immer der Eindruck, dass alle Mitarbeitenden gleich wertgeschätzt werden. Insbesondere ältere und langjährige Mitarbeitende scheinen aktuell nicht die Wertschätzung zu erfahren, die sie nach Jahrzehnten im Unternehmen verdient hätten. Das passt nicht zu einem Arbeitgeber, der sich gerne sozial und verant-wortungsbewusst darstellt.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen ist aus meiner Sicht besonders enttäuschend. Menschen, die 30 Jahre oder länger im Unternehmen gearbeitet haben, zuverlässig waren und das Unternehmen mit aufgebaut haben, werden plötzlich als nicht mehr passend oder nicht mehr benötigt betrachtet. Das ist menschlich schwer nachvollziehbar. Gerade ein Unternehmen, das sich lange als Familienunternehmen verstanden hat, sollte mit langjährigen Mitarbeitenden anders umgehen. 2004 gab es in einer vergleichbaren Situation ebenfalls einen Personalüberhang. Damals wurde aus meiner Sicht deutlich sozialverträglicher gehandelt. Ältere Mitarbeitende wurden gefragt, ob sie zum Beispiel zurück nach Italien, Spanien, Türkei, usw. gehen möchten, und viele Fälle wurden z. B. über Altersteilzeit gelöst. Am Ende mussten nur vergleichsweise wenige betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Heute wirkt das Vorgehen deutlich kälter und härter. Da spielt es keine Rolle, wie lange man im Unternehmen ist oder ob man ggf. zwei Kinder hat.
Arbeitsbedingungen
Die technischen und räumlichen Arbeitsbedingungen sind grundsätzlich in Ordnung. Kritisch ist jedoch die neue Arbeitsplatzorganisation ohne festen Arbeitsplatz. Einen Arbeitsplatz über eine App Wochen im Voraus buchen zu müssen, nimmt dem Arbeitsalltag Planbarkeit und Verlässlichkeit. Noch problematischer ist es, wenn Buchungen ohne eine persönliche Info gestrichen werden. Das erzeugt zusätzlichen Frust und vermittelt wenig Wertschätzung.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Beim Thema Umwelt und Nachhaltigkeit wird viel getan und kommuniziert. Das ist grundsätzlich positiv. Beim Sozialbewusstsein sieht es aus meiner Sicht leider anders aus. Nachhaltigkeit sollte nicht nur Produktion, Energie oder Umwelt betreffen, sondern auch den Umgang mit Menschen. Wer soziale Verantwortung nach außen betont, sollte sie auch intern leben. Aktuell entsteht der Eindruck, dass wirtschaftliche Ziele deutlich wichtiger sind als soziale Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden.
Gehalt/Benefits
Es wird nach Tarif gezahlt, was grundsätzlich positiv ist. Gleichzeitig sollte man aus meiner Sicht genauer hinschauen, wie Gehaltsentwicklungen insbesondere bei Führungskräften gehandhabt wurden oder werden.
Alle Führungskräfte haben in der Vergangenheit sowohl von tariflichen Erhöhungen profitiert als auch zusätzlich jährliche Gehaltsüberprüfungen erhalten. Das wirkt mindestens erklärungsbedürftig, wenn gleichzeitig an anderer Stelle gespart und Personal abgebaut wird. Falls tarifliche Erhöhungen bei Führungskräften inzwischen nicht mehr automatisch weitergegeben werden, wäre das aus meiner Sicht konsequent.
Image
Das Image lebt noch von der Vergangenheit. Viele verbinden Viega noch immer mit einem starken Familienunternehmen. Seit dem die 4. Generation leider ausgeschieden sind, fühlt es sich intern für viele inzwischen jedoch eher wie ein Konzern mit harter, zahlengetriebener Führungskultur an.


