Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv hervorheben kann ich lediglich die interessanten und abwechslungsreichen Aufgaben. Die Rahmenbedingungen und insbesondere meine Erfahrungen mit Einarbeitung, Kommunikation und Führung haben die fachlich interessanten Tätigkeiten für mich jedoch stark überschattet.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Meine Zeit in diesem Unternehmen habe ich leider als durchweg enttäuschend und teilweise respektlos erlebt. Rückblickend bereue ich es, trotz der bereits sehr schlechten Erfahrungen während meines Praxissemesters anschließend noch als Werkstudentin dort weitergearbeitet zu haben.
Bereits die Einarbeitung war aus meiner Sicht katastrophal. Eine strukturierte oder angemessene Einarbeitung fand praktisch nicht statt. Da die Kollegin, die mich ursprünglich einarbeiten sollte, krankheitsbedingt ausgefallen war, wurden mir drei große Ordner auf den Tisch gelegt, mit denen ich mich weitgehend selbstständig einarbeiten sollte. Von einer professionellen Begleitung oder einem vernünftigen Einarbeitungskonzept konnte aus meiner Sicht keine Rede sein.
Die andere Kollegin, an die ich mich mit Fragen wenden sollte, war aufgrund ihrer eigenen Aufgaben und des Ausfalls ihrer Kollegin offensichtlich überlastet. Diese Überforderung bekam ich leider unmittelbar zu spüren. Auf Fragen wurde häufig genervt und teilweise passiv-aggressiv reagiert. Als neue Mitarbeiterin entstand dadurch bei mir zunehmend das Gefühl, mit meinen Fragen zu stören, obwohl genau diese Fragen aufgrund der fehlenden Einarbeitung notwendig waren.
Die ohnehin mangelhafte Einarbeitung wurde schließlich praktisch vollständig abgebrochen, nachdem sich diese Kollegin dazu entschieden hatte, das Unternehmen zu verlassen. Statt meine Einarbeitung fortzuführen, lag der Fokus nun darauf, einen Ersatz für ihre eigene Position zu finden und diesen einzuarbeiten. Ich blieb dabei auf der Strecke. Dadurch hatte ich aus meiner Sicht zu keinem Zeitpunkt eine faire Chance, richtig im Unternehmen anzukommen und mich fachlich so einzuarbeiten, wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte.
Trotz all dieser Umstände blieb ich dem Unternehmen treu und arbeitete nach meinem Praxissemester als Werkstudentin weiter. Mir wurde dabei eine berufliche Perspektive im Unternehmen vermittelt und in Aussicht gestellt, dass nach meinem Bachelorabschluss eine Festanstellung auf mich warten würde. Auf diese Aussage habe ich vertraut. Dafür nahm ich unter anderem regelmäßig den langen Arbeitsweg nach Oldenburg in Kauf.
Umso enttäuschender und respektloser empfand ich den späteren Umgang mit mir.
Nachdem die Geschäftsführung von meiner bevorstehenden Hochzeit erfahren hatte, fielen nach meiner Heirat Äußerungen über meine Ehe, die ich als äußerst unangebracht, respektlos und abwertend empfunden habe. Für mich haben solche persönlichen Kommentare im professionellen Umgang mit Mitarbeitenden nichts zu suchen.
Der für mich schlimmste Punkt war jedoch das Ende meiner Beschäftigung.
Nachdem zuvor die Aussicht auf eine Festanstellung bestanden hatte, erhielt ich schließlich einen Termin, von dem ich ausging, dass es dabei um meine Übernahme beziehungsweise meinen Festvertrag gehen würde. Ich erschien zu diesem Termin in der Erwartung, meine berufliche Zukunft im Unternehmen zu besprechen.
Stattdessen musste ich vor Ort feststellen, dass es nicht um meine Übernahme ging, sondern um die Beendigung meiner Beschäftigung.
Diese Situation empfand ich nach der zuvor vermittelten Perspektive als enorm enttäuschend und menschlich äußerst respektlos. Besonders bitter war für mich, dass ich keine Begründung erhielt, die mir diesen plötzlichen Sinneswandel nachvollziehbar erklärt hätte.
Aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs zwischen meiner Hochzeit, den für mich abwertenden Äußerungen über meine Ehe und der anschließend nicht mehr erfolgten Übernahme entstand bei mir persönlich der starke Eindruck, dass möglicherweise auch meine zukünftige Familienplanung beziehungsweise die Sorge vor einer möglichen Schwangerschaft eine Rolle gespielt haben könnte. Beweisen kann ich dies nicht und stelle es daher ausdrücklich nicht als Tatsache dar. Dennoch ist dieser Eindruck bei mir bis heute geblieben.
Was mich rückblickend besonders enttäuscht, ist die Gesamtheit der Erfahrungen: Eine Einarbeitung, die diesen Namen aus meiner Sicht kaum verdient hat. Genervte und passiv-aggressive Reaktionen auf notwendige Fragen. Das Gefühl, während der Einarbeitung einfach sich selbst überlassen zu werden. Persönliche Äußerungen, die ich als respektlos gegenüber meiner Ehe empfunden habe. Eine in Aussicht gestellte berufliche Perspektive, auf die ich mich verlassen habe und die sich letztlich nicht erfüllt hat. Und schließlich die Art und Weise, wie meine Beschäftigung beendet wurde.
Nach meinem Praxissemester und meiner anschließenden Tätigkeit als Werkstudentin kann ich dieses Unternehmen als Arbeitgeber daher leider überhaupt nicht empfehlen.
Ich habe viel Zeit, Engagement und auch die Belastung eines langen Arbeitsweges investiert, weil ich darauf vertraut habe, dort eine berufliche Zukunft aufbauen zu können. Umso ernüchternder ist es für mich, wie wenig Wertschätzung ich am Ende erfahren habe.
Verbesserungsvorschläge
Die grundlegenden Arbeitsbedingungen waren in Ordnung. Mein Hauptproblem lag nicht in der Ausstattung, sondern in der Organisation, Einarbeitung und Führung.
Arbeitsatmosphäre
Angespannt und wenig wertschätzend. Als neue Mitarbeiterin fühlte ich mich häufig eher als Belastung als willkommen.
Work-Life-Balance
Grundsätzlich in Ordnung. Für mich persönlich allerdings durch den langen Arbeitsweg und die enttäuschende Gesamtsituation belastet.
Kollegenzusammenhalt
Aufgrund von Überlastung und Personalausfällen blieb gegenseitige Unterstützung leider oft auf der Strecke.
Vorgesetztenverhalten
Wenig wertschätzend und teilweise grenzüberschreitend. Nach meiner Hochzeit fragte mich die Geschäftsführerin ernsthaft, ob meine Ehe arrangiert sei. Eine solche Frage empfand ich als respektlos, unangemessen und im beruflichen Kontext völlig deplatziert.
Arbeitsbedingungen
Die grundlegenden Arbeitsbedingungen waren in Ordnung. Mein Hauptproblem lag nicht in der Ausstattung, sondern in der Organisation, Einarbeitung und Führung.
Kommunikation
Unzureichend und teilweise passiv-aggressiv. Auf notwendige Fragen während der kaum vorhandenen Einarbeitung wurde häufig genervt reagiert.
Gleichberechtigung
Für mich fragwürdig. Insbesondere persönliche Fragen und Äußerungen zu meiner Ehe sowie die Umstände rund um die nicht erfolgte Übernahme haben bei mir einen sehr negativen Eindruck hinterlassen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben an sich waren abwechslungsreich und interessant. Leider wurden die positiven Aspekte durch die fehlende Einarbeitung und den Umgang im Unternehmen überschattet.