Technisch herausragend, menschlich mangelhaft.
Kommunikation
Es wird viel gesprochen aber wenig gesagt.
Diverse Veranstaltungen wurden etabliert damit Führungskräfte zur Belegschaft sprechen können.
Für die Belegschaft relevante Inhalte sucht man dort vergeblich, Anglizismen und Buzzwords hört man dafür zur Genüge.
Im Gesamtbild manifestiert sich der Eindruck, dass diese Veranstaltungen
nur den Führungskräften selber dienen, nämlich um sich von dem Vorwurf der mangelnden Kommunikation freisprechen zu können.
Kollegenzusammenhalt
Die schwierige Lage schweisst unglaublich zusammen und offenbart sehr schnell wer Kollege und wer Opportunist ist.
Work-Life-Balance
Ist theorethisch gut möglich, wenn man denn gleichgültig genug ist.
Mit Mobilem Arbeiten / Homeoffice wird zwar geworben, dieses dann aber auch wirklich nutzen zu wollen wird von Vorgesetzten nur sehr ungern gesehen.
Die Tatsache, dass Mobiles Arbeiten über ein Formular schriftlich begründet und von Team-, Abteilungs- und Bereichsleitung unterschrieben / genehmigt werden muss, sagt einiges über die Akzeptanz dieser Arbeitsform im Unternehmen aus.
Die 35-Stunden-Woche, wie sie in den meisten Arbeitsverträgen und Stellenausschreibungen steht ist auch mehr als Empfehlung zu verstehen.
Aus Mangel an effizienten Prozessen und nachhaltiger Fehlerkultur ist Mehrarbeit (natürlich nur auf Arbeitsebene) das einzige und häufig genutzte Mittel um Produktionsziele doch noch zu erreichen.
Vermehrt wird hierbei auch auf als "freiwillig" deklarierte Mehrabeit gesetzt.
Die Freiwilligkeit wird hierbei durch Druck von Vorgesetzen auf Mitarbeiter erzeugt.
Wenn man sich an diesen Dingen nicht stört, ist eine gesunde Work-Life-Balance durchaus vorstellbar.
Vorgesetztenverhalten
Das Prinzip "Führen durch Vorbild" ist hier leider inzwischen fast unbekannt.
Auf dem Weg vom Mitarbeiter zum Vorgesetzten wird unternehmensseitig nur auf die fachliche Eignung geachtet, die Fähigkeit Mitarbeiter führen zu können scheint kein Kriterium zu sein.
Somit wird es zum Glückspiel, ob man unter einer fähigen Führungskraft, einem übermotivierten Highperformer oder einem arbeitsscheuen Oportunisten arbeitet.
Interessante Aufgaben
Sind in allen Bereichen auf jeden Fall vorhanden.
Man muss sie als Mitarbeiter nur selbständig finden oder hoffen, für diese ausgewählt zu werden.
Eine gezielte Umsetzung von Prinzipien wie Job Enrichment findet nicht statt.
Umgang mit älteren Kollegen
Je höher die Lohngruppe, desto leichter wird es für die Mitarbeiter die letzten Jahre bis zum Ruhestand zu bewältigen.
Gehalt/Benefits
Der bestehende Tarifvertrag gewährleistet ein angemessenes Gehalt.
Dies ist allerdings keine Leistung des Arbeitgebers sondern wird in jeder Tarifrunde immer wieder durch Gewerkschaft und Mitarbeiter erkämpft.
Image
Ausserhalb der Firma hört man nichts Negatives.
Karriere/Weiterbildung
Als Ja-Sager hat man momentan gute Chancen die Karierreleiter nach oben zu klettern.
Ähnlich wie beim Job Enrichment ist hier aber kein Muster bzw. langfristiger Plan zu erkennen.
Stattdessen fragt man sich eher vermehrt, wie es so manch einer / eine soweit nach oben schaffen konnte, während als fähig empfundene langjährige Mitarbeiter kleingehalten werden.