Einkauf & Lieferantenqualität: Wo Burnout als Engagement gilt und der Zirkus niemals schließt.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kaffeemaschine zeigt mehr Konstanz als manche Prozesse
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Willkommen im Bereich Einkauf & Lieferantenqualität!
Falls du schon immer mal live miterleben wolltest, wie man moderne Führung garantiert nicht lebt: Herzlichen Glückwunsch, du hast dein persönliches Lehrbuch gefunden!
Vertrauen ist hier glücklicherweise als völlig überbewertetes Relikt gestrichen worden. Wir setzen stattdessen auf lückenlose Kontrolle, liebevolles Micromanagement und das feste Vertrauen darauf, dass sich brennende Probleme von ganz allein löschen, sobald man nur genügend Status-Meetings dazu einberuft.
Die weisen Entscheidungen werden naturgemäß weit weg von der lästigen operativen Realität getroffen, vorzugsweise von Führungskräften, deren Karriereweg direkt von der Schulbank auf den Chefsessel führte und die ihre Praxiserfahrung nun mutig im laufenden Betrieb sammeln.
Dass sich diese Glanzleistungen in der Praxis schlicht nicht umsetzen lassen? Ach, nur ein belangloses Detail, das die Statistik nicht weiter stören sollte!
Ein absolutes Highlight des Hauses ist die hochgradig innovative Fehlerkultur:
- Läuft etwas gut? Phänomenaler Erfolg des Managements (oder zur Not „kollektives Teamwork“)!
- Läuft etwas schief? Keine Sorge, der schuldige Sündenbock in der Sachbearbeitung ist meist in unter fünf Sekunden identifiziert.
Verantwortung sickert physikalisch bedingt immer nach unten durch. Rückendeckung von oben hingegen wurde aus strengen Kostengründen leider ersatzlos gestrichen.
Neue Kolleginnen und Kollegen werden nach dem weltbekannten Prinzip „Learning by Surviving“ empfangen. Ein strukturiertes Onboarding wäre ja auch Zeitverschwendung. Stattdessen übernehmen ohnehin schon völlig kollabierende Kolleginnen und Kollegen die Einarbeitung, logischerweise ganz nebenbei im normalen Tagesgeschäft. Sollten dabei Fehler entstehen, wird selbstverständlich nicht der hanebüchene Prozess hinterfragt, sondern schlicht die Kompetenz des trainers. Systematisch und effizient!
Die Arbeitsbelastung hier verdient eigentlich einen Orden. Zehn Stunden am Tag? Das ist nicht etwa viel, sondern lediglich die Eintrittskarte, um überhaupt als anwesend zu gelten. Wer beweist, dass er extrem viel wegdenkert, wird natürlich prompt belohnt: "mit noch mehr Arbeit!". Anerkennung wäre schließlich ein völlig falsches Signal.
Unter dem Vorwand der „Vertrauensarbeitszeit“ versteht das Management vor allem eines: Vertrauen darauf, dass die Belegschaft ihre Belastungsgrenzen treudoof ignoriert. Wer es wagt, Freizeitausgleich zu beantragen, darf sich rechtfertigen wie bei einem Bittgang um eine dreifache Gehaltserhöhung.
Die Mitarbeitenden haben teilweise bereits großzügig auf Bonusmodelle zu gunsten mehr Freizeit verzichtet, um dem Unternehmen mehr Flexibilität zu bieten. Der nächste betriebswirtschaftliche Logikschritt ist da doch klar: Urlaub streichen und Feldbetten direkt zwischen den Schreibtischen aufstellen! Effizienzsteigerung durch vollständige Selbstaufgabe, ein Pionierkonzept, das sich nicht jedes Unternehmen traut.
Faszination pur bietet auch das Verständnis von Qualität. Präventives Arbeiten? Risiken frühzeitig erkennen? Nachhaltigkeit? Klingt nach süßen Ammenmärchen aus dem letzten Jahrhundert!
Die echte Aufmerksamkeit und den großen Applaus bekommen bei nur die wahren Helden: Diejenigen, die Probleme monatelang gekonnt ignorieren, bis die Hütte lichterloh brennt, um das Ganze anschließend vor versammelter Mannschaft medienwirksam „zu retten“. Wer dagegen still, leise und professionell verhindert, dass überhaupt ein Funke entsteht, bleibt garantiert unsichtbar. Seit wann arbeitet Qualität denn bitte präventiv?!
Nicht wer Ergebnisse liefert oder Katastrophen verhindert gewinnt, sondern wer sich am lautesten selbst feiert und die größte Show im Meeting abzieht.
Unsere IT-Systeme erinnern uns täglich daran, dass Improvisation die einzige wahre Kernkompetenz ist. Prozesse ändern sich schneller als die Rechtschreibung in ihren Dokumentationen, Prioritäten wechseln im Stundentakt, und trotzdem wird absolute Fehlerfreiheit erwartet. Dass der Laden überhaupt noch läuft, grenzt an ein medizinisches Wunder und liegt ausschließlich am sturen Überlebenswillen der Belegschaft, garantiert nicht an den vorhandenen Strukturen.
HR glänzt in der Rolle als hervorragendes Schutzschild, allerdings für das Unternehmen, nicht für die Beschäftigten. Und vom Betriebsrat? Nun, sagen wir so: Ein bisschen mehr Zähne und etwas weniger dekoratives Schweigen hätte den Interessen der Belegschaft sicher gutgetan.
Wer also ein Umfeld sucht, in dem Prävention geschätzt, Leistung fair bewertet und Führung tatsächlich gelebt wird: Bitte weitersuchen!
Wer hingegen schon immer wissen wollte, wie sich Qualitätsmanagement anfühlt, wenn man erst dann hektisch losläuft, wenn bereits alles in Schutt und Asche liegt: Herzlich willkommen, hier bist du das strahlende Anschauungsobjekt!
Verbesserungsvorschläge
Die größte Innovation wäre, die Realität ernst zu nehmen
Arbeitsatmosphäre
Ein Ort, an dem Motivation in Rente geht!
Image
Auf LinkedIn perfekt, im Alltag eine andere Geschichte
Work-Life-Balance
Burnout inklusive, Balance optional
Karriere/Weiterbildung
Beförderungen haben offenbar eine Gästeliste
Gehalt/Benefits
Große Erwartungen, kleine Wertschätzung
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Grün nach außen, grau im Alltag
Kollegenzusammenhalt
Teamgeist mit versteckter Klinge
Umgang mit älteren Kollegen
Alter bringt Weisheit, aber nicht immer die gewünschte Karrieregeschwindigkeit
Vorgesetztenverhalten
Manche führen Menschen, andere nur Tabellen
Arbeitsbedingungen
Optimale Bedingungen, zumindest laut Präsentation
Kommunikation
Kommunikation? Eher moderne Form von Stille Post
Gleichberechtigung
Alle sind gleich – manche offenbar etwas gleicher
Interessante Aufgaben
Abwechslung? Ja, zwischen verschiedenen Arten von Frust