Mitarbeiterin im Kundenservice: Mehr Einsatz als Gegenwert – nicht empfehlenswert
Gut am Arbeitgeber finde ich
* Die Möglichkeit, vollständig remote zu arbeiten
* Das angenehme Arbeitsklima durch den hohen Anteil an weiblichen Mitarbeitenden
* Die anfängliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Teams
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
* Schlechte Kommunikation mit dem Hauptsitz in England, wodurch häufig Verzögerungen und verlorene Anfragen entstanden
* Häufige Verzögerungen bei der Bearbeitung von Kundenanfragen und internen Anliegen
* Fehlende Wertschätzung und mangelnde Unterstützung von Seiten des Unternehmens, besonders in Bezug auf Gehaltserhöhung und Arbeitsaufwand
* Unbezahlte zusätzliche Aufgaben während der Urlaubsvertretung von Vorgesetzten
* Schlechte Organisation und ineffiziente Arbeitsprozesse, die zu unnötiger Mehrarbeit führten
* Einstiegsgehalt nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn, trotz der hohen Anforderungen an Sprachkenntnisse und Eigenverantwortung
* Unzureichende Sprachkenntnisse bei einigen Kolleginnen, obwohl Englisch in der Stellenausschreibung gefordert war
* Schlechte und unzuverlässige Kommunikation bezüglich versprochener Rückmeldungen und Erstattungen
Verbesserungsvorschläge
* Verlässliche Kommunikation aufbauen
* Versprechen einhalten und schriftlich bestätigen
* Aufgaben klar abgrenzen und Zusatzverantwortung vergüten
* Feedback ernst nehmen und transparent mit Anliegen umgehen
* Prozesse einheitlich im Team umsetzen
* Sprachkenntnisse konsequent einfordern, wenn sie Teil der Stellenanforderung sind
* Gehalt realistisch an Verantwortung und Anforderungen anpassen
* Den Mitarbeitenden mehr Wertschätzung entgegenbringen, um die Arbeitsmoral und das Arbeitsklima zu verbessern
Arbeitsatmosphäre
Das Team war zu Beginn sehr freundlich, was mir den Einstieg erleichtert hat. Besonders angenehm fand ich, dass die meisten Mitarbeitenden weiblich waren – das schuf ein unterstützendes und respektvolles Miteinander. Leider wurde die Atmosphäre mit der Zeit durch strukturelle Mängel, fehlende Rückmeldungen und mangelnde Wertschätzung belastet.
Image
Ich hatte vor meiner Bewerbung bereits viele kritische Stimmen über das Unternehmen gelesen und wollte mir selbst ein Bild machen. Leider haben sich die meisten dieser Eindrücke im Nachhinein bestätigt.
Work-Life-Balance
Durch die Remote-Arbeit grundsätzlich gut, am Ende des Arbeitstages konnte man einfach den Laptop zu machen und sich von allem abgrenzen. Allerdings wurde in Ausnahmephasen – wie der Urlaubsvertretung meiner Vorgesetzten – viel Verantwortung zusätzlich auf mich übertragen, ohne Ausgleich oder vorherige Absprache.
Karriere/Weiterbildung
Keine Weiterbildungsmöglichkeiten erkennbar. Auch Aufstiegsperspektiven oder persönliche Entwicklung wurden nie thematisiert.
Kollegenzusammenhalt
Im direkten Umgang war das Team freundlich und hilfsbereit. Aber es gab immer wieder Probleme, weil sich manche Kolleg:innen nicht an gemeinsam beschlossene Arbeitsprozesse hielten. Das führte dazu, dass ich Aufgaben doppelt erledigen musste oder Dinge unnötig lange dauerten – was den Zusammenhalt in stressigen Phasen auf die Probe stellte.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Mitarbeitende wurden meines Wissens nach fair und ohne Diskriminierung behandelt.
Vorgesetztenverhalten
Viele Versprechungen wurden gemacht, aber nicht eingehalten – z. B. eine schriftliche Rückmeldung zur abgelehnten Gehaltserhöhung. Obwohl mir diese mehrmals zugesichert wurde (u.a. mit Aussagen wie „Ich mache das heute noch“), blieb sie bis heute aus. Das empfand ich als respektlos und wenig wertschätzend. Auch dass mir während des Urlaubs meiner Vorgesetzten zusätzliche Aufgaben übertragen wurden (z. B. Kundenanfragen aus Belgien und den Niederlanden zu bearbeiten), ohne Vergütung oder vorherige Absprache, war für mich enttäuschend und aus meiner Sicht vertragswidrig. Leider habe ich das erst im Nachhinein realisiert. Ich habe mich dadurch ausgenutzt gefühlt – zumal ich mangels Sprachkenntnissen mit dem Google Übersetzer arbeiten musste, um überhaupt auf Kundennachrichten reagieren zu können.
Arbeitsbedingungen
Die Möglichkeit, vollständig remote zu arbeiten, war für mich ein großer Vorteil. Technisch war die Ausstattung solide. Problematisch war jedoch der Rückgabeprozess nach meinem Austritt: Ich musste das Porto für den Rückversand meines Laptops selbst auslegen, weil es angeblich „nicht möglich“ war einen Retoureschein zu drucken. Die Rückerstattung kam erst nach knapp drei Monaten und wiederholten Anfragen.
Kommunikation
Interne Anfragen – auch von Mitarbeitenden – blieben oft über Wochen und Monate unbeantwortet. Entscheidungen wurden nicht nachvollziehbar getroffen, und Rückmeldungen kamen oft nur auf mehrfaches Nachhaken.
Die Kommunikation im deutschen Team war bereits ausbaufähig, aber der größte Schwachpunkt war die mit dem Hauptsitz in England. Die Kolleg:innen dort wirkten oft, als lebten sie in einer eigenen Welt – Anfragen aus anderen Ländern wurden kaum beachtet oder schlicht vergessen. Besonders problematisch war das, weil alle finanziellen Angelegenheiten ausschließlich über UK liefen. Das führte zu zahlreichen Verzögerungen oder komplett verlorenen Rückerstattungsanfragen, was im Kundenservice extrem belastend war.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt lag trotz Verhandlungen beim Einstieg nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn. Eine spätere Gehaltserhöhungsanfrage wurde ohne Gespräch abgelehnt.
Gleichberechtigung
Ich habe keine Ungleichbehandlung aufgrund von Geschlecht wahrgenommen – im Gegenteil: Die starke weibliche Präsenz im Team empfand ich als bereichernd. Das war einer der wenigen positiven Aspekte.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben im Kundenservice waren eher monoton: E-Mail-Anfragen beantworten, gelegentlich Telefonate, Terminvereinbarungen und zu Beginn etwas Social Media. Später fiel das meiste weg. Es gab Tage, an denen kaum etwas zu tun war, man aber trotzdem seine Zeit „absitzen“ musste. Gelegentlich kamen noch Übersetzungsaufträge dazu, aber das war eher selten. Für mich persönlich war die Arbeit nicht erfüllend oder abwechslungsreich.