Firma mit Potential, wäre da nicht die Geschäftsleitung
Verbesserungsvorschläge
Weniger Ego und Gott-Komplex, mehr Kollaboration in der Geschäftsleitung. Das wichtigste Gut eines Unternehmens sind nicht die Aufträge oder schöne Geschäftszahlen, sondern die eigenen Mitarbeiter. Bezieht die Erfahrungen der Mitarbeiter bei Entscheidungen ein, anstatt über deren Köpfe hinweg unsinnige Planänderungen durchzuziehen. Das Ergebnis wird sich mit absoluter Sicherheit in den Geschäftsergebnissen widerspiegeln!
Arbeitsatmosphäre
Nur innerhalb der Teams spürbar. Von der Existenz anderer Teams erfährt man nur durch das Organigramm. Die direkten Vorgesetzten versuchen alles, um ein besseres Bild zu vermitteln. Die Realität ist geprägt von unsinnigen Entscheidungen der Geschäftsleitung, während die Mitarbeiter ignoriert werden.
Image
Kaum bekannt, selbst innerhalb der Branche. Mehr Bekanntheit durch Übernahmen anstatt durch Leistung.
Work-Life-Balance
Team-Abhängig. Urlaub wurde im Team abgestimmt, damit immer jemand auf auftretende Probleme reagieren konnte. Die Kernarbeitszeiten waren gut und erlaubten Flexibilität bei privaten Terminen. Rufbereitschaft wurde pauschal (fair) vergütet, Einsätze durch Freizeit kompensiert.
Karriere/Weiterbildung
Weder noch. Nach der Kündigungswelle hat die Firma zu viele Team-Leads für zu wenig Mitarbeiter. Es gibt einfach keine Möglichkeit, irgendjemanden sinnvoll zu befördern. Weiterbildungen sind rar, wurden in der Vergangenheit aber hauptsächlich frisch gebackenen Führungskräften zuteil.
Gehalt/Benefits
Keine individuelle, leistungsbezogene Gehaltserhöhung über Jahre hinweg. Erst wegen Corona (einmal 5% für alle in 3 Jahren), dann eingefroren durch die Übernahme. Die richtig guten Leute mussten über Monate hinweg mit Kündigung drohen, um kurz vor Spät eine überdurchschnittliche Gehaltserhöhung zu bekommen - die Aussicht, Verträge nicht mehr erfüllen zu können zeigte sich als gutes Druckmittel.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Weihnachtsfeier in Südfrankreich, Anreise per Flugzeug für alle Mitarbeiter - absolute Verschwendung. Ansonsten ist nicht viel zum Thema Umweltschutz bekannt. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Firma Server in einer steigenden Anzahl an Rechenzentren betreibt, die jedes Jahr leistungshungriger werden...
Kollegenzusammenhalt
Der Mangel an Führungskompetenz war der Klebstoff für guten Zusammenhalt im Team. Leider ist auch hier irgendwann die Schmerzgrenze erreicht und Kollegen fangen an, zu kündigen.
Umgang mit älteren Kollegen
Früher gab es ältere Kollegen auf Team-Lead und Product-Owner-Positionen, das sind jedoch merklich weniger geworden.
Vorgesetztenverhalten
Team-Leads stecken gut sichtbar in der Zwickmühle. Auf der einen Seite müssen sie sich mit der Geschäftsleitung und deren Planänderungen auseinander setzen, auf der anderen Seite die eigenen Mitarbeiter davon überzeugen, dass die Änderungen sinnvoll sind. Die wachsende Verzweiflung war nicht zu übersehen. Dabei haben die Team-Leads trotzdem versucht, die Interessen ihrer Mitarbeiter nach oben hin zu vertreten, z.B. bei Gehaltsanpassungen - mit oft nur geringem Erfolg, bei vielfachem Nachfragen über Monate hinweg. Teilweise musste wohl auf Drohungen ausgesprochen werden, um die Dringlichkeit mancher Anfragen deutlich zu machen. Deswegen kein Fehler der Vorgesetzten, nur eine wirklich schlechte Situation.
Arbeitsbedingungen
Früher gab es moderne Hardware zur Einstellung, die Auswahl war jedoch gering. Mittlerweile wird viel Hardware wiederverwendet, auch Ersatz für betagte Notebooks gibt es nur widerwillig - zu GEC-Zeiten nach 3 Jahren, jetzt definitiv seltener.
Kommunikation
In den wenigen All-Hands-Präsentationen dreht sich nahezu alles um Zahlen. Als wäre der Börsenwert das einzige KPI, an dem man den Erfolg einer Firma messen könnte. Und das auch nur, wenn die Zahlen gut genug sind. "Umstrukturierungen" oder "Planänderungen" werden gut geplant und in möglichst kurzer Zeit in völliger Kommunikations-Stille durchgezogen, um auf keinen Fall Raum für Widerstand entstehen zu lassen. Als Beispiel: Kündigungswelle unbekannten Ausmaßes mit einwöchiger Funkstille der Geschäftsleitung, gefolgt von einem rekordverdächtig kurzem All-Hands mit auffälliger Abwesenheit von Details. Erst auf Druck der Belegschaft wurden die Kommunikationsfehler korrigiert und Besserung gelobt.
Gleichberechtigung
Nicht vorhanden. Im letzten ESG-Bericht war man stolz darauf, die Frauenquote auf 17% erhöht zu haben. Währenddessen wurde ein befreundeter, hoch-qualifizierter, behinderter Kollege über Jahre hinweg bei Gehaltserhöhungen und Beförderungen übergangen. Der Kollege hat mittlerweile ebenfalls von sich aus gekündigt.
Interessante Aufgaben
Abhängig vom jeweiligen Projekt und Team. Manche Projekte wurden entweder frühzeitig von der Geschäftsleitung eingestellt, ohne alle Details zu kennen, oder nur durch Intervention am Leben erhalten. Die oben erwähnte Kündigungswelle betraf z.B. ein Projekt, bei dem hinterher nicht mehr klar war, wie man mit der verbliebenen Anzahl an Mitarbeitern überhaupt irgendwie die vereinbarten Verträge erfüllen könnte. Erst auf Druck der Belegschaft wurden Planänderungen rückgängig gemacht und versucht, zuvor gekündigte Mitarbeiter zur Rückkehr zu überreden, ohne Erfolg.
