Vor dem Wechsel die Eigentümerstruktur verstehen, sie prägt mehr als die Stellenanzeige vermuten lässt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die CI gefällt mir.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Wer einen Wechsel zu x1F erwägt, sollte sich vorher die Eigentümerstruktur ansehen. Sie prägt den Arbeitsalltag stärker, als im Bewerbungsprozess deutlich wird.
Das Eigentümermodell. x1F ist 2020/2021 als Buy-&-Build-Plattform des Private-Equity-Investors Ufenau Capital Partners mit Sitz in der Schweiz entstanden — zunächst aus dem Zusammenschluss von IKOR und matrix technology, danach durch weitere Zukäufe. Ufenau bezeichnet x1F auf der eigenen Website ausdrücklich als Buy-&-Build-Plattform und beschreibt den systematischen Buy-and-Build-Ansatz als Kern der eigenen Investmentstrategie.
Gesellschafterin der x1F Holding GmbH ist ausweislich des Handelsregisters der Fonds Ufenau VI German Asset Light SLP, im Februar 2019 in Luxemburg registriert. Der Eigentümer ist also kein Inhaber und keine Familie, sondern ein Fonds mit Investoren im Hintergrund.
Das ist keine Kritik, sondern das Geschäftsmodell und wie Ufenau damit umgeht, kann jeder auf der Website des Investors nachlesen. Dort werden realisierte Beteiligungen gemeldet: der Verkauf der Mehrheit an der Swiss IT Security Group an Triton, der Verkauf der Trans Europa Express Holding an Orlando Capital, der Verkauf der HVAC-Einheit der ebutec-Gruppe — letzterer aus genau dem Fonds, der auch x1F hält.
Für Bewerber heißt das schlicht: Der Eigentümer realisiert seine Beteiligungen erfahrungsgemäß irgendwann, in der einen oder anderen Form. Man tritt also nicht in ein inhabergeführtes Haus ein. Wer das weiß, ist besser vorbereitet.
Was aus den Ursprungshäusern geworden ist. Die Gruppe ist aus mehreren mittelständischen Beratungen zusammengewachsen, die sich bewusst als Alternative zu den großen Beratungshäusern verstanden haben. Für viele war genau das der Grund, dort anzufangen. Wer sich heute wegen der Kultur eines dieser Häuser für x1F interessiert, sollte prüfen, wie viel davon noch trägt. Nach den öffentlich einsehbaren Angaben ist die heutige Führungsebene nicht aus den Ursprungsgesellschaften hervorgegangen. Bei vergleichbaren Plattformen ist das nach meiner Beobachtung häufig anders gelöst; dort bleibt ein Teil der prägenden Köpfe an Bord.
Der Zielkonflikt. In jedem Unternehmen hat am Ende der Eigentümer das letzte Wort. Steht eine Realisierung zur bestmöglichen Bewertung an, richtet sich die Steuerung logischerweise darauf aus — auf die Kennzahlen, die dabei zählen. Dass Managementvergütung in solchen Konstellationen häufig an den Exit-Erlös gekoppelt ist, ist branchenüblich und in der Fachliteratur beschrieben; ich beschreibe hier das Modell, nicht interne Vereinbarungen. Es bedeutet aber: Mitarbeiterorientierung, Benefits und Kultur geraten in einen Zielkonflikt, und man sollte sich vorher überlegen, welche Priorität sie in einem solchen Umfeld realistischerweise haben können.
Mein persönlicher Eindruck. Hohe Arbeitsbelastung und Druck waren für mich nie das Thema, damit komme ich gut zurecht. Was mir den Spaß genommen hat, war das Klima, das sich aus dem beschriebenen Spannungsfeld entwickelt hat: eine Kommunikation, die ich als von oben herab empfunden habe, und eine spürbare Zwei-Klassen-Wahrnehmung zwischen Führungsspitze und dem Rest der Organisation. Für mich waren das rote Flaggen.
Ob andere das genauso erleben, muss jeder selbst entscheiden. Mir hätte es geholfen, diese Punkte vorher zu kennen — deshalb schreibe ich sie auf.
Arbeitsatmosphäre
Aus den Kommentierungen von HR hier auf der Plattform ist ersichtlich, dass sich x1F seit Ende 2024 in der Transformation befindet. Das zehrt und macht mürbe. Das Klima hat sich damit im Laufe der Zeit spürbar von dem entfernt, was die Ursprungshäuser ausgemacht hat.
Kommunikation
Entscheidungen wurden aus meiner Sicht wenig erläutert.
Kollegenzusammenhalt
Unter den Kolleginnen und Kollegen habe ich den Zusammenhalt als den Lichtblick empfunden. Die Substanz kommt hier von den Menschen, nicht von der Struktur.
Vorgesetztenverhalten
Ich habe eine deutliche Distanz zwischen Führungsspitze und Organisation wahrgenommen und einen Umgangston, den ich als respektlos empfunden habe.
Interessante Aufgaben
Fachlich spannende Themen sind vorhanden. Der Fokus lag für mich aber zunehmend auf Kennzahlen statt auf inhaltlicher Entwicklung.
Gleichberechtigung
Formal unauffällig. In der Zusammensetzung der obersten Führungsebene sehe ich allerdings wenig Vielfalt.
Arbeitsbedingungen
Ausstattung und Rahmenbedingungen fand ich in Ordnung. Was aus meiner Sicht fehlte, war Verlässlichkeit in der Steuerung.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Spielte in meiner Wahrnehmung keine erkennbare Rolle.
Image
Nach außen wird die Gruppe als gewachsene Einheit dargestellt. Das deckt sich nicht mit dem, was ich innen erlebt habe.


