Eigentümerstruktur (PE) und Ziel/Zweck des Unternehmens verstehen
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Zu viel Fassade, zu wenig Substanz. Fachlich bleibt der Anspruch aus meiner Sicht deutlich hinter der Außendarstellung zurück. Flexible Arbeitsmodelle und moderne Technik sind 2026 kein besonderer Benefit, sondern Standard. Dazu kommen unklare Strukturen, personenabhängige Führung, fragwürdige Karrierewege und eine Kommunikation, die teilweise eher wie interne PR wirkt. Insgesamt entsteht eher der Eindruck einer zusammengekauften IT Plattformbude als eines integrierten Beratungsunternehmens.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Hochglanz, weniger Corporate-Sprech und weniger Symbolpolitik. Stattdessen klare Verantwortlichkeiten, nachvollziehbare Entscheidungen, transparente Karrierewege und eine ehrliche Integration der zusammengekauften Unternehmen.
Arbeitsatmosphäre
Auf mich wirkt x1F wie ein Unternehmen im permanenten Umbau. Irgendwann ist „Transformation“ keine vorübergehende Phase mehr, sondern schlicht ein Zeichen dafür, dass die Organisation ihre eigene Struktur nicht in den Griff bekommt.
Viele Firmen unter ein gemeinsames Dach zu kaufen, macht daraus noch lange kein gemeinsames Unternehmen.
Kommunikation
Kommunikation ist nicht dasselbe wie Transparenz.
Man kann Townhalls veranstalten, Präsentationen verschicken und ständig irgendwelche Botschaften senden. Entscheidend ist, ob Mitarbeiter verstehen, warum Entscheidungen getroffen werden, wer sie getroffen hat und welche Konsequenzen sie haben.
Wenn Kommunikation im Wesentlichen darin besteht, bereits getroffene Entscheidungen anschließend zu verkaufen, ist das für mich keine Transparenz, sondern Unternehmens\-PR nach innen.
Kollegenzusammenhalt
Dass Mitarbeiter innerhalb ihrer ehemaligen Unternehmen oder Teams gut zusammenhalten, würde ich nicht automatisch x1F zugutehalten.
Im Gegenteil: Wenn Jahre nach Zusammenschlüssen noch immer die alten Netzwerke, Loyalitäten und Firmenidentitäten die stärksten Bindungen darstellen, stellt sich die Frage, wie erfolgreich die Integration tatsächlich war.
Ein neues Logo über vielen alten Firmen ist noch keine Unternehmenskultur.
Work-Life-Balance
Homeoffice ist keine Work-Life-Balance.
Ein Laptop zu Hause macht eine hohe Arbeitsbelastung nicht kleiner. Flexible Arbeitsorte sind inzwischen kein außergewöhnlicher Benefit mehr, sondern in vielen Wissensberufen schlicht Standard.
Entscheidend ist, ob Arbeitsmenge, Erwartungen und Ressourcen zusammenpassen.
Vorgesetztenverhalten
Eine professionelle Organisation darf nicht davon abhängen, ob man zufällig an einen guten Vorgesetzten gerät.
Wenn Führungsqualität stark personenabhängig ist, existiert offenbar kein belastbares Führungssystem. Dann hat man einzelne gute Führungskräfte – aber keine gute Führungskultur.
Interessante Aufgaben
x1F will sehr vieles gleichzeitig sein, obwohl es das nicht mal ansatzweise ist.
Managementberatung, Technologieberatung, SAP-Beratung, Managed-Service-Anbieter, Softwareunternehmen und internationale Delivery-Plattform.
Aus Vertriebssicht ist diese Breite sicherlich attraktiv.
Aus Mitarbeitersicht stellt sich irgendwann allerdings eine viel grundsätzlichere Frage:
Wofür steht dieses Unternehmen fachlich eigentlich noch?
„Wir können alles“ ist selten eine starke Positionierung.
Das Unternehmen ist Systemintegrator und keine Consulting Firma. Das Wording „Consulting“ ist in dem Fall Marketingsprech, tiefe Fachkompetenz oder strategische Beratung ist nicht existent.
Gleichberechtigung
Die aus meiner Sicht geradezu zwanghafte Gendersprache nervt enorm.
Gleichberechtigung zeigt sich nicht an Doppelpunkten, Sternchen und Sprachkonstruktionen, sondern an fairer Behandlung, gleichen Chancen und gleichen Maßstäben.
Eine Firma wird nicht gerechter, nur weil sie ihre Texte gendert.
Für mich ist das vor allem Symbolpolitik und Corporate-Inszenierung.
Umgang mit älteren Kollegen
Ok
Arbeitsbedingungen
Standard
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ok
Gehalt/Benefits
Hier zeigt sich für mich ein interessanter Widerspruch:
Bei Umsatz, Auslastung, Wachstum und Performance möchte man als IT Bude offenbar gerne auf dem Niveau einer großen „Beratung“ spielen.
Bei Vergütung, Karriereperspektiven und Mitarbeiterbindung entdeckt man dagegen schnell wieder den Mittelstand und IT Integrator Tagessätze.
Man sollte sich entscheiden.
Die Erwartungen eines Konzerns mit den Vorteilen eines Mittelständlers zu kombinieren funktioniert hervorragend – allerdings vor allem für den Arbeitgeber.
Image
Hier sehe ich die vielleicht größte Diskrepanz. Wer ist x1f?
Nach außen werden Begriffe wie Zusammenarbeit, Authentizität, Unternehmertum, Menschlichkeit und fehlende Konzernbürokratie sehr offensiv kommuniziert.
Je größer solche Versprechen sind, desto problematischer wird es, wenn Mitarbeiter intern etwas anderes erleben.
Kultur entsteht nicht durch eine Website, Werte-Statements oder Employer-Branding-Kampagnen.
Sie zeigt sich dann, wenn wirtschaftliche Interessen und Mitarbeiterinteressen miteinander kollidieren.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsplattformen, Trainings und Seminare sind nett. Sie ersetzen aber kein transparentes Karrieremodell.
Interessant wäre vielmehr:
Welche objektiven Kriterien gelten für Beförderungen?
Wer entscheidet darüber?
Gelten dieselben Maßstäbe tatsächlich für alle?
Oder hängen Karrierechancen am Ende stärker von organisatorischer Zugehörigkeit, persönlicher Sichtbarkeit und Nähe zu Entscheidern ab?
Bei einem Unternehmen dieser Größe sollte Karriere kein informelles Beziehungssystem sein.


