Hohe Erwartungen, ernüchternde Realität
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Zeit in diesem Unternehmen war die mit Abstand belastendste Erfahrung meines Berufslebens. Die Kombination aus Führungsstil, Arbeitsatmosphäre und Schichtmodell führte über einen längeren Zeitraum zu einer erheblichen psychischen Belastung. Aus diesem Grund würde ich das Unternehmen als Arbeitgeber nicht weiterempfehlen
Verbesserungsvorschläge
Ein größerer Fokus auf die Entwicklung und Schulung von Führungskräften wäre aus meiner Sicht sinnvoll. Fachliche Kompetenz allein reicht für eine Führungsposition nicht aus – auch Themen wie Kommunikation, Konfliktmanagement und emotionale Intelligenz sollten stärker gefördert werden. Ein respektvoller Umgang und ein wertschätzender Führungsstil tragen wesentlich zu einer positiven Arbeitsatmosphäre bei.
Auch das Schichtmodell bietet aus meiner Sicht Verbesserungspotenzial. Der regelmäßige Wechsel der Arbeitszeiten im Zwei-Wochen-Rhythmus erschwert eine verlässliche Freizeit- und Lebensplanung erheblich. Besonders die Spätschicht lässt kaum Raum für ein Privatleben. Ein zusätzlicher Urlaubstag gleicht diese Einschränkung aus meiner Sicht nicht ausreichend aus. Langfristig wäre ein planbareres Schichtmodell oder eine feste Besetzung der Spätschicht eine sinnvollere Lösung und würde die Work-Life-Balance der Mitarbeitenden deutlich verbessern.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war häufig angespannt. Der Führungsstil der Teamleitung wirkte wenig wertschätzend und es fehlte an Empathie im Umgang mit Mitarbeitenden. Ein regelmäßig lauter Umgangston seitens der Teamleitung sorgte für eine unangenehme und einschüchternde Atmosphäre – auch wenn die Kritik nicht immer an einzelne Personen gerichtet war. Ein respektvollerer und professionellerer Umgang würde das Arbeitsklima deutlich verbessern.
Kommunikation
Das Unternehmen wächst sehr schnell, was sich auch in den Teams widerspiegelt. Veränderungen innerhalb der Organisation gehören daher dazu. Allerdings wurden Teamwechsel aus meiner Sicht nicht ausreichend kommuniziert. In meinem Fall erfolgte der Wechsel mit sehr kurzer Vorlaufzeit. Obwohl ich von meiner damaligen Teamleitung informiert wurde, wirkte die Entscheidung wenig nachvollziehbar und ohne ausreichende Berücksichtigung der Auswirkungen auf die betroffenen Mitarbeitenden. Eine transparentere Kommunikation sowie eine frühzeitigere Einbindung der Mitarbeitenden würden solche Veränderungen deutlich nachvollziehbarer gestalten
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war für mich der größte Pluspunkt. Das Team war sehr international, vielfältig und offen. Trotz der Herausforderungen im Arbeitsalltag herrschte unter den Kolleginnen und Kollegen ein respektvoller und unterstützender Umgang. Der Zusammenhalt innerhalb der Teams war spürbar und trug zu einer positiven Zusammenarbeit bei
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance empfand ich als schwierig. Die Dienstpläne änderten sich im Zwei-Wochen-Rhythmus, was die private Planung erschwerte. Zudem war eine einstündige Mittagspause verpflichtend, auch wenn viele Mitarbeitende diese Zeit lieber flexibler genutzt hätten. Dadurch verlängerte sich der Arbeitstag unnötig. Nach Feierabend blieb häufig nur wenig Energie für Freizeit oder das Privatleben. Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung würde die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben deutlich verbessern.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der direkten Vorgesetzten, insbesondere der Teamleitungen, war häufig verbesserungswürdig. Teilweise entstand der Eindruck, dass Führungskräfte nicht ausreichend auf ihre Führungsrolle vorbereitet waren und ihnen wichtige Kompetenzen im Umgang mit Mitarbeitenden fehlten. Dies führte stellenweise zu einem harten und wenig wertschätzenden Umgangston. Unabhängig von den Herausforderungen der Branche sollte ein respektvoller und professioneller Umgang mit Mitarbeitenden selbstverständlich sein.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist insgesamt wettbewerbsfähig. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, quartalsweise einen leistungsabhängigen Bonus zu erhalten. Nach welchen Kriterien die Leistung bewertet und der Bonus vergeben wird, war für mich nicht immer nachvollziehbar. Darüber hinaus sind die angebotenen Benefits eher überschaubar.Es gibt unter anderen eine Unterstützung für ein Fitnessstudio-Abo. Kostenlose Getränke werden ebenfalls angeboten, das sehe ich allerdings eher als Standard und nicht als besonderen Benefit.
Image
Das Unternehmen präsentiert sich nach außen als modernes und dynamisches Start-up, obwohl es bereits seit einigen Jahren am Markt ist. Dieses positive Image war einer der Gründe, weshalb ich mich beworben habe. Im Arbeitsalltag entsprach die Erfahrung jedoch nicht immer den Erwartungen, die durch den Außenauftritt vermittelt wurden. Zwischen dem Unternehmensimage und der gelebten Unternehmenskultur habe ich Unterschiede wahrgenommen
Karriere/Weiterbildung
Es gibt die Möglichkeit, über Online-Kurse Fremdsprachen zu lernen, was ich als positiven Aspekt empfand. Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens wirkten dagegen eher begrenzt. Führungspositionen wurden häufig intern besetzt, was grundsätzlich sinnvoll ist. Gleichzeitig entstand der Eindruck, dass einige Mitarbeitende ihre neue Rolle übernahmen, bevor sie ausreichend darauf vorbereitet oder entsprechend geschult wurden. Eine gezieltere Vorbereitung und Begleitung neuer Führungskräfte könnte sowohl den Mitarbeitenden als auch dem Unternehmen zugutekommen.

