Meine Erfahrung nach 16 Monate Zöller.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die ersten 6–12 Monate waren super; ich hatte kaum Beschwerden, und auch am Bewerbungsprozess gab es nichts zu bemängeln. Mit der Zeit offenbarte sich jedoch das „wahre Gesicht“ der Firma. Das hängt vermutlich mit dem hohen Personalwechsel zusammen, doch gleichzeitig frage ich mich, warum es überhaupt zu einem so häufigen Wechsel kam.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Gerüchte, die nach der Kündigungsabgabe über einen herübergebracht werden, das respektlose Verhalten gegenüber Ex-Mitarbeitern, das ständige Gegeneinander in der Werkstatt und die Art, wie Führungskräfte den Druck von oben auf Mitarbeitende ablassen, die ohnehin schon ihr Bestes geben, zeigen ein problematisches Arbeitsumfeld. In den Augen der Führungskräfte scheint das Engagement der Mitarbeitenden jedoch oft nicht auszureichen.
Verbesserungsvorschläge
Die Firma sollte mindestens einmal im Jahr ein strukturiertes Mitarbeitergespräch durchführen, idealerweise mit einer neutralen Person aus der Personalabteilung im Hintergrund. Gehaltstechnisch sollte nachgebessert werden, ebenso bei der versprochenen Gewinnbeteiligung, die während meiner Anwesenheit nie ausgezahlt wurde.
Zudem sollte mit jeder Führungskraft ein ordentliches Training stattfinden, wie man professionell mit Mitarbeitenden umgeht. Das gezielte Schikanieren während der Kündigungsfrist und das regelrechte „Rausekeln“ aus der Firma sollte schnellstmöglich beendet werden, um weitere Probleme zu vermeiden.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist wechselhaft: Mal ist sie sehr angenehm, doch an anderen Tagen spricht kaum jemand miteinander, jeder möchte seine Ruhe haben, und insgesamt wirkt die Stimmung oft sehr grimmig.
Image
Mitarbeiter wechseln ihre Meinung über die Firma sehr stark – mal stehen sie voll hinter ihr, mal sind sie völlig dagegen. Dieses ständige Schwanken finde ich etwas ungewöhnlich.
Work-Life-Balance
Urlaub muss bereits am Jahresanfang vollständig geplant werden. Andernfalls drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen – zumindest wurde uns das so nahegelegt. Einmal habe ich außerdem gehört, dass die Arbeit vor der Familie stehen soll. Ob das tatsächlich so gemeint war, kann ich nicht sicher bestätigen, jedoch war die Situation während meiner Zeit dort teilweise so angespannt, dass dieser Eindruck durchaus entstehen konnte.
Karriere/Weiterbildung
Es wurde stets nahegelegt, dass man sich weiterbilden kann, doch in den letzten 1,5 Jahren ist nichts dergleichen passiert. Es wurde zwar gefragt, wer Interesse daran hätte, den Meistertitel für die Firma zu machen oder den C-Führerschein zu erwerben, um Lkw fahren zu dürfen – inklusive Versicherung im Notfall – umgesetzt wurde jedoch nichts.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist in Ordnung, liegt aber bei Konkurrenzfirmen wie Faun, Terberg und Co. meist 300–600 Euro höher im Monat als Einstiegsgehalt. Das Einstiegsgehalt kann bis zu 3.700 Euro betragen. Benefits wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind bei fast allen anderen Firmen deutlich besser geregelt. Bei dieser Firma hängt das Weihnachtsgeld von der Betriebszugehörigkeit ab, was ich etwas fragwürdig finde, da man nach über 1,5 Jahren nicht einmal ein halbes Gehalt als Weihnachtsgeld erhält. Andere Unternehmen zahlen nach der Probezeit oft bis zu 80 Prozent des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mülltrennung ist in der Firma praktisch ein Fremdwort. Hydrauliköl wird oft einfach draußen auf den Boden laufen gelassen, deutlich sichtbar. Auch eine Absauganlage für die Abgase der Lkw existiert nicht – ebenfalls ein Fremdbegriff. Fahrzeuge werden in manchen Fällen über 30 Minuten laufen gelassen, teilweise auch, um die Halle im Winter etwas zu beheizen, da die mickrige Fußbodenheizung innerhalb einer Woche nicht annähernd 20–22 Grad erreichen kann.
Kollegenzusammenhalt
Auch hier gibt es ein ständiges Auf und Ab: Sobald ein Gerücht im Umlauf ist, wird man schnell für ein bis zwei Wochen zum Gespött, bis sich alles aufgeklärt hat. Das ist mental sehr belastend. In dieser Zeit bekommt man oft nur noch „unangenehme“ Aufgaben, und die Kommunikation beschränkt sich auf das Nötigste. Über den Umgang unter den Arbeitskollegen in der Werkstatt muss man kaum noch etwas sagen.
Umgang mit älteren Kollegen
Mit den Altgesellen und Meistern konnte ich nicht allzu viel sprechen, da sie einfach nicht in viele Arbeiten eingebunden sind. Was ich aber kennenlernen durfte, war sehr positiv: Die älteren Kollegen sind super Leute, die noch nützliche Tipps und Tricks weitergeben. Leider hat der Werkstattleiter bzw. Meister diese Rolle, hilfreiche Hinweise weiterzugeben, nicht übernommen.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Vorgesetzten variiert stark. Seit ich dort bin, habe ich das Gefühl, dass die Werkstatt- bzw. Serviceleiter häufig ein Ventil suchen, um den Druck von oben weiterzugeben. Während meiner Kündigungszeit hat sich dieser Eindruck bei mir besonders bestätigt: Ein eigentlich sehr guter Chef kann sich unter diesen Umständen zu einem regelrecht unmenschlichen Verhalten entwickeln – etwas, das man dieser Person zuvor nie zugetraut hätte. Zudem wurde in dieser Zeit von mehreren Mitarbeitenden verlangt, den gekündigten Mitarbeiter regelrecht zu kontrollieren – etwa bei Pausen-, Toiletten-, Handy- und Arbeitszeiten.
Arbeitsbedingungen
Die Werkstatt selbst ist sehr gut aufgebaut: Benötigtes Werkzeug wird bestellt, die Beleuchtung in der Halle ist gut verteilt, und von A bis Z sind alle Maschinen vorhanden. Man kann dadurch etwa 90 Prozent aller Arbeiten selbstständig durchführen. Dachfenster sind ebenfalls vorhanden, nur leider müssen die Tore noch mit Kettenzügen geöffnet werden. Diese lassen sich nicht leicht bewegen, sodass man sich regelrecht daran hängen muss, um sie hochzuziehen. Vor über drei Monaten wurde angekündigt, dass elektrische Tore installiert werden, bisher ist jedoch nichts passiert.
Kommunikation
Kommunikation wird zwar immer groß betont, jedoch nur selten umgesetzt – selbst dann nicht, wenn es zuvor versprochen wurde.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung ist dort ein sehr schwieriges Thema. Wer sich beim Chef einschmeichelt, bekommt alles durch, während Fehler einen schnell für ein bis zwei Tage zum Gespött machen. Danach wird das meist einmal ausdiskutiert, und dann ist wieder Ruhe. Eine echte Gleichberechtigung gibt es leider nicht – das hängt sowohl mit der Persönlichkeit des Chefs als auch vermutlich mit dem Altersunterschied zusammen.
Interessante Aufgaben
ie Aufgaben werden nach etwa sechs Monaten zunehmend eintönig, da das Müllfahrzeug bei Weitem nicht so umfangreich ist, wie man zunächst denkt – vor allem, wenn man jede Woche die gleichen Abläufe hat. Konkret bedeutet das: Durchsicht durchführen, Kostenvoranschlag erstellen, auf die Genehmigung warten, Teile beim Lageristen holen sowie defekte Teile aus- und neue einbauen. Wirkliche Reparaturen im eigentlichen Sinne kommen dabei eher selten vor. Interessantere Aufgaben gibt es zwar auch, etwa das Zerlegen größerer Komponenten wie der Hydraulikpumpe oder der Ausschubwand. Doch selbst solche Tätigkeiten verlieren nach dem dritten oder vierten Mal ihren Reiz. In der Folge lassen sowohl die Motivation als auch die Freude an der Arbeit spürbar nach.

