Unprofessionelle Einstufung & Lowball-Gehalt
Verbesserungsvorschläge
Großes Lob an die HR: Die Kommunikation und das Handling seitens der HR zu Beginn des Prozesses waren astrein, professionell und sehr gut strukturiert.
Einen roten Faden etablieren:
Dem Prozess fehlt jede Konstanz. Der erste Ansprechpartner vermittelt ein super Gefühl, sodass man richtig Lust auf die Stelle bekommt. Vor Ort stellt der zweite Ansprechpartner dann nur einen Laptop hin, kann aber fachlich nichts sagen, da er aus einem ganz anderen Bereich kommt. Die dritte Person (beim Gespräch nach dem Test) ist wieder für etwas völlig anderes zuständig, zeigt kaum Interesse an den eigenen Fähigkeiten und rattert nur Infos zum Support-Aufbau herunter, die man längst kennt. Der vierte Ansprechpartner erklärt einem im finalen Gespräch dann, man sei nicht gut genug, bietet ein extrem niedriges Einstiegsgehalt als „Junior“ und meint herablassend, man müsse in der Probezeit mal schauen und wolle einem „eine Chance geben“. Als Bewerber verliert man bei so einem Ablauf jeglichen Bezug zum Unternehmen.
Ablauf des Probearbeitens überdenken:
Für das Probearbeiten in Jena nimmt man eine enorme Logistik auf sich (in meinem Fall 800 km Gesamtstrecke plus Übernachtung). Vor Ort wirkt es extrem mechanisch: Man wird am Empfang abgeholt, in einen Raum mit Laptop gesetzt und soll anhand einer lückenhaften Anleitung innerhalb von 3 Stunden eine proprietäre Software aufsetzen, konfigurieren und die Mitarbeiter im Anschluss darauf schulen.
Erwartungsmanagement und Gespräche vor Ort anpassen:
Man sollte die Möglichkeit bekommen, die tatsächliche künftige Führungskraft sowie Teile des Teams kennenzulernen, statt mit Personen zu sprechen, mit denen man im Arbeitsalltag gar keine Berührungspunkte hat. Zudem wurde die Hospitation in der Einladung als „optional“ beschrieben, vor Ort war sie dann fest gesetzt. Da ich die Arbeit dort näher kennenlernen wollte, verbrachte ich dort zwei weitere Stunden.
Betreuung vor Ort und Abschied verbessern:
Bei der Hospitation fehlte ein benötigtes Headset. Die anwesende Führungskraft wollte danach suchen, tauchte jedoch nie wieder auf (eine freundliche Kollegin half glücklicherweise aus). Nach dem Termin wurde ich komplett mir selbst überlassen. Es gab keine Verabschiedung, ich durfte mir den Ausgang aus dem Gebäude nach diesem langen Tag selbst suchen.
Gehaltsgefüge anpassen:
Wer erfahrene Fachkräfte sucht, darf keine Stundenlöhne anbieten, die den aktuellen IT-Markt komplett ignorieren.
Bewerbungsfragen
- Beim ersten Gespräch wurden Fragen zu meinen Interessen, meiner Motivation und meinen Skills gestellt.
- Im zweiten Gespräch musste ich dann den Monolog eines Teamleiters ertragen, der mir alle Abläufe herunterratterte, die ich bereits aus dem ersten Gespräch kannte. Da ich mich für eine Teilzeitstelle bewarb, hatte mein Ansprechpartner vor Ort sichtlich kein Interesse daran, sich wirklich tiefer mit mir zu befassen. Es wirkte zumindest so.
- Zudem sollte man im professionellen Recruiting durchaus in der Lage sein, im Gespräch zu erkennen, ob man einen reinen Call-Center-Agenten oder jemanden mit tiefgehender IT-Erfahrung vor sich hat. Dieses Differenzierungsvermögen hat hier leider komplett gefehlt.
- Im ersten Gespräch sind wir meinen Werdegang und meine Skills durchgegangen und es kam bei der Gesprächspartnerin auf, ob ich mir vorstellen könnte zwischen den Support-Teams zu fungieren und u.U. auch beim Geradeziehen von Prozessen unterstützen kann.
- Mein tatsächlicher Werdegang, meine langjährige Erfahrung im IT-Support und mein Wissen beim Aufbau kompletter Systeme wurden danach im Grunde komplett ignoriert. Stattdessen wurde mein gesamter Werdegang anhand einer knapp dreistündigen praktischen Session mit einer mir unbekannten proprietären Software beurteilt. Weil die Software nicht intuitiv und die dazugehörige Dokumentation imho lückenhaft war, wurde ich auf dieser Basis als „Junior“ eingestuft.
- Es wurden die Gehaltskonditionen und die Rahmenbedingungen verhandelt. Obwohl ich vorab klar eine faire Spanne für die angedachte 32-Stunden-Woche kommuniziert hatte, wurde mir ein absolutes Lowball-Angebot unterbreitet. Zum Vergleich: der Stundenlohn als Kassierer bei unserem Netto ums Eck wäre höher.
- Zudem war der gesamte Prozess unstrukturiert: Ich hatte es mit insgesamt vier verschiedenen Ansprechpartnern zu tun und stand quasi jedes Mal vor einer neuen Situation.
- Unter diesen Bedingungen habe ich das Angebot abgelehnt.


