Viele gute Jahre, dann ein Stellenabbau ohne jede Transparenz!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die direkten Kolleginnen und Kollegen: fachlich stark, hilfsbereit und ein Zusammenhalt, den man nicht überall findet. Über die Jahre gab es auch gute Vorgesetzte, die sich für ihr Team eingesetzt haben. Lange Zeit war das ein Arbeitgeber, bei dem ich gerne gearbeitet habe.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der Umgang mit dem Stellenabbau in der Entwicklung: keine offizielle Kommunikation, Kollegen verschwanden kommentarlos, und in den Gesprächen zum Aufhebungsvertrag habe ich deutlichen Druck erlebt statt einer echten Wahl. Seit der Verlagerung von Entwicklung ins Ausland werden die Aufgaben für die verbliebenen Entwickler zunehmend zur Verwaltung fremder Ergebnisse. Dazu kommen ein Großraumbüro, in dem konzentriertes Arbeiten kaum möglich ist, eingeschränktes Homeoffice und praktisch keine Weiterbildung mehr.
Verbesserungsvorschläge
Bei Umstrukturierungen offen und frühzeitig kommunizieren, auch wenn die Nachrichten unangenehm sind. Mitarbeitenden Entscheidungen über einen Aufhebungsvertrag ohne Druck ermöglichen. Arbeitsflächen so planen, dass sie zur Tätigkeit passen, etwa ruhige Bereiche mit vollwertigen Arbeitsplätzen für Entwickler. Mehr Homeoffice ermöglichen statt einschränken, und wieder in Weiterbildung investieren.
Arbeitsatmosphäre
Das Team war top und einer der Hauptgründe, warum ich so lange geblieben bin. Mit einem guten Team erträgt man vieles. Auch gute Vorgesetzte hatte ich über die Jahre.
Die letzten Monate waren jedoch geprägt von Unsicherheit und Angst. Kommunikation war hier nie eine Stärke, beim Stellenabbau gab es aber gar keine offiziellen Informationen: Kolleginnen und Kollegen verschwanden nach und nach aus dem internen Verzeichnis, und die Lücke haben Gerüchte gefüllt. Die Führung habe ich in dieser Phase vor allem als Abwicklung des Teams erlebt. Gemeinsam mit HR wurde deutlicher Druck aufgebaut, den Aufhebungsvertrag zu unterschreiben, mit wiederholten Nachfragen, wann und warum noch nicht. Dass man das Angebot auch ablehnen kann, kam in den Gesprächen nicht vor.
Auch die Aufgaben haben sich verändert: Seit der Verlagerung von Entwicklung an ein Tech-Center im Ausland ging es zunehmend darum, dort entstandene Ergebnisse zu übernehmen und zu verwalten, statt selbst zu entwickeln. Bei der Work-Life-Balance sind zwei Tage Homeoffice pro Woche möglich, ansonsten ist vieles unflexibel. Vollständiges Homeoffice wurde durch eine neue Mindestentfernungsregel stark eingeschränkt.
Umgang mit älteren Kollegen
Im Team selbst war der Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen immer gut, da gab es nie etwas zu beanstanden. Beim Stellenabbau hatte ich allerdings den Eindruck, dass es auffällig oft die Älteren getroffen hat, in unserem Team wie auch in anderen. Das hinterlässt ein ungutes Gefühl.
Arbeitsbedingungen
Hardware ist ok: Standard-Notebooks, Dockingstation, zwei Monitore. Das Problem ist die Fläche: Großraum ohne Flure, man läuft durch die Arbeitsbereiche der Kollegen zu Ausgang, Küche und Toiletten. Nahe dem Treppenhaus knallen Türen und piepen Alarme, dazu Durchgangsverkehr wie am Bahnhof, Calls und Gespräche. Konzentriertes Arbeiten ist kaum möglich. Die Ruheboxen haben keinen zweiten Monitor, also Lärm oder Abstriche bei der Technik. Clean Desk kostet täglich Zeit; wer nicht aufräumt, findet sich auf Fotos wieder, die die Bereichsleitung herumschickt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein wirkt eher wie Fassade: Mülltrennung gibt es, nach meiner Beobachtung landet aber alles im selben Beutel. Bildschirme in Besprechungsräumen laufen durch. Neue, originalverpackte Möbelteile habe ich im Container gesehen, statt sie Mitarbeitenden anzubieten. Gleichzeitig wird Homeoffice eingeschränkt, obwohl es Energie und Pendelwege sparen würde.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt liegt aus meiner Sicht eher unter dem Durchschnitt für die Region. Positiv sind kostenloser Kaffee, Getränke und Obst. Die Mitarbeiterrabatte auf DSL- und Mobilfunkverträge sind eher klein; mit Ausdauer lässt sich über den Mitarbeitersupport etwas mehr herausholen, von sich aus bekommt man das aber nicht.
Weiterbildung findet praktisch nicht mehr statt. Wer etwas möchte, muss es selbst mit dem Chef aushandeln und sich selbst kümmern, am ehesten klappt kostenloses Selbststudium. Kurse, Konferenzen und selbst Fachbücher sind ein harter Kampf mit wenig Aussicht auf Erfolg. Der Sparkurs ist hier deutlich spürbar.
Das Image des Unternehmens als Arbeitgeber empfinde ich als schwach, nach außen wie nach innen.

