Wertschätzung gesucht? Fehlanzeige – aber hey, wenigstens Homeoffice!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ehrlich gesagt bleibt kaum etwas positiv hervorzuheben. Wenn überhaupt, dann war es der Umstand, im Homeoffice arbeiten zu können - was einem es den täglichen Arbeitsweg erspart hat.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die vielen bekannten Mängel und Probleme sprechen für sich – von mangelnder Wertschätzung, über fehlende Transparenz und unzureichende Kommunikation bis hin zu einem belastenden Führungsverhalten. Es ist offensichtlich, dass in vielen Bereichen dringender Handlungsbedarf besteht, um das Arbeitsumfeld wirklich zu verbessern.
Verbesserungsvorschläge
Wertschätzung darf sich nicht nur auf Worte beschränken – sie muss sich im täglichen Miteinander, in fairer Bezahlung, in transparenter Kommunikation und in ehrlichem Interesse an den Mitarbeitenden zeigen. Wer langfristig gute Arbeit leisten soll, braucht ein Arbeitsumfeld, das Gesundheit, Motivation und Entwicklung ernst nimmt. Es entsteht schnell das Gefühl, ersetzbar zu sein – und genau das spiegelt sich leider auch im Umgang und in vielen Entscheidungen wider. Das sollte sich ändern, wenn man möchte, dass Menschen gerne und langfristig bleiben.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war überwiegend angespannt und wurde stark von der Führungsebene bestimmt. Es herrschte ein Klima von Kontrolle, Druck und innerer Anspannung, das kaum Raum für ein unbeschwertes Arbeiten ließ. Raum für Emotionen oder einfach mal einen schlechten Tag gab es nicht – man hatte zu funktionieren, egal wie es einem ging. Alles unter 110 % schien nicht zu genügen.
Die Stimmung im Team war direkt abhängig von der Tagesform der Führungsebene. Schlechte Laune, war das sofort spürbar – und der Umgangston entsprechend gereizt, herablassend oder respektlos. Man wusste nie, was einen erwartet, und war dadurch ständig in innerer Alarmbereitschaft.
Jegliche anfängliche Motivation wurde mit jedem Gefühl von „keine Fehler machen zu dürfen“ nach und nach im Keim erstickt.
Egal, wie viel man gegeben hat – zurück kam höchstens Druck, aber nie Dank. - Wertschätzung Fehlanzeige!
Das Arbeitsklima war dadurch dauerhaft belastend und emotional zermürbend.
Image
Von außen mag das Unternehmen vielleicht kein schlechtes Image haben – doch die Realität sieht anders aus. Je mehr unzufriedene Mitarbeitende das Unternehmen verlassen, desto mehr leidet das Ansehen nach innen und außen. Diese Fluktuation und die negativen Erfahrungen hinterlassen Spuren, die kaum dazu beitragen, dass das Unternehmen in guter Erinnerung bleibt oder als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird.
Work-Life-Balance
Eine echte Work-Life-Balance gab es in der Agentur praktisch nicht – zumindest nicht ohne eigenen Kampf darum. Überstunden wurden nicht nur gerne gesehen, sondern eigentlich erwartet. Wer pünktlich ging oder klare Grenzen zog, galt schnell als unzuverlässig oder wenig engagiert. Hingegen wurden Mitarbeiter:innen, die sich aufopferten und länger blieben, deutlich positiver bewertet.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung wird offiziell zwar gewünscht, doch in der Praxis fehlt es sowohl an Zeit als auch an finanziellen Mitteln, um sie tatsächlich zu fördern. Dadurch bleibt es meist an den Mitarbeitenden selbst hängen, sich Wissen eigenständig – etwa durch YouTube-Videos – anzueignen. Eine echte Unterstützung oder Förderung für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung findet kaum statt.
Gehalt/Benefits
So unterirdisch wie das Arbeitsklima und die Kommunikation waren, so enttäuschend und frustrierend gestaltete sich auch der Umgang mit dem Thema Gehalt. Die fehlende Wertschätzung spiegelte sich auch in der Bezahlung deutlich wider. Das Gehalt stand in keinem Verhältnis zu der Leistung und dem Stress, der tagtäglich auf den Schultern lag.
Wenn man das Thema Gehalt ansprach oder eine Anpassung erwartete, wurde man hingehalten, vertröstet oder mit vagen Versprechen abgespeist. Transparenz war ein Fremdwort – konkrete Aussagen oder nachvollziehbare Kriterien gab es nicht. Es entstand das Gefühl, dass man in dieser Hinsicht einfach im Dunkeln gelassen wurde.
Besonders bitter war das Versprechen, eine einheitliche Gehaltsstruktur einzuführen, die für mehr Fairness sorgen sollte. Monate vergingen, doch tatsächlich passierte nichts. Das Thema wurde stillschweigend abgehakt, während die Mitarbeitenden weiter auf bessere Bedingungen warteten – und oft genug enttäuscht wurden.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mir sind keine konkreten Maßnahmen oder Initiativen bekannt, die auf ein besonderes Umwelt- oder Sozialbewusstsein im Unternehmen hindeuten würden. Auch wenn das Arbeiten im Homeoffice grundsätzlich den Pendelverkehr reduziert, wurde dies nicht aktiv als Beitrag zum Umweltschutz kommuniziert oder gefördert.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kolleg:innen war durchweg stark – und das war auch bitter nötig. In einem Umfeld, das emotional an die Substanz ging, war man aufeinander angewiesen. Denn schließlich mussten regelmäßig Tränen getrocknet und erlebtes geteilt werden. - was hier beinahe schon so selbstverständlich war wie der morgendliche Kaffee.
Umgang mit älteren Kollegen
Das Team bestand überwiegend aus jüngeren Mitarbeitenden, wobei auch einige ältere Kollegen Teil des Teams waren. Mir sind keine negativen Erfahrungen oder Probleme im Umgang mit älteren Mitarbeitenden bekannt geworden.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten war geprägt von Machtmissbrauch, Respektlosigkeit und einem erschreckenden Mangel an Empathie.
Kritik an Missständen oder an der internen Kommunikation wurde zwar zur Kenntnis genommen, aber nie wirklich ernsthaft angegangen. Versprechen, etwas zu ändern, verpufften meist schon nach wenigen Wochen – wenn überhaupt. Wertschätzung war nicht spürbar; stattdessen herrschten Kontrolle, Druck und ein grundsätzliches Misstrauen.
Besonders deutlich zeigte sich dieses Verhalten in einer Situation, in der nach fast zwölf Stunden Arbeit und klar kommunizierter Erschöpfung keinerlei Verständnis entgegengebracht wurde. Der Wunsch, an diesem Punkt den Arbeitstag zu beenden, wurde ignoriert – denn wie es dem Mitarbeitenden geht, spielte keine Rolle. Hauptsache, das Projekt wird fertig. Fürsorgepflicht? Fehlanzeige. Machtmissbrauch? Umso mehr.
Als schließlich eine persönliche Grenze gezogen wurde, wurde dies kurzerhand als Arbeitsverweigerung ausgelegt – mit der Konsequenz der Kündigung.
Ein respektvoller, menschlicher Umgang auf Führungsebene fand schlicht nicht statt. Dieses Verhalten war nicht nur enttäuschend – es war entwürdigend.
Arbeitsbedingungen
Obwohl die notwendige Hardware für die Arbeit gestellt wurde, hatte man nicht das Gefühl, dass es die Vorgesetzten interessiert hat, ob der Arbeitsplatz ergonomisch eingerichtet ist oder nicht. Die Ausstattung war funktional, aber die Verantwortung für eine gesunde und ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes lag weitgehend bei den Mitarbeitenden selbst.
Kommunikation
Die Kommunikation im Unternehmen war schlichtweg unterirdisch. Wichtige Informationen – wie der Weggang von Kolleg:innen oder Veränderungen im Team – wurden oft viel zu spät oder nur nebenbei kommuniziert.
Es wirkte, als wolle man Aufsehen vermeiden, weil ständiges Weggehen von Mitarbeitenden ein schlechtes Bild abgibt.
Auch die Kommunikation in Meetings und persönlichen Gesprächen war häufig respektlos und wenig empathisch. Hatte man private Probleme und öffnete sich gegenüber der Führungsebene wurde dies mit Sätzen wie: „ Ich weiß gar nicht, wieso sie jetzt so emotional sind“ abgespeist.
Insgesamt herrschte eine Kommunikationskultur, die weder Vertrauen aufbaute noch das Gefühl vermittelte, wirklich gut informiert oder respektvoll behandelt zu werden.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung war im Unternehmen nicht vorhanden. Es wurde deutlich, dass Mitarbeitende unterschiedlich behandelt wurden.
Wer bereit war, Überstunden zu machen - wurde oft netter und weniger kritisch behandelt. Sobald jemand jedoch für sich eine Grenze zog und deutlich machte, dass die psychische Belastung zu groß wird und man sich nicht mehr ausnutzen lassen möchte, änderte sich der Umgang. Ab diesem Punkt war die Behandlung spürbar nachteiliger und mit weniger Respekt verbunden. - Man wurde zu einem unbequemen Mitarbeiter der nicht mehr tragbar fürs Unternehmen war. Ganz nach dem Motto: umso schlechter man „unbequeme“ Mitarbeiter behandelt. Umso schneller werden wir diesen los.
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben waren grundsätzlich vorhanden und boten eine gewisse Abwechslung. Allerdings kann das die insgesamt belastende und negative Arbeitsatmosphäre nicht wettmachen.