Viel Verantwortung. Wenig Führung. Noch weniger Vertrauen.
Verbesserungsvorschläge
(EDIT 29.10.2026) – Nachtrag zur Stellungnahme der Geschäftsführung:
Die Stellungnahme habe ich mir ehrlicherweise nicht in voller Länge durchgelesen. Der Einstieg hat bereits gereicht.
Die zweite kritische Bewertung stammt nicht von mir. Ich habe ausschließlich diese eine verfasst.
Extrem aufschlussreich ist, womit die Stellungnahme beginnt: Noch vor jeder inhaltlichen Auseinandersetzung steht die Unterstellung, beide Bewertungen stammten von derselben Person. Dass mehrere Mitarbeitende schlicht Ähnliches erlebt haben und sich durch meine Bewertung ermutigt gefühlt haben könnten, ihre Erfahrungen ebenfalls zu teilen, scheint keine Option zu sein.
Für Außenstehende steht bei vielem nachvollziehbarerweise Aussage gegen Aussage. In diesem Punkt lässt es sich jedoch problemlos prüfen: kununu erlaubt pro Person nur eine Bewertung des Arbeitsverhältnisses und kann jederzeit einen Tätigkeitsnachweis anfordern. Es steht der Geschäftsführung frei, beide Bewertungen prüfen zu lassen. Das Ergebnis würde meine Aussage bestätigen, die eigene These vermutlich nicht.
Gerade dieser erste Reflex steht sinnbildlich für das, was ich in meiner ursprünglichen Bewertung beschrieben habe, und zeigt erneut, wie wichtig sie ist: für zukünftige Mitarbeitende, aber auch, als Anstoß für die Geschäftsführung (würden sie denn wollen), daran zu wachsen. Statt Kritik zum Anlass für Selbstreflexion zu nehmen, wird zuerst die Glaubwürdigkeit derer angezweifelt, die sie äußern. Diese Reaktion spricht Bände. Die Geschäftsführung sollte sich fragen, wie nah sie noch am eigenen Unternehmen und am eigenen Team ist.
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Wenn man einmal erleben möchte, wie sich nahezu jedes klassische Klischee über eine schlecht geführte Agentur in einem Unternehmen bündeln lässt, ist man hier gut aufgehoben.
Junge Teams übernehmen viel Verantwortung.
Erfahrene Führung fehlt.
Die Fluktuation ist hoch.
Entwicklung ist wenig transparent.
Homeoffice muss man sich verdienen.
Überstunden werden nicht bezahlt.
Und bei Projekten, die regelmäßig über Budget liefen oder organisatorisch ins Straucheln gerieten, wurden die Ursachen selten konsequent bei Planung, Ressourcen, Briefing und Projektmanagement gesucht, sondern die Verantwortung landete am Ende erstaunlich zuverlässig bei den Mitarbeitenden in der Kreation.
Das eigentlich Traurige daran: Das Team kann es.
Die Mitarbeitenden sind engagiert, kreativ und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Aus meiner Erfahrung wurde dieses Potenzial aber nicht durch Vertrauen, gute Führung und Entwicklung genutzt, sondern vielfach durch Druck und Kontrolle.
Verbesserungsvorschläge? Keine, die nicht auch mit einem kompletten Führungswechsel einhergehen würden. Ein sinnvoller Anfang wäre aber, einmal grundsätzlich zu hinterfragen, ob die aktuellen Strukturen, die Führung und der Umgang mit Mitarbeitenden und Kund:innen noch zeitgemäß sind.
Daher: Wenn man es strukturell nicht auf die Reihe bekommt, empathisch und nachhaltig zu wachsen und zukunftssichere Jobs zu schaffen, sollte man vielleicht irgendwann aufhören, sich selbst zu verwalten, und den Platz für Unternehmen freimachen, die einen echten Mehrwert für Wirtschaft, Kund:innen und Mitarbeiter:innen bieten.
Arbeitsatmosphäre
Wo soll man da nur anfangen?
Die Führungs- und Organisationsstruktur war für mich eines der größten Probleme. Zwischen operativem Team und Gründerinnen gab es praktisch keine wirkliche Führungsebene. Keine ausreichende Senior-Struktur, kaum erfahrene Führungskräfte und wenig Menschen, die zwischen strategischer Verantwortung und operativer Umsetzung hätten vermitteln können.
Gleichzeitig bestand das Team zu großen Teilen aus Juniors, Werkstudent:innen und Praktikant:innen. Das Ergebnis: sehr viel Verantwortung bei sehr wenig Erfahrung und entsprechend wenig Orientierung, wenn es schwierig wurde.
Dazu kam eine aus meiner Sicht auffällig hohe Fluktuation. Wenn ständig Menschen gehen und anschließend wieder neue Juniorprofile nachbesetzt werden, ist irgendwann vielleicht nicht mehr die Besetzung freier Stellen das Problem, sondern die Frage, warum die Stellen überhaupt ständig frei werden.
Kommunikation
Gute Kommunikation & Führung? Lieber Druck und Misstrauen.
Die Kommunikation und Führung habe ich als diffus, inkonsistent und wenig unterstützend erlebt. Statt Mitarbeitende durch klare Kommunikation, Vertrauen und Empowerment zu führen, wurde aus meiner Erfahrung häufig über Druck, Kontrolle und Fehlersuche gearbeitet.
Ein Satz, der sinngemäß sehr regelmäßig fiel:
„Wir haben doch gesagt …“
Das Problem daran: Was vorher eindeutig kommuniziert worden sein sollte, war für die Betroffenen im Arbeitsalltag nicht immer annähernd so eindeutig.
Verantwortung wurde gerne nach unten delegiert. Wenn etwas gut lief, war das offenbar selbstverständlich. Wenn etwas nicht lief, wurde sehr genau untersucht, wer was wann warum nicht richtig gemacht hatte.
Wer ständig damit rechnen muss, dass im Nachhinein genau geprüft wird, wer für einen Fehler verantwortlich war, arbeitet irgendwann nicht mehr aus Verantwortungsbewusstsein, sondern vor allem aus Angst, am Ende dafür verantwortlich gemacht zu werden.
Kollegenzusammenhalt
Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Viele Kolleg:innen waren unglaublich engagiert, hilfsbereit und haben trotz der teilweise massiv widrigen Rahmenbedingungen, der sehr jungen Teamstruktur und der aus meiner Sicht schlechten Führung sehr gute Arbeit geleistet. Der Zusammenhalt im Team war entsprechend stark und vertrauensvoll.
Eine Ausnahme war für mich das Projektmanagement, das ich weniger als unterstützende Schnittstelle zum Team, sondern eher als Antreiber und Kontrollinstanz wahrgenommen habe. Dabei hatte ich häufig den Eindruck, dass die eigene Absicherung und das Vermeiden, bei den Gründerinnen in Ungnade zu fallen, wichtiger waren als der Rückhalt für das Team.
Arbeitsbedingungen
Stress im Office oder Zuhause?
Bei der Arbeitsumgebung gab es keine besonderen Highlights. Schreibtisch, Stuhl, Monitor, Küche, Klo. Höhenverstellbare Schreibtische gab es leider nicht. Dafür eine Ecke mit eher unbequemen Barhockern zum Stehen. Kleiner Haken: kein Monitor. Wer im Stehen arbeiten wollte, musste dann mit dem Laptopbildschirm vorliebnehmen. So choose your fighter wisely.
Homeoffice wurde zu Beginn deutlich positiver dargestellt, als es sich später im Arbeitsalltag angefühlt hat. Die Standardregelung war meist maximal ein Tag Homeoffice pro Woche. Alles darüber führte regelmäßig zu Diskussionen. Wer über ein paar Wochen ein- oder zweimal öfter im Homeoffice war, wurde darauf angesprochen. Homeoffice musste man sich aus meiner Erfahrung zunächst regelrecht erarbeiten und war gerade anfangs stark eingeschränkt. Das ist natürlich möglich, sagt aber einiges über das zugrunde liegende Menschenbild aus. Wer erst beweisen muss, dass man ihm Homeoffice zutraut, erlebt keine besonders vertrauensbasierte Arbeitskultur.
Gehalt/Benefits
Gehalt & Benefits? Viel darf man nicht erwarten. Obst schon.
Die Bezahlung empfand ich als unterdurchschnittlich. Für die Verantwortung, die teilweise übernommen wurde, stand das Gehalt für mich in keinem angemessenen Verhältnis. Überstunden…you know the drill…wurden nicht bezahlt. What a surprise.
Auch bei den Benefits fehlte mir Transparenz und Einheitlichkeit. Mein Eindruck war: Wenn jemand etwas einfordert, schaut man, was sich machen lässt. Von sich aus wird wenig kommuniziert. Eine transparente Übersicht darüber, welche Benefits es gibt und wer was bekommt, gab es nicht.
Wenn man mehr wissen wollte, musste man sich bei Kolleg:innen durchfragen. Die Liste, die ich mir dadurch zusammenreimen konnte: ÖPNV-Ticket, Jobrad, Fitnessangebot. Ob es noch mehr gab und wer was nach welchen Kriterien bekam, blieb für mich offen. Vielleicht wurde einfach gewürfelt.
Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld gab es ebenfalls nicht. Auch zusätzliche freiwillige Vorsorgeleistungen, etwa einen Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge, gab es nicht.
Ahh, aber es gab einen Obstkorb ... ne, eine Gemüsekiste, ach keine Ahnung, was das war.
Image
Sein & Schein.
Auf Google wirken die Bewertungen zunächst sehr positiv. Nach meiner Zählung stammen jedoch mindestens 8 der aktuell 13 Bewertungen von (ehemaligen) Mitarbeitenden.
Die positiven Erfahrungen einzelner Mitarbeitender möchte ich nicht in Frage stellen, halte die Bewertungen aber nur für bedingt repräsentativ. Sie stehen für mich in deutlichem Kontrast zur Stimmung im Team und den Arbeitsbedingungen, die ich über längere Zeit erlebt habe.
Eine ähnliche Diskrepanz sehe ich beim „Skill“-Image: Nach außen wirkt die Agentur sehr seniorig und breit aufgestellt, mit dem Anspruch, verschiedenste Leistungen auf hohem Niveau abzudecken. Wie dieser Anspruch mit einem kleinen, überwiegend jungen und stark wechselnden Team dauerhaft eingelöst werden soll, ist für mich fraglich.
Mein Eindruck war, dass fehlende Expertise der Gründerinnen großteils durch generative KI wie ChatGPT kompensiert wurde. KI ist längst eines der wichtigsten Tools für Marke und Design. Fraglich ist nur, wo sinnvolle Unterstützung aufhört und fehlende eigene Expertise beginnt.
Karriere/Weiterbildung
Entwicklung? Lieber neu besetzen.
Wer auf eine nachvollziehbare Karriereentwicklung hofft, hat leider Pech gehabt.
Einen klaren und transparenten Entwicklungsplan habe ich nicht erlebt. Welche Kriterien zu mehr Verantwortung, einem höheren Titel oder mehr Gehalt führen, waren für mich nicht nachvollziehbar.
Mein Eindruck war eher: Entwicklung möglichst vermeiden, Aufgaben trotzdem ausweiten und wenn es irgendwann nicht mehr passt, lieber wieder ein neues Juniorprofil einstellen.
Das ist natürlich eine sehr kosteneffiziente Strategie.
Für Mitarbeitende mit langfristigen Ambitionen ist sie allerdings weniger attraktiv.