Das Erfolgsgeheimnis sollten die innovativen Mitarbeitenden sein, nicht die KI
Verbesserungsvorschläge
Zurückbesinnen auf die Werte, die die Firma mal stark gemacht haben: Vertrauen, Teamgeist, Respekt, Innovation, Menschlichkeit. Das kombiniert mit dem maßvollen Einsatz von KI wäre sicher eine erfolgsversprechende Perspektive auch für innovative Mitarbeitende.
Arbeitsatmosphäre
Der priorisierte Einsatz von KI verschiebt die Wertschätzung für den Beitrag der Mitarbeitenden deutlich: Anstatt die Arbeitsresultate als Hauptbewertungsgrundlage zu verwenden, werden die Mitarbeitenden unter Anderem anhand der Nutzung von KI-Werkzeugen bewertet. Das drückt die Motivation, wenn weder die eigenen Fähigkeiten noch die Resultate honoriert werden.
Über die Zeit führt diese Strategie auch dazu, dass die Mitarbeitenden, die für das Produkt APplus brennen, immer weniger werden. Aber gerade diese Menschen haben in der Vergangenheit den Erfolg des Produkt, und damit auch des Unternehmens, erst ermöglicht.
Kommunikation
Es finden regelmäßige Meetings zur Gesamtsituation des Unternehmens statt sowie innerhalb der Abteilung auch zu abteilungsinternen Angelegenheiten. Diese Meetings haben allerdings eher den Charakter von Vorträgen des Managements und die Kommunikation von bereits getroffenen Entscheidungen, ein Einbeziehen und Mitgestalten der Mitarbeitenden ist in der Regel nicht vorgesehen. Zu kritisches Nachfragen kann auch schonmal eine persönliche Sanktionierung in Form von Personalgesprächen nach sich ziehen.
Kollegenzusammenhalt
Durch das inzwischen sehr international geprägte Recruiting und die so über mehrere Länder verteilten Teamkollegen leidet verständlicherweise der Zusammenhalt, den man üblicherweise über Jahre gemeinsamen Arbeitens aufbauen muss. Dieser wesentliche Stützpfeiler des Erfolgs in der Vergangenheit wird weder weiter gefördert noch wertgeschätzt. Die fortdauernden Umstrukturierungen führen eher dazu, dass sich die Mitarbeitenden voneinander separieren als den Zusammenhalt zu stärken. Auf den Unternehmenswert Teamgeist zahlt dass Vorgehen sicher nicht ein.
Work-Life-Balance
Im Gegensatz zu vielen anderen Arbeitgebern in der Branche gibt es bei Asseco nach wie vor ein klares Bekenntnis zum mobilen Arbeiten, was die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie sehr vereinfacht. Auch wenn ich persönlich die Vertrauensarbeitszeit sehr schätze, wäre es für die Transparenz des individuellen Arbeitseinsatzes und zum Schutz der Mitarbeitenden vielleicht doch zeitgemäß, endlich eine Arbeitszeiterfassung einzuführen.
Vorgesetztenverhalten
Auf Grund der häufigen Umstrukturierungen wechseln die Vorgesetzten bereichsabhängig leider ebenfalls sehr häufig. In der Regel werden Stellen für Führungskräfte ohne interne oder externe Stellenausschreibung durch das Management neu besetzt. Es drängt sich hin und wieder der Eindruck auf, dass bei der Besetzung der Stellen eher auf Loyalität zum Management Wert gelegt wird als auf die wirkliche fachliche und persönliche Eignung der Kandidaten. Bei einigen Führungskräften entstehen Zweifel, ob das Wohl der Firma wirklich noch maßgeblich für getroffene Entscheidungen ist oder eher die persönliche Karriereplanung in den Vordergrund gerückt ist.
Interessante Aufgaben
Das Produkt APplus bietet technologisch viel Potential, um wirklich interessante Entwicklungsaufgaben zur Modernisierung der Software zu generieren. Stattdessen liegt der Fokus in der Produktentwicklung auf KI-generierten Funktionen, die zum Teil gar nicht oder kaum auf die Aufwertung des Produkts einzahlen. Es wird viel Aufwand in die Effizienzsteigerung der internen Prozesse gesteckt, um die Personalkosten zu gunsten der Marge zu drücken.
Interessante Aufgaben für ambitionierte Softwareexperten rücken bei dieser Strategie schnell in den Hintergrund.
Gleichberechtigung
Mir sind keine Negativbeispiele für eine diskriminierende Ungleichbehandlung bekannt. Grundsätzlich würde dem Unternehmen mehr Vielfalt gut tun.
Umgang mit älteren Kollegen
Anstatt den Produkt-erfahrenen Mitarbeitenden Wege zu eröffnen, ihre Expertise auch unter den sich ändernden Rahmenbedingungen weiterhin gewinnbringend einzubringen, wurden mehrere langjährige Kollegen mit Aufhebungsverträgen aus meiner Sicht unwürdig aus dem Unternehmen gedrängt. Sorry, aber Wertschätzung für verdiente Mitarbeitende sieht anders aus.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen am Standort Karlsruhe sowie für das mobile Arbeiten sind generell gut, da gibt es aus meiner Sicht nichts zu meckern.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Im Allgemeinen versucht die Firma Maßnahmen zur Nachhaltigkeit voranzutreiben, zum Beispiel durch den Einsatz von E-Autos in der Firmenwagenflotte. Beim Einsatz von KI mit den dahinter stehenden Ressourceneinsatz gibt es diese Bestrebungen aktuell nicht.
Gehalt/Benefits
Es gibt keine einheitliche Gehaltsstruktur, so dass jeder für sich selbst verhandeln muss. Das führt sicherlich dazu, dass Mitarbeitende für ähnlich wertvolle Tätigkeiten stark unterschiedlich entlohnt werden. Bezüglich der Benefits bewegt sich die Firma im Rahmen des Üblichen: Neben Zugang zu Rabattportalen gibt es unter anderem auch einen Zuschuss zu Hansefit.
Image
Intern ist die Stimmung durch die andauernde Umstrukturierung und den schleichenden Personalabbau eher gedrückt. In wie weit sich das über das Produkt und die Dienstleistungen auch auf das Außen-Image auswirkt kann ich nicht beurteilen.
Karriere/Weiterbildung
Durch die wenig transparente Besetzung von Posten eröffnen sich für den Großteil der Mitarbeitenden keine absehabaren Karrierewege. Für die Einstufung von Mitarbeitenden in Rollen gibt es nur rudimentäre Kriterien und kaum Tätigkeitsbeschreibungen, es gibt keine vordefinierten Pfade um beispielsweise eine Senior-Rolle zu erlangen. Damit ist auch hier jeder Mitarbeitende für sein individuelles Schicksal selbst verantwortlich.

