Familienunternehmen. Familie hat sich leider verabschiedet.
Gut am Arbeitgeber finde ich
In guten Zeiten war Baby One tatsächlich ein überdurchschnittlicher Arbeitgeber – mit echter Gestaltungsfreiheit, sinnvoller Aufgabenvielfalt und einem Umfeld, das Eigenverantwortung ermöglicht hat. Das ist keine Nostalgie, sondern Dokumentation eines Zustands, den das Unternehmen selbst aktiv aufgegeben hat.
Verbesserungsvorschläge
Krisen offenbaren Charakter – unternehmerisch wie menschlich. Die Entscheidung, ausgerechnet in einer Druckphase die erfahrensten und kritischsten Stimmen zu entfernen, spricht für sich. Echte Führung, Stellennachbesetzung und die Bereitschaft, Feedback nicht nur zu empfangen, sondern auch zu verarbeiten, wären ein Anfang. Solange das Modell lautet "weniger Menschen, gleiche Arbeit, weniger Rückgrat in der Führung", wird die kununu-Bewertungskurve die Geschäftskurve präzise spiegeln.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung hat sich vom kollegialen Miteinander zur kollektiven Erschöpfungsverwaltung entwickelt. Zwei Kündigungswellen haben nicht nur Stellen, sondern auch das institutionelle Gedächtnis und den letzten Rest psychologischer Sicherheit mitgenommen. Wer noch da ist, fragt sich primär, wann die dritte Welle kommt und wie es überhaupt weitergeht. Ich weiß von zahlreichen Kolleg*innen, die sich bereits anderweitig umsehen.
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Baby One betreibt seine LinkedIn-Präsenz mit einer Konsequenz, die man dem restlichen Unternehmensmanagement durchaus wünschen würde. Bunte Bilder, herzliche Botschaften, familiäre Wärme – alles da. Wer die Stellenanzeigen liest und den Feed verfolgt, glaubt, ein Unternehmen zu finden, das Nähe, Gestaltungsspielraum und echte Wertschätzung lebt.
Das ist Werbung. Und Werbung hat bekanntlich ein gespaltenes Verhältnis zur Realität.
Was auf LinkedIn als "Familienunternehmen mit Herz" inszeniert wird, fühlt sich im Arbeitsalltag eher an wie ein mittelgroßer Konzern, der vergessen hat, dass er einmal Familienunternehmen war – mit den Entscheidungsstrukturen eines Konzerns, dem Betriebsklima eines Konzerns und der Kommunikationskultur eines Konzerns, aber ohne die Ressourcen, Prozesse oder Vergütungsstrukturen, die einen Konzern zumindest erträglich machen.
Empfehlung an alle, die sich für Baby One interessieren: LinkedIn ist eine Marketingplattform, keine Dokumentation. Wer fundierte Einblicke möchte, liest Bewertungen. Zum Beispiel diese hier.
Tipp: Den Unterschied zwischen Employer Branding und gelebter Unternehmenskultur erkennt man spätestens am Ende der Probezeit.
Work-Life-Balance
Mehr Arbeit für weniger Leute – was soll ich dazu noch mehr sagen?
Karriere/Weiterbildung
Ein kleiner aber wichtiger Hinweis an alle Bewerber*innen: euer Arbeitsvertrag endet zunächst nach der Probezeit und geht nicht einfach direkt in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis über. Zuletzt war es so, dass die neuen Kolleg*innen dann jeweils nur einen befristeten Vertrag für ein weiteres Jahr bekommen haben. Vielleicht sollte man das den Bewerbern mal vorher erzählen und offen kommunizieren.
Es gab mal ein umfangreiches Programm zur Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung. Das wurde schon vor langer Zeit eingestellt. Gestaltungsspielraum und Entscheidungsfreiheit – einst durchaus vorhanden – wurden systematisch zurückgefahren. Wer sich entwickeln möchte, tut dies trotz des Unternehmens, nicht durch es.
Karrierepfade existieren bestenfalls noch auf dem Papier.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt kommt immer pünktlich. Allerdings liegt das Gehaltsniveau bei BabyOne deutlich unter dem Markt. Da lässt sich an anderer Stelle sicherlich deutlich mehr verdienen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Diese Themen finden eigentlich keine Beachtung seitens der Geschäftsführung.
Kollegenzusammenhalt
Sehr individuell in den einzelnen Abteilungen bzw. Teams. Die aktuelle Situation (immer mehr Arbeit für immer weniger Leute) schweißt Teams und Kolleg*innen, die bereits zuvor eng zusammengearbeitet haben, natürlich weiter zusammen. Da wo es bisher bereits Spannungen gab, werden diese aber eher größer.
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich völlig in Ordnung, allerdings sind kaum noch ältere Kolleg*innen in der BabyOne Zentrale beschäftigt.
Vorgesetztenverhalten
Die Führungskräfte mit Substanz wurden in den Kündigungswellen zuverlässig aussortiert – vermutlich weil Rückgrat in der aktuellen Unternehmenskultur als Risikofaktor gilt. Was geblieben ist, bedient den Titel, nicht die Funktion. Entscheidungen werden nicht getroffen, sondern nach oben delegiert oder schlicht vermieden. Führung im eigentlichen Sinne findet nicht statt.
Die Geschäftsführung hält an offensichtlichen personellen Fehlbesetzungen wider besserem Wissen fest. Wenn ganze Teams und Abteilungen das Unternehmen verlassen und neu aufgebaut oder durch externe Kräfte besetzt werden müssen, spricht das eine deutliche Sprache.
Arbeitsbedingungen
Die Büroräume sind einwandfrei. Großraumbüro muss man halt mögen. Die Technik in den Meeting-Räumen weist oft Fehler auf. Technische Ausstattung für die Mitarbeitenden ist absolut in Ordnung. Es gibt ein Notebook und ein Headset, und damit lässt es sich gut mobil arbeiten. Im Büro hat jeder ein bis zwei große Bildschirme und eine vernünftige Tastatur und Maus zur Verfügung.
Kommunikation
Kommunikation in beide Richtungen ist ein Konzept, das dem Unternehmen in schwierigen Phasen fremd geworden ist. Was nach unten kommuniziert wird, ist selektiv; was nach oben kommuniziert werden könnte, findet keine Strukturen mehr, die es aufnehmen würden. Seitens der Führungskräfte und Geschäftsführung besteht kein Interesse mehr an ehrlichem Feedback der Belegschaft.
Gleichberechtigung
Da gibt es wirklich nichts auszusetzen. Hier hat jeder die gleichen Chancen.
Interessante Aufgaben
Gestaltungs- und Entscheidungsspielraum ist quasi nicht mehr vorhanden. Es wird alles von oben vorgegeben. Für die spannenden Themen holt man sich jetzt lieber externe Berater ins Haus, anstatt der Kompetenz der eigenen Mitarbeitenden zu vertrauen.
Kurzfristige Entscheidungen beziehungsweise das Umwerfen bereits geplanter Dinge sorgt für zum Teil chaotische Zustände. Wenn dabei Fehler passieren, was zwangsläufig hier und da vorkommt, sind natürlich die Mitarbeiter schuld.