Schöne neue Bürowelt – solange man nicht flexibel sein will: Angekündigte Verschärfungen werfen Schatten voraus
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Arbeitsplätze sind weitgehend modern und ergonomisch ausgestattet, die Kommunikation mit der Geschäftsführung ist direkt und es gibt weiterhin die viele kleine Benefits, die den Alltag auflockern. Auch der weitgehende Umgang auf Augenhöhe ist positiv hervorzuheben, ebenso wie die aktuelle Flexibilität – letztere zumindest noch für die nächsten drei Monate.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verabschiedet sich gerade im Zeitraffer, da im Laufe des nächsten halben Jahres das mobile Arbeiten von drei Tagen auf einen Tag pro Woche zusammengestrichen wird. Passend zu diesem evolutionären Rückschritt in Sachen Vertrauenskultur kündigt sich bereits heute im Betrieb bereits eine sehr unschöne Form einer Kontroll-Mentalität an. Sowohl seitens des Gesellschafters/Management - als auch durch Mitarbeitende.
Weiterbildung hängt von Eigeninitiative ab, und ist selbst dann nicht immer mit Erfolg verbunden. Die Gehaltsentwicklung läuft der erbrachten Leistung traditionell hinterher und scheint in den letzten Jahren insgesamt nicht mal mehr der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zu entsprechen.
Verbesserungsvorschläge
Wenn die Leistungsträger weiterhin Leistung bringen sollen, braucht es dringend die bisherige Flexibilität statt einer künstlich erzwungenen Massenpräsenz im Büro, wenn man die Mitarbeiterbindung nicht völlig gegen die Wand fahren will. Nicht falsch verstehen, gemütliche Mitarbeiter darf man gerne mal nass machen, aber bitte nicht mit der Gießkanne alle willkürlich treffen. Damit verbunden wäre dann auch ein leistungsgerechtes Gehalt wünschenswert.
Arbeitsatmosphäre
Der Austausch findet zwar grundsätzlich auf Augenhöhe statt, allerdings ist die Stimmung durch die angekündigten Präsenzvorgaben und das vorauseilende gegenseitige Kontrollieren spürbar im Keller. Man spürt förmlich die Vorfreude auf die neuen Regeln.
Image
Das Unternehmen verkauft nach außen mit einem digitalen Start-up-Image mit viel „Vibe“. - Hat es sogar. Aber angesichts des bevorstehenden Rückfalls in veraltete Kontrollmechanismen der 90er-Jahre wäre vielleicht ein neuer Slogan sinnvoll.
Work-Life-Balance
Genießen wir sie, solange sie noch da ist. Aktuell läuft es bei 75% der Mitarbeitenden doch ganz gut, aber mit der schrittweisen Einführung der neuen Regeln wird das mobile Arbeiten auf einen einzigen Tag pro Woche kastriert. Schön zu sehen, wie das Unternehmen trotz seiner Größe eine so bemerkenswert familiäre Haltung zeigt – vorausgesetzt, man sitzt brav am Schreibtisch.
Karriere/Weiterbildung
Für motivierte Azubis, Trainee und Einsteiger gibt es Förderungen, wenn man aktiv danach fragt. Als erfahrene Fachkraft schaut man aber eher in die Röhre und auch aktive Nachfragen sind nicht immer mit Erfolg verbunden. Externe Weiterbildungen sind eher homöopathisch und transparente Karrierepfade sucht man vergeblich.
Gehalt/Benefits
Das Geld kommt pünktlich und es gibt ein 13. Gehalt. Die Zusatzleistungen (VL, betriebliche Altersvorsorge, Bike-Leasing) sind nett, können den angekündigten Verlust an Flexibilität und die fehlende Bankentarifbindung aber auch nicht wirklich versüßen.
Sofern man in den letzten Jahren zur Bank gekommen ist, hat man unter Umständen auch Gehalt gegen Flexibilität eingetauscht. Es ist sehr unschön, wenn dieses Agreement einseitig gekündigt wird.
Die letzten Jahre haben die Menschen viele Kostensteigerungen durch Optimierungen kompensiert und ausgeglichen. Mit gesparten Arbeitswegen, reduzierten Betreuungszeiten und generellem Verzicht. Mit den angekündigten Maßnahmen ist das jetzt ein verspäteter Griff in die Haushaltskasse, bei auch sonst weiter steigenden Ausgaben der Lebenshaltung, Steuern und Sozialabgaben, der sich nicht weiter optimieren lässt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die Kfz-Finanzierungsbranche gilt ja nicht immer als "grünes Vorbild" - aber es gibt Bemühungen, wie etwa bessere Konditionen für emissionsarme Fahrzeuge. - Wie schön, dass die Mitarbeiter demnächst mit einem größeren persönlichen ökologischen Fußabdruck beitragen können.
Kollegenzusammenhalt
Die Kultur wird stark von den Mitarbeitenden getragen und man findet untereinander viel Unterstützung. Ich hoffe, dass das Miteinander zukünftig nicht durch unschöne neue Hobbys getrübt wird.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gibt keinen erkennbaren Unterschied im Umgang. Fachliche Kompetenz und langjährige Erfahrung werden geschätzt. Ältere Kollegen sind voll integriert.
Vorgesetztenverhalten
Das Führungsverhalten ist stark personenabhängig. Ich erlebe eine empathische und lösungsorientierte Führung, allerdings merkt man zwischen den Zeilen auch den Druck von oben und dass die eigenen Lösungsmöglichkeiten wahrscheinlich sehr begrenzt sein werden.
Nette Worte und Schulterklopfen gibt es reichlich, nur in der Gehaltsentwicklung spiegelt sich diese Begeisterung nicht zwingend wider.
Arbeitsbedingungen
Die Büros sind solide ausgestattet, überwiegend sogar modern. (viele höhenverstellbare Tische, Doppel-Monitore, Fokuszonen, Bistro). Moderne Headsets gibt es für die Bereiche, die sie benötigen.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass man diese tolle Infrastruktur demnächst noch intensiver nutzen kann.
Immerhin sind die Parkplätze vor der Tür kostenlos – ein echtes Highlight für Frühaufsteher. Auch die zukünftig wohl mietbaren Parkplätze sind vergleichsweise günstig, wenn man die weiteren steigenden Kosten für Fahrtwege berücksichtigt.
Kommunikation
Die Geschäftsführung bemüht sich durch Formate wie „Meet & Greet“ um einen offenen Informationsfluss. Relevante Themen werden transparent transportiert. Auch Flurfunk gibt es, wie überall.
Gleichberechtigung
Diversität und Chancengleichheit haben einen hohen Stellenwert. Führungspositionen sind geschlechterunabhängig besetzt und das Unternehmen agiert in diesem Punkt vorbildlich offen und wertschätzend. Hier ist man im Hier und Jetzt angekommen.
Interessante Aufgaben
Langweilig wird es definitiv nicht – es gibt eher so viele Aufgaben, dass man sich immer wieder mal entscheiden muss, welche man unter dem Zeitdruck qualitativ opfert.

