Konstanz wird großgeschrieben – auch bei den Problemen.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Gehalt kommt pünktlich. Dadurch weiß man jeden Monat sicher, dass man noch angestellt ist.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die größte Schwäche ist die mangelnde Bereitschaft, aus Kritik zu lernen. Viele der angesprochenen Probleme sind seit längerer Zeit bekannt und werden von verschiedenen Mitarbeitenden ähnlich beschrieben. Statt die Ursachen anzugehen, entsteht der Eindruck, dass mehr Energie in die Außendarstellung als in die Verbesserung der internen Situation investiert wird.
Verbesserungsvorschläge
Interessant zu beobachten, wie nach einigen kritischen und sehr ausführlich begründeten Bewertungen plötzlich zwei positive Berichte zum Standort Ulm auftauchen. Ein bemerkenswerter Zufall.
Die kritischen Stimmen haben sich jedenfalls viel Mühe gegeben, Missstände transparent und nachvollziehbar darzustellen. An konstruktiven Hinweisen zur Führung und Unternehmenskultur mangelte es nicht. Leider entsteht der Eindruck, dass man weniger Interesse daran hat, die angesprochenen Probleme zu lösen, als das Bewertungsbild zu verschönern.
Schade eigentlich, denn die Kollegen haben die Themen offen und sachlich beschrieben. Veränderungen wären vermutlich hilfreicher als neue Lobeshymnen. Aber vielleicht steht das ja auf der Roadmap – direkt nach dem nächsten positiven Bewertungs-Update.
Arbeitsatmosphäre
Die Ursachen wurden mehrfach und von unterschiedlichen Seiten benannt. Wenn ähnliche Kritikpunkte sowohl von Vertrieb als auch Technik geäußert werden, könnte darin ein wertvoller Hinweis liegen. Leider entstand nicht der Eindruck, dass man diese Rückmeldungen als Chance zur Verbesserung verstanden hat. Stattdessen blieb vieles beim Alten – nur das Team nicht.
Kommunikation
Der Führungsstil war aus meiner Sicht sehr kontrollierend und wenig vertrauensbasiert. Entscheidungen wurden häufig zentral gesteuert, während Mitarbeitende nur begrenzte Handlungsspielräume hatten. Unterstützung, Coaching oder die Entwicklung von Mitarbeitern standen dabei nicht immer im Vordergrund.
Kollegenzusammenhalt
Eines der größten Pluspunkte war lange Zeit das Sales Team. Leider ist genau dieses Team innerhalb kurzer Zeit weitgehend auseinandergebrochen. Wenn viele erfahrene und engagierte Mitarbeitende nahezu zeitgleich gehen, sollte man sich die Frage stellen, ob dies wirklich nur Zufall ist. Die Ursachen wurden mehrfach und von unterschiedlichen Seiten benannt. Wenn ähnliche Kritikpunkte fortlaufend geäußert werden, könnte darin ein wertvoller Hinweis liegen.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance scheint stark von der Hierarchieebene abzuhängen. Für manche gelten flexible Arbeitsmodelle, für andere Präsenzpflichten und Genehmigungsprozesse. Überstunden werden dabei als Selbstverständlichkeit betrachtet, beim Ausgleich zeigt sich die Organisation deutlich zurückhaltender. Gleichbehandlung sieht aus meiner Sicht anders aus.
Vorgesetztenverhalten
Die 1:1-Gespräche hätten eine gute Gelegenheit sein können, über Ziele, Entwicklungsmöglichkeiten, Herausforderungen im Team oder Verbesserungen zu sprechen. Stattdessen nahmen häufig private Themen einen erheblichen Raum ein. Nicht selten erfuhr man mehr über Freizeitaktivitäten, Vereinsleben, Wochenendpläne oder private Angelegenheiten als über die strategische Ausrichtung des Teams oder die persönliche Weiterentwicklung.
Gleichzeitig war die Kommunikation stark von Kontrolle geprägt. Auftragsvergabetermine, Kalendereinträge und administrative Themen wurden intensiv kontrolliert, während wichtige Mitarbeiteranliegen oftmals nachrangig wirkten. Konstruktives Feedback wurde selten in konkrete Veränderungen übersetzt.
Besonders irritierend war, dass Gehaltsanpassungen erst dann möglich erschienen, wenn Mitarbeitende bereits über einen Wechsel nachdachten oder gekündigt hatten. Wertschätzung sollte jedoch nicht erst in diesem Stadium sichtbar werden.
Insgesamt entstand der Eindruck einer Führung, die viel über sich selbst sprach, viel kontrollierte, aber zu wenig führte. Die Entwicklung und der spätere Zerfall eines zuvor sehr starken Teams waren aus meiner Sicht kein Zufall.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind zu Beginn durchaus interessant, verlieren durch den hohen Grad an Standardisierung jedoch schnell an Reiz. Eigeninitiative, Kreativität und neue Ideen sind nur in begrenztem Umfang gefragt. Viele Tätigkeiten folgen festen Prozessen und wiederkehrenden Abläufen.
Entsprechend war zu beobachten, dass die anfängliche Motivation bei vielen Kollegen nach einiger Zeit nachließ. Nach spätestens zwei Jahren hatten sich viele mit den Rahmenbedingungen arrangiert oder innerlich resigniert, da fachliche Entwicklung und Gestaltungsmöglichkeiten nur begrenzt vorhanden waren.
Gleichberechtigung
Sparsamkeit wird großgeschrieben, zumindest solange die Rechnung nicht auf dem eigenen Schreibtisch landet. Bei bestimmten Regelungen, wie der Kilometerversteuerung, entstand der Eindruck, dass nicht für alle Mitarbeitenden dieselben Maßstäbe gelten. Einzelne Vorteile schienen ausgewählten Personen vorbehalten zu sein, während für den Rest der Belegschaft andere Regeln galten. Die Begründung dafür wurde sinngemäß mit „das muss man sich verdienen“ erklärt. Das trägt aus meiner Sicht nicht unbedingt zum Gefühl von Gleichbehandlung und Transparenz bei. Bei der optischen Gestaltung von Firmenfahrzeugen zeigte man sich auf Managementebene dagegen mitunter erfreulich kreativ. Regionale Festkultur fand ihren Weg bis auf die Heckscheibe, gelebte Verbundenheit mit dem lokalen Brauchtum.
Umgang mit älteren Kollegen
Im Unternehmen gibt es Kollegen, die aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Fachwissens intern längst Legendenstatus haben. Umso bedauerlicher ist es, wenn langjährige Erfahrung nicht immer als Stärke betrachtet wird. Mehr Respekt vor der Expertise älterer Mitarbeitender würde dem Unternehmen gut tun.
Arbeitsbedingungen
Der Dienstwagen ließ wenig Wünsche offen. Bei der technischen Ausstattung des Arbeitsplatzes hatte man dagegen gelegentlich das Gefühl, dass das Budget bereits vollständig in den Fuhrpark geflossen war.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Kann ich nicht ausreichend bewerten. Im Arbeitsalltag waren Maßnahmen oder Aktivitäten zu Umwelt- und Sozialthemen für mich nicht sichtbar bzw. spielten keine erkennbare Rolle.
Gehalt/Sozialleistungen
Das Gehalt wird pünktlich bezahlt, liegt aber offenbar nicht auf dem Niveau des Marktes. Die hohe Anzahl an Kollegen, die nach einem Wechsel erhebliche finanzielle Verbesserungen erzielen, spricht eine deutliche Sprache. Mitarbeiterbindung über die Vergütung scheint hier eher kein strategischer Schwerpunkt zu sein.
Image
Während Bechtle als Unternehmen über ein starkes Image verfügt, scheint der Standort Ulm nicht uneingeschränkt von diesem positiven Ruf zu profitieren. Gespräche mit Herstellern und Partnern zeigen, dass die Wahrnehmung des Standorts teilweise deutlich zurückhaltender ausfällt als die der Marke Bechtle insgesamt.
Karriere/Weiterbildung
Karrierechancen sind schwer erkennbar. Betrachtet man die letzten Jahre, stellt sich die Frage, wer sich tatsächlich fachlich oder hierarchisch nennenswert weiterentwickelt hat. Aufstiegsmöglichkeiten werden zwar kommuniziert, in der Praxis bleiben sie jedoch für die meisten Mitarbeitenden eher theoretischer Natur. Wer seine Karriere spürbar voranbringen möchte, findet diese Chancen häufig erst außerhalb des Unternehmens.


