Miefiges Familienunternehmen und ein Grab für Ambitionen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Team und weite Teile der Kollegenschaft waren nett und können auch nichts für den Zustand. In meiner Abteilung war es sehr extrem, anderswo gab es aber durchaus Lichtblicke. Außerdem werde ich die hervorragende IT-Abteilung dort vermissen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Vorgesetzten, die realitätsferne Vision der Geschäftsführung, das Totschweigen von Problemen und das Kantinenessen.
PS:
Die im Kommentar des Unternehmens beschriebene Möglichkeit zur Mitgestaltung habe ich persönlich nie erlebt. Der erwähnte Workshop war nach meiner Wahrnehmung weder mit einem Betriebs- noch mit einem Sozialrat vergleichbar und hat aus meiner Sicht zu keiner Zeit etwas bewirkt.
PPS:
Trotz Aufforderung habe ich bis heute kein Arbeitszeugnis erhalten. Zum Glück gibt es heutzutage Stellen die einem hier helfen, aber das ich mich evtl. mal mit einem beglaubigten Arbeitszeugnis bewerben muss, sollte dem Unternehmen peinlich sein. Für mich wirkt das so, als würde das Unternehmen das Arbeitszeugnis instrumentalisieren, um Mitarbeiter die gekündigt haben zu drangsalieren.
PPPS:
Für mich zeigt sich die fragwürdige Kritikfähigkeit des Unternehmens darin, dass nach meiner ersten Kununu-Kritik das gesamte Team im Beisein von HR und der Bereichsleitung zusammengerufen und zu dieser Bewertung befragt wurde. Bei all den Problemen, die ich dort erlebt habe, scheint die Grenze ausgerechnet beim verletzten Ego eines Vorgesetzten gezogen zu werden – eines Vorgesetzten, der selbst nicht zögerte, Mitarbeitende, in Ihrer Abwesenheit zu diffamieren, wie mir zu meiner Zeit des Öfteren zu Ohren kam.
Verbesserungsvorschläge
Meiner Meinung nach sollten sämtliche Führungskräfte, die seit zehn Jahren oder länger im Unternehmen sind, ersetzt werden. Ich habe dort niemanden erlebt, auf den das zutrifft und der noch einen Mehrwert geboten hätte.
Dem Rest sollte man nach meiner Einschätzung beibringen, was Kennzahlen sind, und anschließend die Arbeit daran ausrichten. Operative Mitarbeitende sollten außerdem genauso behandelt werden wie strategische.
Home Office sollte meiner Meinung nach auf ein absolutes Minimum begrenzt werden. Wer alles tut, um es sich so bequem wie möglich zu machen, strengt sich nach meinem Eindruck nicht ausreichend für seinen Arbeitgeber an.
Arbeitsatmosphäre
Nach meinem Eindruck wird im Unternehmen konsequent nach unten getreten. Kranke Kolleg:innen werden meiner Wahrnehmung nach schnell abgeschrieben, und hinter dem Rücken wird häufig gelästert. Verantwortung übernimmt aus meiner Sicht kaum jemand – und insbesondere die Vorgesetzten drücken sich vor jedem Konflikt.
Kommunikation
Besprechungen wirkten für mich weitgehend mechanisch abgespult, Termine wurden bei Bedarf bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Häufig erlebte ich Meetings mit zehn bis fünfzehn Personen, in denen sich letztlich nur zwei aktiv austauschten. Verbindlichkeit empfand ich als praktisch nicht vorhanden. Vor allem die täglichen Meetings dienten meiner Wahrnehmung nach eher der Datenpflege, damit der Vorgesetzte nicht vor Ort sein musste.
Kollegenzusammenhalt
Während meiner Zeit dort hatte ich den Eindruck, dass es mehrere schwerwiegende Konflikt- und Übergrifffälle gab, die aus meiner Sicht nicht angemessen aufgearbeitet wurden. In einem Fall hatte ich das Gefühl, dass persönliche Nähe zwischen Beteiligten und meinem Vorgesetzten eine Rolle spielte; in einem anderen Fall wurde eine erkrankte Kollegin nach meiner Wahrnehmung nicht ausreichend geschützt und war teils harten Anfeindungen ausgesetzt.
Besonders kritisch empfand ich den Umgang mit Belästigungsfällen von denen ich hörte. In einem Fall meldete sich eine Zeitarbeiterin, doch aus meiner Sicht folgten kaum Konsequenzen für den betroffenen Mitarbeiter. In einem anderen Vorfall im Rahmen eines Ferienjobs hatte ich den Eindruck, dass unangemessene Kontaktaufnahmen heruntergespielt wurden – wohl auch deshalb, weil eine private Beziehung einer Führungskraft involviert war.
Für mich war das ein deutliches Zeichen, dass mit zweierlei Maß gemessen wurde.
Positiv war, dass es auch Abteilungen mit starkem Zusammenhalt gab – oft gerade deshalb, weil die Defizite des Vorgesetzten von den Teams gemeinsam aufgefangen wurden.
Work-Life-Balance
Mein Eindruck war, dass man es „geschafft“ hatte, wenn man Sachbearbeiter mit Home-Office-Option war, keine Ambitionen auf eine Beförderung zeigte und mit dem Gehalt zufrieden war – dann musste man sich kaum noch anstrengen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft Termine abgesagt oder Verträge nicht unterschrieben wurden, weil XY an diesem Tag „Home Office“ geplant hatte.
Leistungskontrolle empfand ich als nicht vorhanden. Wenig überraschend waren für mich Freitage, Brückentage oder Tage vor dem Urlaub besonders beliebte Home-Office-Tage.
Für operativ Arbeitende hatte ich den Eindruck, dass Stempelzeiten akribisch überwacht wurden – und ausgerechnet von jenen, die sich selbst im Home Office unbeaufsichtigt einstempeln durften. Ein klassisches Messen mit zweierlei Maß.
Vorgesetztenverhalten
Konfliktscheu, abgehoben und stark auf sich selbst fokussiert: Mein Vorgesetzter konnte mir weder Sachverhalte verständlich erklären, noch Konflikte lösen oder echte Unterstützung bieten. Den Großteil des Tages verbrachte er in seinem Büro. Wenn er nicht im Büro war, hatte ich den Eindruck, dass er das Verhalten von Mitarbeitenden beobachtete. Mit Kritik wandte er sich nicht an die Betroffenen, sondern direkt an mich, um sich über deren Verhalten zu beschweren. Dieses Vorgehen empfand ich als wenig professionell und für das Teamklima äußerst belastend.
Besonders irritierend fand ich, dass nach meiner Wahrnehmung auch private Beziehungen in Arbeitsbelange einbezogen wurden. So hatte ich das Gefühl, von der Ehefrau meines Vorgesetzten beobachtet zu werden und dass über diesen Weg vermeintliches Fehlverhalten an ihn herangetragen wurde. Unverständlich war für mich, warum eine private Konstellation dieser Art im Job überhaupt akzeptiert wurde. Bereiche, in denen Arbeitssicherheitsschuhe vorgeschrieben waren, betrat er meiner Wahrnehmung nach regelmäßig mit strahlend weißen Sneakern. Vorbildfunktion: null. Führungsverständnis: irgendwo in den 80ern stehengeblieben.
Interessante Aufgaben
Ein kleiner, erlesener Kreis mit maximaler Distanz zur Praxis durfte sich nach meinem Eindruck als Projektteam inszenieren. Für alle anderen bedeutete SAP vor allem: Zahlen füttern. Dienst nach Vorschrift eben – Verbesserungsvorschläge wurden meiner Wahrnehmung nach konsequent ausgebremst.
Gleichberechtigung
Von einer 50/50-Verteilung zwischen Frauen und Männern ist man nach meinem Eindruck noch weit entfernt. Noch problematischer empfand ich den Umgang mit ausländischen Kolleg:innen: Abfällige Bemerkungen wurden als „Spaß“ abgetan, und im direkten Kollegenkreis wurde meiner Wahrnehmung nach offen über Sprachbarrieren geschimpft.
Die Führungsriege ist – bis auf wenige Ausnahmen – weiterhin männlich und weiß.
Umgang mit älteren Kollegen
Hier habe ich keinen Grund zur Beschwerde. Innerhalb meiner Abteilung wurde zwar häufig über altersbedingte Krankheitsausfälle geschimpft, doch das Unternehmen selbst begegnet seinen „Silberrücken“ meiner Wahrnehmung nach mit spürbarer Wertschätzung und ehrt sie regelmäßig mit aufrichtiger Dankbarkeit.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es wird durchaus etwas getan, und gemessen an der Unternehmensgröße bewegt man sich aus meiner Sicht in einem soliden Bereich. So wurde zuletzt in Photovoltaik investiert, und es gibt regelmäßig Aktionen zum Umweltschutz. Kritisch sehe ich jedoch die Dienstwagenflotte für überwiegend lokal ansässige Führungskräfte: Dass ein Firmenwagen für Abteilungsleiter noch immer zum Standard gehört, wirkt auf mich wie Verschwendung und ist nicht mehr zeitgemäß.
Gehalt/Benefits
Im Durchschnitt gab es meiner Wahrnehmung nach etwa 1,5 % Gehaltserhöhung pro Jahr. 2025 führte die Erhöhung des KV-Beitrags jedoch dazu, dass ich trotz „Gehaltserhöhung“ zum ersten Mal in meinem Berufsleben netto weniger verdiente als im Vorjahr.
Karriere/Weiterbildung
Karriere macht dort nach meinem Eindruck vor allem, wer lange im Unternehmen ist – Eignung spielt dabei kaum eine Rolle. Die Folgen dieser Personalpolitik sind bis heute spürbar. Die angebotenen Weiterbildungen beschränkten sich jedoch überwiegend auf Themen wie „Konfliktlösung“ oder „Stressabbau“; eine substanzielle fachliche Weiterentwicklung konnte ich nicht erkennen. Ein Studium kann man sich zwar mitfinanzieren lassen, muss sich dafür aber langfristig verpflichten.

