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Bewertung

Wenn Vertrauen zur Einbahnstraße wird und ein Unternehmen seine Seele verliert

1,6
Nicht empfohlen
Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung bei Berge & Meer Touristik GmbH in Rengsdorf gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Ein Lichtblick bleibt der Betriebsrat, der sich nach allgemeiner Wahrnehmung im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür einsetzt, die Interessen der Mitarbeitenden zu vertreten und weitere Verschlechterungen abzufedern. Dass man das inzwischen als einen der wichtigsten positiven Aspekte nennen muss, sagt allerdings auch einiges über die aktuelle Situation aus.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Berge & Meer war sicherlich schon immer ein besonderer Arbeitgeber. Wie vermutlich in den meisten Unternehmen gab es Dinge, die gut liefen, und andere, bei denen man sich regelmäßig fragte: „Warum?“ Doch was sich hier in den vergangenen Monaten verändert hat, geht weit über die üblichen Kritikpunkte hinaus. Wer aktuell darüber nachdenkt, bei Berge & Meer anzufangen, sollte sich sehr genau überlegen, worauf man sich einlässt.

Seit dem Wechsel in der Geschäftsführung scheint das Unternehmen zunehmend etwas verloren zu haben, das sich nicht einfach durch neue Strategien oder Umstrukturierungen ersetzen lässt: seine Seele.

Besonders deutlich wird das am Umgang mit den Mitarbeitenden. Ausgerechnet einer der wenigen wirklichen Vorteile, die Berge & Meer als Arbeitgeber bislang auszeichneten, nämlich die Flexibilität und weitgehend freie Gestaltung des Homeoffice, wird massiv eingeschränkt und das, ohne einen angemessenen Ausgleich zu schaffen. Dass regelmäßiges Pendeln nach Rengsdorf angesichts steigender Mobilitätskosten und kaum vorhandener öffentlicher Verkehrsanbindungen für viele eine zusätzliche Belastung bedeutet, scheint dabei wenig Gewicht zu haben. Flexibilität war bislang ein wesentlicher Grund, weshalb man bestimmte Nachteile in Kauf genommen hat.

Als Begründung für den neuen Kurs werden unter anderem die wirtschaftlichen Herausforderungen angeführt. Dass die Reisebranche angesichts weltweiter Krisen, geopolitischer Unsicherheiten, Inflation und gestiegener Lebenshaltungskosten kein einfaches Umfeld hat, dürfte jedem bewusst sein. Umso erstaunlicher ist es, wie stark in der internen Kommunikation der Eindruck vermittelt wird, die Verantwortung für die Situation liege vor allem bei den Beschäftigten. Dabei wird scheinbar vergessen, was Mitarbeitende in der Vergangenheit bereits eingebracht haben. Die bisherige Flexibilität wurde keineswegs nur einseitig genutzt. Im Gegenteil: Viele waren gerade aufgrund des entgegengebrachten Vertrauens bereit, deutlich mehr zu leisten, als eigentlich von ihnen erwartet werden konnte. In der Coronazeit wurde sogar freiwillig auf das Weihnachtsgeld verzichtet, um das Unternehmen zu entlasten. Heute scheint diese Loyalität erstaunlich wenig wert zu sein.

Besonders widersprüchlich erscheint die Argumentation, mehr Büropräsenz würde die interne Kommunikation verbessern. Denn ausgerechnet an transparenter Kommunikation hat es seitens des Arbeitgebers wiederholt gemangelt. Personelle Veränderungen, teilweise auch auf Führungsebene, wurden mitunter so wenig nachvollziehbar kommuniziert, dass in der Belegschaft vor allem Fragen und Unsicherheit zurückblieben. Manchmal konnte man sich beinahe fragen, wo bestimmte Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzte plötzlich geblieben waren.

Vielleicht sollte man zunächst Transparenz vorleben, bevor man mangelnde Kommunikation zum Argument gegen flexible Arbeitsmodelle macht. Kommunikation ist schließlich eine Frage der Unternehmenskultur und nicht der Anzahl gemeinsam verbrachter Bürostunden. Natürlich muss ein Arbeitgeber nicht jede Entscheidung öffentlich rechtfertigen. Aber gerade in Zeiten großer Veränderungen wäre ein sensibler, wertschätzender und transparenter Umgang mit der Belegschaft wichtiger denn je. Stattdessen entsteht zunehmend ein Klima der Verunsicherung, in dem man sich fragt, wie viel das eigene Engagement und die jahrelange Loyalität eigentlich noch wert sind.

Auch das Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Die Anforderungen steigen, zusätzliche Aufgaben werden übernommen, während die Gehaltsentwicklung vieler Beschäftigter nach deren Wahrnehmung kaum mit den steigenden Erwartungen Schritt hält. Wer auf nennenswerte Gehaltssprünge hofft, dürfte in manchen Bereichen eher auf die nächste Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns warten müssen. Gleichzeitig wird erwartet, dass man sich mit vollem Einsatz für das Unternehmen engagiert und selbstverständlich auch die zusätzlichen Kosten für regelmäßige Fahrten ins Büro trägt. Wertschätzung wird gerne eingefordert, ist im Arbeitsalltag aber selten spürbar.

Natürlich muss ein Unternehmen wirtschaftlich handeln und schwierige Entscheidungen treffen. Aber wer von seinen Mitarbeitenden Loyalität, Verständnis und überdurchschnittlichen Einsatz erwartet, sollte auch bereit sein, selbst etwas davon zurückzugeben.

Vertrauen ist keine Einbahnstraße. Loyalität lässt sich nicht verordnen. Und eine Unternehmenskultur verbessert sich nicht dadurch, dass man die Mitarbeitenden häufiger ins Büro bestellt.

Verbesserungsvorschläge

Vielleicht wäre es ein Anfang, die auffällig vielen kritischen Bewertungen der vergangenen Wochen nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern sich auch ernsthaft mit deren Inhalten auseinanderzusetzen. Wenn sich ähnliche Kritikpunkte immer wiederholen, könnte man zumindest auf die Idee kommen, dass das Problem nicht ausschließlich bei den Mitarbeitenden liegt.

Arbeitsatmosphäre

Wo früher trotz aller Schwierigkeiten noch ein gewisses Gemeinschaftsgefühl herrschte, machen sich inzwischen zunehmend Frust, Unsicherheit und Resignation breit. Vertrauen wird eingefordert, aber immer weniger entgegengebracht. Eine besonders motivierende Grundlage für gute Zusammenarbeit ist das nicht.

Image

Nach außen präsentiert man sich gerne als attraktiver Arbeitgeber. Intern fällt es allerdings zunehmend schwer, dieses Bild mit den tatsächlichen Entwicklungen in Einklang zu bringen.

Work-Life-Balance

War dank der bisherigen Flexibilität lange einer der größten Pluspunkte. Mit der Einschränkung der freien Homeoffice-Gestaltung fällt nun ausgerechnet dieser Vorteil zunehmend weg. Mehr Pendelzeit, höhere Kosten und weniger Selbstbestimmung.

Karriere/Weiterbildung

Bei den aktuellen Umstrukturierungen drängt sich zunehmend die Frage auf, welche langfristigen Perspektiven Beschäftigte hier überhaupt noch haben.

Gehalt/Benefits

Die Gehälter sind zumindest in vielen Bereichen alles andere als üppig. Gehaltsanpassungen aufgrund steigender gesetzlicher Mindestlöhne sprechen dabei für sich. Die Mitarbeiterrabatte auf Reisen sind nett, helfen allerdings wenig, wenn man sich diese Reisen trotz Rabatt kaum leisten kann. Auch die öffentlich beworbenen Produkterfahrungsreisen klingen attraktiver, als sie sich im Arbeitsalltag darstellen. Nachvollziehbare Vergabekriterien sind kaum erkennbar, während manche Beschäftigte offenbar regelmäßig profitieren und andere bislang vollständig leer ausgehen. Ein Benefit, dessen tatsächlicher Nutzen stark davon abzuhängen scheint, ob man überhaupt berücksichtigt wird.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Mitarbeitende wieder häufiger zu teils langen Autofahrten ins Büro zu verpflichten, obwohl mobiles Arbeiten jahrelang funktioniert hat, wirkt weder besonders nachhaltig noch sozial sensibel. Gerade angesichts steigender Lebenshaltungskosten hätte man hier mehr Rücksicht erwarten können.

Kollegenzusammenhalt

Unter bestimmten Kollegen nach wie vor wirklich gut. Allerdings scheint die zunehmende Unsicherheit auch ihre Spuren zu hinterlassen. Man gewinnt stellenweise den Eindruck, dass inzwischen eher das Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ gilt. Schade, wenn aus Zusammenhalt zunehmend Selbstschutz wird.

Umgang mit älteren Kollegen

Eine gezielte Benachteiligung älterer Kollegen ist nicht aufgefallen. Die zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen machen allerdings auch vor langjährigen und erfahrenen Beschäftigten nicht halt. Immerhin scheint man sich darin generationsübergreifend einig zu sein.

Vorgesetztenverhalten

Gute Führung gab es stellenweise durchaus. Fachliche Kompetenz, Menschlichkeit und Wertschätzung sind allerdings offenbar keine Garantie für Kontinuität. Nach den personellen Veränderungen standen und stehen manche Bereiche zeitweise ohne klare Führung da. Man kann sich inzwischen fast glücklich schätzen, wenn man diese Kategorie überhaupt noch bewerten kann, weil man noch einen Vorgesetzten hat.

Arbeitsbedingungen

Die Arbeit selbst wäre unter vernünftigen Rahmenbedingungen durchaus zu bewältigen. Statt auf bewährte Flexibilität zu setzen, werden Freiheiten eingeschränkt und zusätzliche Belastungen geschaffen. Dass dies Motivation und Zufriedenheit nicht unbedingt fördert, sollte eigentlich wenig überraschen.

Kommunikation

Mehr Büropräsenz soll die Kommunikation verbessern. Gleichzeitig werden selbst einschneidende personelle Veränderungen mitunter so wenig transparent kommuniziert, dass mehr Fragen als Antworten zurückbleiben. Vielleicht sollte man mit guter Kommunikation an der Spitze anfangen, statt sie durch Anwesenheitspflicht erzwingen zu wollen.

Gleichberechtigung

Bei der Verteilung von Nachteilen scheint man zumindest wenig Unterschiede zu machen. Ob man das bereits als gelebte Gleichberechtigung bezeichnen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.

Interessante Aufgaben

An interessanten Aufgaben mangelt es grundsätzlich nicht. Durch steigende Anforderungen und zusätzliche Verantwortlichkeiten wird es allerdings zunehmend schwieriger, daran Freude zu haben. Interessant bleibt vor allem die Frage, wie viel Mehrarbeit man noch auffangen soll.

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Wie läuft deine Arbeitswoche?

Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.