Leider stimmt hier fast alles. Kopflos, toxisch, interessant
Gut am Arbeitgeber finde ich
Warum interessant in der Überschrift? Wir sehen hier ein sozialökonomisches Projekt, mit wie viel Geld eine Firma trotzdem noch in die Binsen gehen kann. Schnappt euch popcorn and stay tuned.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Dass das alles gesehen und weggeschaut wird. Vielleicht ist das Management zu unerfahren, vielleicht gibt es zu viele Scheuklappen, zu viel Ellenbogen-Denken, zu viele Ego-Trips. Hier wird nur Geld auf Probleme geworfen statt sie anzugehen.
Verbesserungsvorschläge
- Fehlverhalten gibt es überall. Aber es auch anzugehen und nicht nur wegzuschauen ist eure Pflicht.
- Identifiziert die toxischen Führungskräfte
- Identifiziert die langsamen Prozesse..."wir können die Rechnung nicht freigeben, weil der Drucker nicht geht", " der CFO ist gerade in den USA, wir können die Rechnung nicht freigeben". Die Firma besteht aus 80% Akademikern und der größte Teil im forschenden Bereich. Und es gibt keinen Prozess für die Beschaffung von Literatur?? Ich muss mir meine Bücher und Fachartikel selber kaufen und darf dann eine Reisekostenabrechnung darüber einreichen. Und warte wieder 6 Monate (siehe oben).
- Definiert eine klare Strategie und macht sie transparent. Ziele auf jede Abteilung herunterbrechen. Das fordere ich schon seit 7 Jahren.
- Wenn ihr Überwachungsorgane wie Internal Audit, Compliance, Risikomanagement, Internes Kontrollsystem aufsetzt, dann lasst sie auch wirken. IKS ist nur SOX, da fehlt der größte Teil, Risikomanagement wird gerade zurückgefahren, CSR, Compliance und Internal Audit dürfen zwar meckern aber auf sie wird nicht gehört. Das ist alles ziemlich zahnlos.
Arbeitsatmosphäre
Leider stimmen alle Kommentare hier. Es hängt einfach vom Team und von den Vorgesetzten ab. In meinem Fall: Erledigte Aufgabe werden nicht angeschaut, dann müssen sie plötzlich übers Wochenende überarbeitet werden. Ich habe das abgelehnt und gemeldet. Die Führungskraft hat dann selber für die "dringende Arbeit" sich weitere 3 Wochen Zeit gelassen. Klare (und belegbare) Verstöße gegen den eigenen Code of Conduct wurden nicht geahndet.
Image
In EU gut, innerhalb der Branche schlecht. Außerhalb EU kennt niemand BNT.
Work-Life-Balance
Ok, wenn Führungskraft duldet. Leider gegenläufige Tendenzen erkennbar. Kommentare wie "get your lazy asses into the office" oder "aber drei Tage pro Woche Büro sind schon Pflicht für dich" trotz 100% Home Office Vertrag. WhatsApp Gruppen über Arbeit, Wochenendarbeit oder gewerkschaftswidrige Aussagen zur Streichung einer Schichtzulage...alles ist dabei.
Karriere/Weiterbildung
War jahrelang ok, da der Prozess weich wie Gummi war. Dieser Prozess ist nicht verbessert worden aber es gibt wohl interne Anweisungen, dass es keine Weiterbildungen mehr gibt. Zumindest in manchen Abteilungen. In anderen wird weiter fleißig Geld ausgegeben, trotz Sparkurs.
Gehalt/Benefits
War ok für Mainz, in der Branche aber eher niedrig. Für München zu wenig, für Berlin gut. Teilweise mit Tarifvertrag, andere ohne. Neueinsteiger bekommen mehr als hochgearbeitete Kollegen. Auch hier wird jedes Fettnäppfchen mitgenommen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nicht vorhanden. Existiert nur auf dem Papier. C-Level Aussage "wenn die EU-Vorgaben zurückgehen...brauchen wir dann das noch"?
Kollegenzusammenhalt
Grundsätzlich gut, kommt aufs Team an. Ich habe mehrere Verhaltensverstöße meiner Führungskraft an Compliance gemeldet. Compliance sah "dringenden Handlungsbedarf" aber HR und das obere Management haben nichts unternommen.
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich sehr junges Team. "Ältere" Kollegen haben systematisch das Unternehmen verlassen...teilweise mussten sie gehen. Auf "seniore" Kollegen wird im oberen Management nicht gehört und sie verlassen dann das Unternehmen ("Brain Drain" auf höchstem Niveau). Diese Firma läuft systematisch durch jedes Fettnäppfchen was es da draußen gibt, in das man als Firma reinlaufen kann. Verhandlungen mit dem Betriebsrat? Laufen auf dem Niveau der 80iger Jahre. Merger & Acquisition? Wir kaufen ohne zu hinterfragen, gekaufte Firmen wurden jahrelang nicht oder nur sehr langsam integriert. Jetzt geht die Tendenz zurück und hoppla, das Werk in Singapur ging nie an den Start. Selbst der Junior-Manager hat gesehen, dass dieses Werk nicht notwendig war. Oberes Management hat oft genug widersprochen dieses Werk zu kaufen aber C-Level hat daran festgehalten. Nun wird es ungenutzt wieder verkauft. Unternehmenskommunikation? Schlecht. Zusammenhalt? Innovativ? Leidenschaftlich? Ich musste über 6 Monate darauf warten, dass wir für den Firmenlauf T-Shirts bekommen...zu spät...treten wir halt mit unseren privaten Sachen an, war schon peinlich.
Vorgesetztenverhalten
Schlecht, siehe oben. Es geht weniger um schlechte Vorgesetzte sondern darum, dass hier eine Kultur geschaffen wird in der schlechte Führung geduldet und/oder akzeptiert wird. Es wird einfach weggeschaut trotz schriftlicher Beweise. Klare Verstöße gegen den Code of Conduct werden nicht nachverfolgt.
Selbst die C-Level-Beratung hat sich zurückgezogen, weil niemand auf sie hört.
Arbeitsbedingungen
Keine (zumindest kommunizierte) globale Strategie. Tendenz eher schlechter. Derzeit hat jeder zweite Mitarbeiter Angst seinen Job zu verlieren. Keine klare Kommunikation. Abteilungen werden als "betroffen" genannt oder auch nicht. Oder später hinzugefügt. Sehr erratisch. Der Betriebsrat kämpft mit sich selber. Die verschiedenen Betriebsräte der Standorte kämpfen gegeneinander. Der Arbeitgeber-Anwalt hat wohl freie Hand in den Verhandlungen und zieht dort seinen Egotrip durch.
Kommunikation
Schlecht. Nur notweniges wird mitgeteilt. Mein direkte Führungskraft verteilt Aufgaben ohne Zusammenhänge und beschwert sich, dass die Ergebnisse nicht in ihr Konzept passen. Einmal wurde ein Standort als "nicht systemkritisch" bezeichnet, der musste dann weg. Die Leute dort haben sich über die Aussage und ihren Arbeitseinsatz der letzten Jahre sehr gefreut Die Presseabteilung scheint auf Zuruf zu arbeiten, keine vorgefertigten Statements in der Schublade, alles dauert sehr lange.
Gleichberechtigung
Viele Nationen, 50% Frauenquote, fast alles Akademiker. War gut. Wohl aber auch teamabhängig.
Interessante Aufgaben
Ja, die waren ok. Wenn gewünscht (und von Vorgesetzten akzeptiert) kann man auch eigene Ideen einbringen. Leider nicht überall.

