Interessante juristische Arbeit, aber erhebliche Defizite bei Führung, Gleichberechtigung und Unternehmenskultur
Arbeitsatmosphäre
Das Verhalten einzelner Vorgesetzter am Standort Frankfurt ist aus meiner Wahrnehmung wiederholt durch ein erhebliches Maß an Unprofessionalität und Grenzüberschreitungen geprägt. Dies betrifft insbesondere den Umgang mit weiblichen Mitarbeiterinnen. Die Partnerschaft am Standort Frankfurt ist ausschließlich männlich besetzt. In diesem Umfeld kommt es wiederholt zu unangemessenen und teilweise sexualisierten Äußerungen und Verhaltensweise gegenüber Mitarbeiterinnen. Besonders bedenklich erscheint, dass entsprechende Verhaltensweisen gegenüber der Geschäftsführung bereits thematisiert und angezeigt wurden. Gleichwohl sind nach meinem Kenntnisstand bislang keine erkennbaren oder wirksamen Maßnahmen ergriffen worden, um derartige Vorfälle aufzuklären, angemessen zu sanktionieren oder künftig zu verhindern. Ein derartiger Umgang mit Beschäftigten wirft aus meiner Sicht erhebliche Fragen hinsichtlich der Unternehmenskultur, der Führungsverantwortung sowie des internen Umgangs mit entsprechenden Beschwerden auf. Vor diesem Hintergrund dürfte es auch für Mandanten von erheblichem Interesse sein, wie innerhalb der Kanzlei mit Mitarbeiterinnen und entsprechende Beschwerden umgegangen wird.
Kommunikation
Besonders kritisch ist aus meiner Sicht der Umgang mit Mitarbeitenden, deren langfristige Perspektive innerhalb des Unternehmens offenbar nicht mehr vorgesehen ist. In solchen Fällen entsteht der Eindruck, dass Betroffene zunehmend dazu bewegt werden, das Unternehmen aus eigener Initiative zu verlassen, bis dieser Schritt letztlich tatsächlich erfolgt. Der direkte Vorgesetzte sucht in solchen Fällen offenbar nicht das persönliche Gespräch mit dem betroffenen Mitarbeitenden, sondern überlässt die Kommunikation über dessen Ausscheiden dem jeweils nächsthöheren Vorgesetzten. Besonders widersprüchlich wirkt dabei, dass anschließend der Eindruck vermittelt wird, man selbst habe auf diese Entscheidung keinen Einfluss gehabt und teile diese zudem nicht. Ein solches Vorgehen lässt aus meiner Sicht sowohl die notwendige persönliche Verantwortung als auch die gebotene Transparenz und Wertschätzung im Umgang mit den betroffenen Mitarbeitenden vermissen. Auch dieser Umgang mit Mitarbeitenden dürfte für Mandanten von erheblichem Interesse sein, da er Rückschlüsse auf die gelebte Unternehmenskultur und die Führungsverantwortung innerhalb des Unternehmens zulässt.
Vorgesetztenverhalten
Es besteht der Eindruck, dass Verantwortung weitergereicht wird und sich insbesondere der direkte Vorgesetzte seiner eigenen Führungsverantwortung entzieht.
Besonders problematisch ist, dass dadurch nicht nur das Vertrauen in die Führungskräfte verloren geht, sondern auch eine Unternehmenskultur begünstigt wird, in der Fehlverhalten folgenlos bleiben kann. Wer als Vorgesetzter bei solchen Vorgängen wegschaut, nicht eingreift oder Verantwortung abschiebt, trägt zumindest dazu bei, dass sich die bestehenden Missstände fortsetzen können.
Interessante Aufgaben
Die fachlichen Aufgaben sind durchaus interessant, vielseitig und abwechslungsreich. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass man bereits zu Beginn die Möglichkeit erhält, Verantwortung zu übernehmen und beispielsweise Gerichtstermine eigenständig wahrzunehmen. Dadurch kann man früh praktische Erfahrungen sammeln und sich fachlich sowie persönlich weiterentwickeln. Auch die Zusammenarbeit mit den Mandantinnen und Mandanten macht Spaß und gestaltet den Arbeitsalltag abwechslungsreich. Insgesamt bietet die Tätigkeit spannende Einblicke und anspruchsvolle Aufgaben, bei denen man seine juristischen Kenntnisse unmittelbar anwenden und vertiefen kann.
Gleichberechtigung
Die Gleichberechtigung ist kritisch zu betrachten. Sämtliche Partnerpositionen sind ausschließlich mit Männern besetzt, während die Aufstiegschancen für Frauen offenbar deutlich schwieriger sind.

