Ein Lehrstück in Sachen Arbeitskultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Arbeitgeber hat mir gezeigt, wie ich "Red Flags" erkenne und in welcher Art von Unternehmen(sstruktur) ich nie wieder tätig werden möchte.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Für mich persönlich war es eine überwiegend negative Gesamterfahrung. Die guten Erfahrungen entstanden durch bestimmte Kollegen und Kolleginnen sowie Studierenden.
Verbesserungsvorschläge
Hört zu, wenn Mitarbeitende ihre Expertise einbringen. Jahrzehntelange Berufserfahrung bedeutet nicht, dass man alles besser weiß als andere. Jeder hat individuelle Stärken und Grenzen. Wer das anerkennt und die Kompetenzen anderer wertschätzt, baut ein stärkeres Team. Lasst euch Dinge erklären, anstatt dicht zu machen wenn etwas anders klingt als erwartet. Argumente verdienen eine Antwort, keine Ablehnung. Und wer KI-Tools nutzt ohne sie zu verstehen, sollte das nicht über die Einschätzung erfahrener Mitarbeitender stellen. Dringend notwendig ist außerdem eine unabhängige HR-Stelle sowie eine neutrale Vertrauensperson als sichere Anlaufstelle. Beides war bis zu meinem Abgang im Jahr 2026 nicht vorhanden.
Wenn diese Bewertung kommentiert wird, muss man mir auch kein Gesprächsangebot machen. Solange die Stellen noch so besetzt sind, spricht man gegen Wände.
Arbeitsatmosphäre
Unter den Kolleginnen und Kollegen herrscht eine angenehme Atmosphäre, es entstehen auch echte Freundschaften. Allerdings ist eine spürbare Diskrepanz zwischen der allgemeinen Belegschaft und bestimmten Personengruppen in Führungspositionen zu bemerken.
Image
Nach außen kaum wahrnehmbar. Bewertungen auf Portalen werden aktiv beeinflusst, was ein authentisches Bild erschwert.
Karriere/Weiterbildung
Entwicklungsmöglichkeiten und Weiterbildungsmaßnahmen werden nicht nur nach Leistung oder Bedarf vergeben, sondern nach Sympathie. Wer nicht zur richtigen Gruppe gehört, hat kaum Chancen auf Förderung.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kolleginnen und Kollegen ist in den meisten Fällen stark. Gemeinsame Erfahrungen und Frust mit dem Führungsstil tragen dazu bei, dass man sich gegenseitig unterstützt und zusammenhält.
Vorgesetztenverhalten
Konstruktive Kritik wird nicht gehört, fachliche Kompetenz der Mitarbeitenden kaum wertgeschätzt. Externe Tools (ChatGPT) werden dem eigenen Team vorgezogen. Irgendwann hören Mitarbeitende auf, sich einzubringen, weil es nichts bringt. Es kam zu Äußerungen, die von (weiblichen sowie männlichen) Mitarbeitenden als sexistisch wahrgenommen wurden. Eine neutrale Anlaufstelle für solche Anliegen gibt es aus strukturellen Gründen nicht.
Arbeitsbedingungen
Die technische Ausstattung ist zeitgemäß und die Lage ist verkehrsgünstig. Einen Pausenraum gibt es nicht, was dazu führt, dass Pausen meist am Arbeitsplatz oder gar nicht gemacht werden.
Kommunikation
Unter Kolleginnen und Kollegen funktioniert die Kommunikation mal mehr und mal weniger gut. Auf übergeordneter Ebene muss man sich Informationen jedoch häufig aktiv holen: Updates die alle betreffen, werden nicht immer proaktiv weitergegeben. Gelegentlich erfährt man relevante Dinge nur durch Zufall, obwohl man selbst betroffen ist. Mehr Transparenz und eine einheitlichere Informationsweitergabe wären wünschenswert.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist unter- bis durchschnittlich. Bonusprogramme und regelmäßige Gehaltserhöhungen werden nicht allen Mitarbeitenden gleichermaßen angeboten. Mitarbeitende mit solchen Vereinbarungen werden dazu angehalten, diese nicht mit Kolleginnen und Kollegen zu teilen. Zusätzliche Benefits sind kaum vorhanden.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung ist kaum spürbar. Es besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen der allgemeinen Belegschaft und bestimmten Personengruppen, die einen strukturellen Vorsprung genießen. Auch beim Gehalt gibt es erhebliche Unterschiede: Einzelnen Mitarbeitenden werden Bonusprogramme mit regelmäßigen Gehaltserhöhungen angeboten, anderen nicht. Zu glauben, dass sich Mitarbeitende nicht über Gehälter austauschen, ist 2026 nicht mehr zeitgemäß. Leistungsabhängige Prämien im Vertrieb sind davon ausgenommen und nachvollziehbar. Wenn sich hier nichts ändert, werden weiterhin (junge) Mitarbeitende das Unternehmen verlassen.
Interessante Aufgaben
Teile des Jobs haben mir persönlich Spaß gemacht. Als Einstiegsjob hat die Stelle mir geholfen herauszufinden, was ich mag und was mir liegt und was nicht.