Gut am Arbeitgeber finde ich
Ein paar positive Punkte gibt es durchaus. Die Work-Life-Balance ist insgesamt in Ordnung. Homeoffice ist möglich und Urlaub lässt sich relativ unkompliziert planen, auch längere Urlaubszeiträume sind normalerweise kein großes Problem.
Auch die Arbeitsumgebung und technische Ausstattung sind modern und zeitgemäß.
Der Kollegenzusammenhalt ist ebenfalls okay. Mit den direkten Kollegen kann man sich gut austauschen und gegenseitig unterstützen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was ich besonders schlecht finde: Am Ende wird man leider häufig so eingesetzt, wie es für die Vorgesetzten am bequemsten ist.
Wer langfristig Karriere machen, sich beruflich weiterentwickeln und für seine Leistung entsprechend bezahlt werden möchte, sollte sich meiner Meinung nach lieber nach einem anderen Unternehmen umsehen.
Besonders bemerkenswert ist das Gehaltssystem. Es scheint teilweise kaum eine Rolle zu spielen, wie viel jemand tatsächlich arbeitet, Verantwortung übernimmt oder sich engagiert. Wer wenig leistet, kann am Ende ähnlich dastehen wie jemand, der ständig zusätzliche Arbeit übernimmt und sich wirklich ins Zeug legt.
Leistung wird meiner Meinung nach nicht konsequent belohnt.
Und irgendwann stellt sich deshalb zwangsläufig die Frage: Warum sollte man sich eigentlich besonders anstrengen?
Das Problem ist nicht, dass alle gleich bezahlt werden. Das Problem ist, dass Einsatz, Erfahrung, Verantwortung und Engagement offenbar nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Verbesserungsvorschläge
Das Entgeltsystem sollte grundlegend überarbeitet werden. Mitarbeiter sollten fair und nachvollziehbar nach Leistung, Engagement, Erfahrung und übernommener Verantwortung bezahlt werden – nicht danach, wer am längsten auf eine Entscheidung warten kann.
Ebenso wichtig wäre eine deutlich bessere Kommunikation. Wenn etwas zugesagt wird, sollte man sich daran halten oder zumindest frühzeitig und ehrlich sagen, wenn es nicht umgesetzt werden kann. Mitarbeiter monatelang hinzuhalten, immer wieder zu vertrösten und am Ende doch nichts umzusetzen, zerstört Vertrauen und Motivation.
Vor allem sollte das Unternehmen aufpassen, nicht genau die Mitarbeiter zu verlieren, die über Jahre Wissen, Erfahrung und Know-how aufgebaut haben. Wer engagierte und erfahrene Mitarbeiter ständig mit mehr Arbeit belohnt, ihre Entwicklung ausbremst und ihre Leistung nicht entsprechend anerkennt, darf sich irgendwann nicht wundern, wenn genau diese Leute gehen.
Wenn anschließend hauptsächlich neue Mitarbeiter eingestellt werden, die dieses Wissen erst mühsam übernehmen müssen, ist das langfristig weder effizient noch wirtschaftlich.
Man sollte die vorhandenen Mitarbeiter nicht als selbstverständlich betrachten. Dieses Unternehmen zeigt aus meiner Sicht ziemlich eindrucksvoll, wie man es beim Thema Leistungsanerkennung, Mitarbeiterbindung und Kommunikation besser nicht machen sollte.
Arbeitsatmosphäre
Ein wirklich interessantes Belohnungssystem: Wer zuverlässig arbeitet, mitdenkt, Verantwortung übernimmt und versucht, Dinge besser zu machen, bekommt vor allem eines – noch mehr Arbeit.
Lob oder Anerkennung? Eher ein seltenes Naturereignis.
Besonders schön ist dabei, dass sich irgendwann auch im Team herumgesprochen hat, wie das System funktioniert. Warum sollte man sich besonders anstrengen, wenn am Ende ohnehin nur zählt, dass die Arbeit irgendwie erledigt wird und kaum jemand darauf schaut, wer sie tatsächlich gemacht hat?
Wer versucht, Prozesse zu verbessern, Probleme zu lösen und seine Aufgaben ordentlich abzuschließen, wird dadurch nicht unbedingt besser behandelt – häufig bekommt er einfach die nächste Aufgabe.
So entsteht mit der Zeit eine ziemlich interessante Arbeitsmoral: Die einen machen und machen, weil sie ihre Arbeit ordentlich erledigen wollen. Die anderen haben längst verstanden, dass es offenbar keinen großen Unterschied macht, wie viel man tatsächlich beiträgt.
Ein hervorragendes System, wenn man Leistung langfristig ausbremsen möchte.
Image
Das Image des Unternehmens ist aus meiner persönlichen Wahrnehmung heraus eher schlecht.
Auch außerhalb des Unternehmens begegnet einem regelmäßig Kritik. Wenn man die allgemeine Wahrnehmung mit den eigenen Erfahrungen vergleicht, ist es leider nicht besonders schwer nachzuvollziehen, woher dieses Image kommt.
Eine starke Arbeitgebermarke sieht für mich jedenfalls anders aus.
Work-Life-Balance
Hier gibt es tatsächlich einen klaren Pluspunkt. Urlaub lässt sich in der Regel gut planen, auch mehrere Wochen am Stück sind möglich. Die Arbeitszeiten sind insgesamt okay und Freizeit ist tatsächlich noch ein Konzept, das existiert.
Wenn man nach der Arbeit seine Energie wieder aufgeladen hat, kann man sie am nächsten Tag schließlich wieder vollständig zur Verfügung stellen.
Karriere/Weiterbildung
Karriere und Weiterbildung scheinen hier eher unter dem Motto „Mal sehen, was passiert“ zu laufen.
Ich habe mehrfach angesprochen, dass ich mich weiterentwickeln, mehr Verantwortung übernehmen und mich fachlich weiterbilden möchte. Die Bereitschaft dazu war definitiv vorhanden.
Auf dem Papier gibt es zwar Trainingskataloge und Weiterbildungsangebote. Für Mitarbeiter, die bereits Erfahrung haben und sich gezielt weiterentwickeln möchten, ist davon allerdings wenig brauchbar.
Wenn man konkret sagt: „Ich möchte mehr machen und mich weiterentwickeln – was bringt das mir und dem Unternehmen?“, bekommt man dafür kaum eine Perspektive.
Stattdessen wird das teilweise eher belächelt oder mit einem sinngemäßen „Brauchen wir nicht“ abgetan.
Weiterbildung und Karriereentwicklung? Kann man sich im Grunde sparen.
Gehalt/Benefits
Hier wird konsequent auf das Wesentliche reduziert: Man bekommt sein Gehalt. Und damit ist das Thema im Großen und Ganzen auch erledigt.
Kein 13. Monatsgehalt, kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld – nennenswerte zusätzliche Leistungen sucht man eher vergeblich.
Auch bei außergewöhnlicher Leistung darf man nicht unbedingt erwarten, dass sich diese finanziell bemerkbar macht.
Bonuszahlungen sind dabei schon fast ein eigenes Kapitel der Unternehmensgeschichte. In all den Jahren gab es so etwas praktisch nicht. Man könnte es beinahe mit einem Eintrag in einem Fantasy-Buch vergleichen.
Offenbar braucht es erst ein historisches Großereignis von geradezu apokalyptischem Ausmaß, damit man einmal eine Bonuszahlung zu Gesicht bekommt.
Egal, wie viel jemand leistet: Ein finanzieller Dank scheint jedenfalls nicht zum Standardrepertoire zu gehören.
Wenn ein langjähriger Mitarbeiter dann trotz deutlich größerer Berufserfahrung nicht einmal auf das Gehaltsniveau eines wesentlich weniger erfahrenen neuen Kollegen kommt, stellt sich schon die Frage, welchen Wert Erfahrung und Loyalität hier eigentlich haben.
Ein feuchter Händedruck wäre vermutlich bereits ein überraschend großzügiges Benefit.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Beim Thema Nachhaltigkeit gibt es noch ordentlich Luft nach oben.
Es wird weiterhin unnötig viel mit Papier gearbeitet und manche Prozesse wirken, als wären sie irgendwann stehen geblieben.
Digitalisierung und nachhaltige Lösungen scheinen deutlich langsamer voranzukommen.
Aber vielleicht kommt das ja noch.
Fortschritt braucht schließlich Zeit – besonders wenn man ihn vorher noch ausdrucken muss.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kollegen ist insgesamt in Ordnung. Mit den direkten Kollegen kann man sich austauschen und gegenseitig unterstützen.
Interessant ist allerdings, dass die allgemeine Stimmung über die Arbeitsverteilung durchaus etwas aussagt. Viele fragen sich irgendwann völlig verständlicherweise: Warum sollte ich mich dauerhaft besonders reinhängen, wenn am Ende kaum ein Unterschied zwischen hoher und niedriger Leistung gemacht wird?
Man kann den Leuten deshalb nicht einmal wirklich vorwerfen, wenn irgendwann die Motivation nachlässt. Das System bringt es ihnen schließlich selbst bei.
Umgang mit älteren Kollegen
Langjährige und erfahrene Mitarbeiter bringen Wissen, Erfahrung und jahrelange Unternehmenskenntnis mit. Eigentlich eine ziemlich wertvolle Ressource.
Hier entsteht allerdings teilweise der Eindruck, dass diese Erfahrung vor allem dazu genutzt wird, zuverlässig noch mehr Aufgaben übernehmen zu können.
Wer jahrelang mitdenkt, Probleme löst, Prozesse verbessert und Verantwortung übernimmt, wird dadurch nicht automatisch stärker wertgeschätzt.
Langjährige Loyalität scheint irgendwann einfach als selbstverständlich betrachtet zu werden.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich bei manchen irgendwann die Frage stellt: Warum eigentlich noch mehr geben, wenn es am Ende ohnehin keinen Unterschied macht?
Vorgesetztenverhalten
Führung mit sehr viel Raum zur persönlichen Entfaltung – vor allem, weil man bei Problemen häufig auf sich selbst gestellt ist.
Vorgesetzte halten sich bei Problemen gerne heraus, Kommunikation ist schwierig und Unterstützung ist nicht unbedingt das, was man als zuverlässig bezeichnen würde.
Besonders interessant wird es bei mündlichen Zusagen. Was heute noch mit „Das bekommen wir hin“, „Das machen wir möglich“ oder „Das ist auf dem Weg“ angekündigt wird, kann einige Zeit später plötzlich nicht mehr möglich sein.
Mündliche Zusagen haben hier offenbar ungefähr die Verbindlichkeit eines Wetterberichts für die nächsten sechs Monate.
Vertrauen entsteht allerdings nicht durch schöne Worte, sondern dadurch, dass Zusagen eingehalten werden.
Arbeitsbedingungen
Hier gibt es tatsächlich wenig zu kritisieren. Die technische Ausstattung und die Arbeitsumgebung sind modern und insgesamt auf einem guten Stand.
Man könnte fast sagen: Die Hardware ist deutlich moderner als manche Prozesse und Entscheidungen dahinter.
Kommunikation
Meetings gibt es regelmäßig – damit ist zumindest sichergestellt, dass man sich regelmäßig zusammensetzt. Ob dabei tatsächlich vernünftig informiert, kommuniziert oder etwas gelöst wird, ist allerdings eine andere Frage.
Informationen kommen verspätet oder gar nicht. Anliegen können Wochen oder Monate dauern und selbst bei einfachen Dingen muss man teilweise immer wieder nachfragen.
Einen Tisch zu bekommen, kann beispielsweise zu einem kleinen Langzeitprojekt werden.
Kommunikation wird hier offenbar gerne nach dem Prinzip betrieben: Anfrage stellen, warten, nachfragen, wieder warten – und irgendwann passiert vielleicht etwas.
Gleichberechtigung
Beim Thema Gleichberechtigung wird es besonders interessant.
Ich arbeite seit einem Jahrzehnt im Unternehmen und hatte bereits davor weitere Berufserfahrung in demselben Berufsfeld gesammelt. Über die Jahre habe ich nicht nur meine eigentliche Arbeit gemacht, sondern immer wieder neue Ideen eingebracht, Prozesse verbessert, Systeme optimiert, Kollegen unterstützt und Wissen weitergegeben.
Kurzum: Man investiert viel Zeit, Erfahrung und Loyalität in ein Unternehmen und erwartet irgendwann zumindest eine entsprechend faire Behandlung. Stattdessen musste ich erleben, dass ein Mitarbeiter, der neu in dieses Berufsfeld kam und zunächst über Arbeitnehmerüberlassung ins Unternehmen gelangte, nach relativ kurzer Zeit mehr verdiente als ich – obwohl ich ihn mit eingearbeitet habe. Ich gönne dem Kollegen seinen guten Vertrag ausdrücklich.
Das Problem ist nicht, dass er mehr bekommt. Das Problem ist, dass ein langjähriger Mitarbeiter mit deutlich mehr Erfahrung offenbar nicht einmal automatisch auf das gleiche Niveau gebracht wird.
Auf meine Nachfrage wurde zunächst zugesichert, man werde alles daransetzen, dass ich zumindest das gleiche Gehalt erhalte. Auch das wurde letztlich abgelehnt.
Interessante Aufgaben
Teilweise abwechslungsreich, vieles wiederholt sich allerdings auch.
Das eigentliche Highlight ist die kontinuierliche Erweiterung des Aufgabenbereichs. Neue Aufgaben kommen zuverlässig dazu – nur die Zeit dafür offenbar nicht.
Man hat also durchaus viele verschiedene Dinge zu tun. Irgendwann stellt sich nur die Frage, ob „interessante Aufgaben“ tatsächlich abwechslungsreiche Arbeit bedeutet oder einfach möglichst viele Aufgaben gleichzeitig.