Wer mitdenkt, verliert
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Kein Vertrauen für die Mitarbeitenden. Herabwertende Kommentare. Generalverdacht wegen einzelner Personen. Autoritärer Führungsstil. Geringes Einbeziehen von Mitarbeiterfachwissen. Keine Aufstiegschancen ohne Beziehungen. Keine Weiterbildungsmöglichkeiten. Erzkonservative Arbeitskultur. Keine Gewerkschaft.
Wenn man auf die Arbeit kommen will und einfach vorgesetzte Aufgaben abarbeiten will, ist das ein passender Arbeitgeber. Wenn man sich und eigene Ideen bei der Arbeit gerne tief einbringen will, ist von der Arbeit in diesem Unternehmen abzuraten.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Originalität hier keine Qualität ist und in anderen Unternehmen besser aufgehoben ist.
Verbesserungsvorschläge
Die Bündelung von Führungsverantwortung sollte dringend auf mehrere Personen und Abteilungen aufgebrochen werden. Bildungsstand sollte keine Rolle spielen, sondern bereits erbrachten Leistungen und Erfahrung. Das ermöglicht Aufstiegschancen für Mitarbeitende und bezieht Fachwissen in strategische Entscheidungen ein. Es ermöglicht eine ausgewogene Balance zwischen Reduktion UND ERHALT von notwendiger Komplexität. Das stellt sicher, dass die Langfristigkeit von Entscheidungen ebenfalls berücksichtigt werden kann. Es vermeidet verführerische „Quick-Wins“ die meistens im Nachhinein erhebliche Opportunitätskosten und Blockaden auf Mitarbeiterebene erzeugen. Eine tendenziell dezentrale Verantwortung dynamisiert das Miteinander in der Mitarbeiterschaft durch Aufgaben- und Entscheidungsnähe zur Basis der Wertschöpfung. Es fördert Motivation durch persönliches Einbringen.
Das Führungspersonal spielt hier eine zentrale Rolle: Deswegen sollten AbteilungsleiterInnen performancegekoppelte, regelmäßige Weiterbildungen (Kommunikation, Teamführung, Projektmanagement, Inklusion) absolvieren.
Ich rate die Priorisierung von Sozialkompetenzen vor formalem Bildungsstand beim Führungspersonal.
Arbeitsatmosphäre
Nach meiner Erfahrung herrscht eine Ungleichbehandlung in der tatsächliche Leistungen und aktives Mitdenken einen geringen Stellenwert haben. Zwar wird proklamiert, dass dies geschätzte Werte seien, doch praktisch steht man mit dem Verhalten immer im Nachteil. Wenn man aus Eigeninitiative ein Projekt unter Kollegen anstößt und dabei der Führung vorsorglich Zwischenschritte präsentiert, wird das zunächst begrüßt. Doch im weiteren Verlauf wird an einem Punkt ein radikaler Rückzug gemacht, anstatt sich die Mühe zu machen die Ergebnisse zu inhaltlich zu beurteilen und zu integrieren. Dadurch wird die Arbeit umsonst gemacht, obwohl das deutlich unwirtschaftlicher ist als der eigene Vorschlag oder den alten Weg weiterzugehen.
Dem gegenüber stehen KollegInnen die extrem eng an ihrer Stellenausschreibung arbeiten, kaum nach rechts oder links schauen und Wirtschaftlichkeit in ihren Vorschlägen nicht berücksichtigen. Diese werden gelobt.
Es herrscht meiner Meinung nach außerdem ein hoher Konformitätsdruck, was bedeutet dass authentische Kleidung und Verhalten häufig hervorgehoben und angesprochen werden – oft nicht als Kompliment. Es wird einem sehr unangenehm gemacht sich natürlich zu verh
Kommunikation
„Kommunikation“ scheint in dem Unternehmen ein Fremdwort zu sein. Mitarbeitende werden mit fertigen Entscheidungen konfrontiert und das ohne Kontext und ohne Einbezug in den Entscheidungsprozess. Als MitarbeiterIn arbeitet man an etwas für eine andere Abteilung oder für Kunden. Da die Kommunikation aber immer über den Abteilungsleiter läuft, hat man oft nur eine geringe Chance sich mit den Personen direkt abzusprechen. Das schwächt meiner Meinung nach grundsätzlich multilaterale Beziehungen innerhalb des gesamten Unternehmens und fördert Fachsilos.
Es gibt viele Unternehmensprozesse in denen das aufbrechen solcher Fachsilos dringend nötig wäre. Doch die Abteilungsleitung zeigt kein Interesse oder Vertrauen an dem Fachwissen seiner MitarbeiterInnen, dieses einzubeziehen oder zu delegieren.
Kommunikation unter Mitarbeitenden wird offen als Zeitverschwendung abgetan und nicht als Methode der gemeinsamen und informierten Verbesserung der Arbeit gesehen - in der Abteilung und dem Unternehmen.
Die Richtung der neuen, japanischen Führung hat eine andere Philosophie versprochen, doch konnte ich in der Abteilung keine spürbare Veränderung feststellen.
Kollegenzusammenhalt
Die Arbeitsatmosphäre lädt nicht dazu ein mit den KollegInnen in Kontakt zu treten. Ich habe von KollegInnen aus der eigenen und anderen Abteilungen gehört, dass ein häufiger Kündigungsgrund oder eine Kündigungsüberlegung in der Probezeit sei, dass man sich sehr alleine gelassen fühlt. Mich betraf das auch. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass Aufgaben und Projekte im Regelfall mit dem Vorgesetzten und selten unter KollegInnen besprochen werden. Wenn doch, dann immer nur nach Abteilungsleiterfreigabe, also nicht autonom. Durch den Mangel an Mitarbeiterkommunikation entsteht kein Abteilungszusammenhalt, sondern nur informelle Cliquenbildung, die ich für problematisch halte.
Kommunikation wird nicht als ernsthaften Weg gesehen mit den Kollegen und den Aufgabengebieten Brücken zu bauen. Schade dass dies einen so geringen Stellenwert hat.
Wenn man einzelne KollegInnen trotz der Hindernisse zum Sparring gefunden hat, ist der Zusammenhalt gut. Das liegt aber nicht an dem Unternehmen.
Work-Life-Balance
Man untersteht oft dem Druck bei Urlaubs- oder Homeoffice-Anträgen eine Begründung abzugeben oder um Erlaubnis zu betteln. Ich hatte an einem Tag keine Arbeitstermine im Kalender und musste wegen einem Handwerkertermin HO nehmen. Ich wurde aufgefordert "Bitte" zu sagen.
Dass HO für Handwerksbesuche grundsätzlich möglich ist, ist hier für die Bewertung (und Stellenausschreibungen) ungenügend. Es existiert keine offizielle HO-Regelung wie zum Beispiel 20% freie HO-Wahl. Widersprüchlicherweise haben scheinbar einzelne Mitarbeitenden eine solche Regelung, da sie im Wochentakt nicht im Büro aber in Teams online waren. Das bestärkt meinen bereits genannten Punkt der Ungleichbehandlung.
Das Thema work-life-balance wird mit altmodischer, erzkonservativer Rhetorik behandelt. Ich bin mit sehr vielen Arztbesuchen in Verzug wegen genau diesem Druck.
Dass punktuell einige MitarbeiterInnen HO-Regelungen womöglich ausnutzen KÖNNTEN, wird als Argument genutzt, um allen Mitarbeitern grundsätzlich Produktivitätsminderung zu unterstellen. Jedoch kann ich das bei den meisten Mitarbeitenden nicht erkennen. Es mangelt nicht an Motivation, sondern an den Strukturen diese ins Unternehmen zu integrieren.
Vorgesetztenverhalten
Eingebrachte Ideen, die über das Alltagsgeschäft hinausgingen wurden als „Luftschlösser“ herabgewertet. Als MitarbeiterIn erhebe ich keinen Anspruch, mit einem Vorschlag eine perfekte Lösung zu liefern – das ist auch nicht meine Aufgabe. Die Erwartung, dass Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden, bleibt jedoch unerfüllt. Einfach gesagt: Wenn die Idee nicht vom Chef kommt wird sie nicht behandelt.
Durch den autokratischen Führungsstil läuft inhaltliche Kommunikation nur über den Abteilungsleiter. Das isoliert die Mitarbeitenden. Es fehlt der Dialog mit tatsächlichen Auftraggebern. Das reduziert die Möglichkeit Fachwissen einfließen zu lassen. Man arbeitet nur mit Rahmeninformationen. Lösungsorientiertes Arbeiten am Projekt ist schwer – Fokus liegt auf mögliche Blockierungen des Leiters.
Häufig wurden finale Ergebnisse nicht oder nur marginal eingesetzt, weil es dann doch den Zielpersonen am Ende nicht gepasst hat und das Gesamtkonzept unklar war. Das hätte mit einem direkten Dialog vermieden werden können.
Die Beurteilung von Vorschlägen waren idR nicht wirtschaftlich-, sondern kostenorientiert. Es werden schnelle/billige Lösungen bevorzugt die langfristig unökonomisch sind.
Interessante Aufgaben
Wenn man den mangelnden Willen zur Umsetzung der Aufgaben ausblendet hat das Unternehmen sehr interessante Aufgaben. Tolles Produkt – könnte wesentlich besser dastehen als es das heute tut.
Gleichberechtigung
Alle haben gleich wenig Chancen.
Das Problem wird nicht durch Gleichberechtigung gelöst, sondern durch flächendeckenden Mangel an Karrierechancen umgangen.
Arbeitsbedingungen
Das Equipment am Büroplatz (z.B. höhenverstellbare Tische) ist sehr gut und das Gebäude ist modern. Für Autofahrer gibt es Parkplätze in und um dem Gebäude herum.
Die digitale Infrastruktur hat alle grundlegenden Elemente, ist darüber hinaus aber nicht sonderlich raffiniert. Es fehlen Management tools, die den Arbeitsalltag und Kollaboration im Unternehmen steigern würden. Die Glaswände zum Flur stören oft die Konzentration.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es gibt keine mir bekannten Maßnahmen zum Emissionsausgleich. In informellen Gesprächen wurde Umweltpolitik häufig von der Führung abfällig kommentiert.
Es war für mich nicht erkennbar, dass sich das Unternehmen mit einem echten Bildungsauftrag identifiziert und bereit ist den Auszubildenden Raum zum Lernen des vollen Ausbildungsfeldes zu geben. Die Mitarbeitenden müssen zusätzlich zum Alltagsgeschäft viele Fehler oder ganze Aufgaben wegen berufsschul-/ oder studienbedingten Abwesenheiten ungeachtet abfangen.
Nach meiner Erfahrung gehört es dazu, dass Auszubildende von der Arbeit der Mitarbeitenden oder der ausbildenden Mentoren lernen – im ersten Lehrjahr durchaus auch passiv. Sofern die Auszubildenden aber selbst keinen aktiven Output leisten, gab es nur einen sehr kleinen Raum für pädagogisches Unterrichten.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsvorschläge werden vehement abgelehnt. Es existiert kein Interesse des Unternehmens die Mitarbeitenden im Rahmen der Unternehmung zu fördern.
Mein voriger Arbeitgeber: jährliches Budget hoch-dreistellig p.a. für jeden Mitarbeiter. Hier: sub-30€ Udemy-Kurs für die Abteilung...
Damit einher gehen die fehlenden Karrierechancen im Unternehmen. Sie wurden im Bewerbungsgespräch besprochen, doch haben sich als leere Hoffnung herausgestellt. Bei mir selbst (und nach meinem Kenntnisstand auch bei anderen) waren unter Anderem fehlende Entwicklungschancen ein wesentlicher Grund das Unternehmen zu verlassen. Man wird mit einem Senior-Titel für ein paar Jahre abgestellt und danach gibt es einfach nichts mehr.
Es wurde bevorzugterweise ein Team-Leader neu eingestellt, anstatt bereits existierenden und interessierten Mitarbeitenden eine Chance zu geben sich hier zu beweisen.
Meine beste Erklärung dafür war, dass Mitarbeitende ohne Universitätsabschluss für eine solche Rolle ausgeschlossen wurden. Das im Zusammenhang mit dem geringen Stellenwert der Fachkenntnis erzeugt bei mir ein Bild des Klassismus.