Nach spätestens 3 Jahren sollte man sich umorientieren...
Gut am Arbeitgeber finde ich
1. Remote arbeiten zu können
2. In nahezu jeder großen Stadt in Deutschland gibt es ein eigenes Büro in dem man flexibel arbeiten kann
3. Viele interne Communities und Infocalls zu Themen aus den eigenen Interessensbereichen
4. Wenn man keinerlei Ambitionen hat kann man bei Cap ein entspanntes Leben führen
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
1. Aktuell keinerlei Gehaltsperspektive
2. Aktuell sehr schlechte Karriereperspektive auch bei herausragender Leistung
3. Massive Kündigungswelle aufgrund Punkt 1 und 2 wird vom Management schonungslos ignoriert - bewusst?!
4. Aktuell schlechte Projektperspektive in vielen Bereichen - man wird auf fachfremde Projekte gestaffed und macht dann irgendwas
5. Aktuell gibt es quasi kein Budget für interne Events
6. Man läuft ständig Buchungscodes hinterher
Verbesserungsvorschläge
1. Den Leuten wieder eine Gehalts- und Karriereperspektive bieten bevor noch mehr sehr gute Leute zur Konkurrenz wechseln
2. Sorgen der Beschäftigten Ernst nehmen - man hat das Gefühl der Geschäftsleitung ist es aktuell völlig egal, dass die Stimmung unter den Beschäftigten auf einem historischen Tief ist
3. Trotz Sparkurs: interne Events zur Vernetzung mit Kollegen sind durch nichts zu ersetzen und haben auch in der Vergangenheit sehr starke Ideen hervorgebracht
4. Referrals sollten immer zu einem Erstgespräch führen, allein schon als Wertschätzung gegenüber dem einreichenden Mitarbeiter
5. 30 Tage Urlaub als Standard
6. Weihnachten und Silvester als voller arbeitsfreier Tag würde keinem wehtun
Arbeitsatmosphäre
Capgemini hat sich selbst mehreren ethischen Werten & Standards verpflichtet. In der Praxis hängt die individuelle Arbeitsatmosphäre allerdings stark von den EMs, Vorgesetzten und natürlich Kunden ab und variiert dadurch ständig. Die wirtschaftliche Situation (welche eigentlich gar nicht so schlecht ist) führt seit Längerem zu Sparkurs, mittlerweile erheblichem Beförderungsaufschub und jährlichem Reallohnverlust durch lächerlich niedrige Gehaltsrunden. Vertrauen und Loyalität der Mitarbeiter gegenüber dem Unternehmen sind wahrnehmbar deutlich gesunken, das Arbeitsklima ist zunehmend angespannt.
Kommunikation
Wer bei Capgemini anfängt bekommt ein wöchentliches Selbstmarketingabo über zig verschiedene Kanäle mit dazu. Wiederkehrender Tenor: Wir sind richtig toll. Was man als Mitarbeiter davon hat? Ich habe es bisher nicht verstanden. EIne Transparenz gegenüber der Dauer und Hintergründe des anhaltenden Sparkurses wäre für das Vertrauen der Belegschaft in die Firma sinnvoller.
Kollegenzusammenhalt
Die Hierarchiestufen werden mitunter schon deutlich gelebt und oft trifft der Spruch „Mehr Schein als Sein“ zu. Lustigerweise führt die aktuelle Perspektivlosigkeit an allen Ecken & Enden gerade zu Annäherung und wachsendem Zusammenhalt der Mitarbeiter durch ein offenes "sich den Frust von der Seele reden" sowie Austausch über Stellen bei der Konkurrenz. Die Kündigungswelle der letzten Monate kann als mehr als bedenklich bezeichnet werden. Das auch die wahrnehmbare Arbeitsmotivation der Kollegen mittlerweile übergreifend schlecht ist brauche ich wohl nicht weiter hervorheben.
Work-Life-Balance
Homeoffice und mobile Arbeit aus In- und Ausland hält viele bei Cap. Je nach Projekt hat man vor Allem unter Berücksichtigung dessen, das wir über eine Unternehmensberatung reden, wirklich humane Arbeitszeiten und flexible Arbeits- und Urlaubsplanung.
Verbesserungswürdig: Manche Business Lines/ Grades haben Überstundensockel, andere nicht - wird oft mit Gehaltsunterschieden verkauft welche in der Realität aber vernachlässigbar gering sind. Urlaubsanspruch von 28 Tagen ist nicht mehr konkurrenzfähig. Brückentagsregelung und halber Tag Urlaub Weihnachten/ Silvester müssten wirklich auch nicht sein.
Vorgesetztenverhalten
Hängt total von den EMs und der Führungskraft ab. Ich habe von wirklich guten Vorgesetzten bis hin zu cholerischen Micro-Managern schon alles erlebt. Messbare Ziele werden je nach Grade in der Praxis gar nicht erst definiert. Ein extra dafür neu eingeführtes Tool für den Jahresendprozess wird absolut stiefmütterlich behandelt & kann nach kurzer Zeit schon als gescheitert betrachtet werden.
Ein weiteres großes Problem ist der Zeitmangel der Führungskräfte, welcher dazu führt, dass man als Mitarbeiter in der Regel auf sich alleine gestellt ist und Unterstützung immer energisch einfordern muss --> "dem PDL auf die Nerven gehen".
Das Upper Management ist überwiegend mit Selbstbeweihräucherung beschäftigt. In einer anderen Rezession wurden die Worte ‘unbelehrbar‘, ‘autoritär’ und ‘zynisch’ verwendet - das trifft es gut.
Interessante Aufgaben
Man kann bei Cap seine Meinung sagen, sollte sich aber vorher überlegen ob die beabsichtigte Ehrlichkeit und Deutlichkeit für einen Adressaten geeignet ist. Ich habe immer wieder erlebt, das EMs/ PDLs nach sachlich formulierter Kritik und Verbesserungsvorschlägen von Kollegen beleidigt waren und teils sehr unfair wurden. Ob man eine interessante Aufgabe hat hängt am Ende vom Projekt und der jeweiligen Rolle ab. Teilweise ertappt man sich schon bei der Frage, warum man eigentlich studiert/ promoviert hat.
Gleichberechtigung
Es ist ein offenes Geheimnis, dass man als Frau mittlerweile deutlich bessere Karten bei Beförderungsrunden oder der Zuteilung zu internen Förderprogrammen hat. Der Stempel Gleichberechtigung lässt sich halt gut verkaufen, auch wenn Andere dadurch schlechter gestellt werden. Generell wird Diversität im Unternehmen aber sehr positiv gelebt.
Umgang mit älteren Kollegen
Haben absolut keine Nachteile und werden wie jeder Andere gut in die Standorte eingebunden.
Arbeitsbedingungen
Über die Büros kann ich persönlich nicht meckern. Die Ausstattung ist durchgehend modern und man hat alles was man braucht. Leider wird beim Thema Benefits eine Zweiklassengesellschaft mit Invent gefahren, deren Mitarbeiter oft gratis Annehmlichkeiten wie Snacks oder Eis bekommen. Das sorgt für unnötige Missgunst in den Büros.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Unternehmen hat sich einer NetZero Politik verpflichtet. Diverse Initiativen unterstützen Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
Gehalt/Benefits
Eine Gehaltsentwicklung die diesen Namen verdient findet momentan faktisch nicht statt. Die Ergebnisse der Gehaltsrunden sind als lächerlich zu bezeichnen und ein Schlag ins Gesicht für jeden Arbeitnehmer, der mit Fleiß und Können seinen Job ausführt. Die ungeschönte Realität ist ein jährlicher Reallohnverlust. Betriebsvereinbarungen zu Gehaltsrunden werden einfach mal ausgesetzt ohne nennenswerte Ankündigung. Die PDLs sind gegenüber dem System auch bei gutem Willen machtlos. Daher besonders wichtig: Vor Einstellung gut informieren und entschlossen verhandeln.
Image
Trotz der Größe des Unternehmens ist Capgemini außerhalb Frankreichs oft noch zu unbekannt. In der Consultingbranche und beim Kunden ist das Image gut und man wird als wesentlicher Player am Markt wahrgenommen.
Karriere/Weiterbildung
Die derzeitige Karriereperspektive für Mitarbeiter verdient diesen Namen nicht. Ob man sich reinhängt oder nicht spielt keine Rolle - das hat mir sogar meine Führungskraft aus Nachfrage bestätigt!!! Der Sparkurs aus Frankreich führt zu massivem Beförderungsaufschub und bremst die eigene Entwicklung schonungslos aus. Damit einher geht eine bemerkenswerte Kündigungswelle von teils sehr starken Profilen. Es gibt davon abgesehen eine Vielzahl interner Weiterbildungsmöglichkeiten, welche man wahrnehmen kann. Auch externe Schulungen werden meist bezahlt, die Prüfungsvorbereitung muss man aber in der Regel in die eigene Freizeit legen.

