Für Berufseinsteiger okay - wer Ambitionen hat, sollte genau hinsehen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten.
Das ist nicht nur angenehm, sondern praktisch notwendig: Das vorhandene Büro ist zu klein für alle (first come, first served), und die Ausstattung vor Ort liegt deutlich unter dem Niveau meines privaten Arbeitsplatzes.
Dass ich die bessere Arbeitsumgebung dafür selbst finanziere, ist allerdings ein bemerkenswerter Teil dieses Benefits.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Seit Jahren erlebe ich eine schleichende Lohnerosion. Bei variablen Anteilen und Gehaltsanpassungen wird regelmäßig das leere Hosenfutter gezeigt - teilweise auch in Jahren mit beachtlicher Gewinnentwicklung. Die Gehaltsrunden gleichen die Inflation häufig nicht annähernd aus und laufen damit faktisch auf Reallohnkürzungen hinaus. Nach rund zehn Jahren mit immer demselben Muster fällt es schwer, das noch als Ausnahme zu betrachten. Gehalt ist in der Arbeitswelt eine sehr konkrete Form von Wertschätzung - und hier wirken Wettbewerber deutlich attraktiver.
Die Karriereperspektiven sind ähnlich ernüchternd. Fachlich unpassende Projekteinsätze kommen regelmäßig vor, echte Entwicklungspfade bleiben diffus. Selbst Beförderungen, etwa von Grade A nach Grade B, hängen nicht ausschließlich von Leistung ab, sondern auch von Quoten und internen Rahmenbedingungen. Das macht Karriereplanung unnötig intransparent.
Bei der Weiterbildung sieht es kaum besser aus. Man kann sich in seiner Freizeit durch qualitativ sehr unterschiedliche Online-Kurse verschiedener Plattformen arbeiten. Für Kunden haben viele davon wenig Relevanz, für die eigene fachliche Entwicklung oft ebenfalls nur begrenzten Wert. Wirklich qualifizierende Weiterbildungen muss man dagegen mühsam organisieren - entweder über den Personalvorgesetzten, der selbst kaum Budget hat, oder über ein Projekt, das naturgemäß wenig Interesse daran hat, seine Marge zu reduzieren. Unterm Strich wird zu wenig in die langfristige Entwicklung der Mitarbeiter investiert. Das erinnert an ein Auto oder eine Immobilie, die man einmal anschafft und anschließend möglichst lange nutzt, ohne ernsthaft in den Werterhalt zu investieren.
Gleichzeitig versucht das Unternehmen mit allerlei Formaten, Mitarbeiter wieder stärker ins Office zu bewegen. Nur passen Anspruch und Infrastruktur nicht zusammen. In München stehen nicht einmal für alle ausreichend Arbeitsplätze zur Verfügung - inklusive des bemerkenswerten (im übertragenen Sinne) Hinweises, dass man eben Pech haben kann. Parallel soll auch die Präsenz beim Kunden wieder steigen. Das steht zumindest in einem gewissen Spannungsverhältnis zu den offensiv kommunizierten Umwelt- und Nachhaltigkeitszielen.
Besonders charmant wird es bei Dienstreisen. Reisezeiten sollen möglichst wenig als Arbeitszeit erscheinen, selbst wenn man mehrere Stunden im Zug sitzt. Mehr Präsenz fordern und gleichzeitig die dafür notwendige Reisezeit möglichst aus der Arbeitszeit herausdefinieren zu wollen, ist eine interessante Interpretation von Fairness.
Das größte Problem ist für mich allerdings das Management. Die Kommunikation ist häufig schwach, gleichzeitig entsteht Druck, Kunden Lösungen zu verkaufen, die gut zur internen Strategie passen, aber nicht immer zwingend zu deren tatsächlichem Bedarf. Dazu kommen aus meiner Erfahrung deutliche Schwächen in Vertragsgestaltung, Projektmanagement und Führung. Das bleibt auch Kunden nicht immer verborgen.
Gerät ein Projekt daraufhin in Schieflage, folgt oft vor allem mehr Controlling. Gelegentlich wird ein schwacher Projektmanager durch einen noch schwächeren ersetzt. Das erhöht zuverlässig die Zahl der Statusmeetings, löst aber erstaunlich selten das eigentliche Problem.
Generell wirkt das Management von der operativen Basis weitgehend entkoppelt. In der eigenen Bubble scheint vieles hervorragend zu funktionieren, während sich weiter unten Unzufriedenheit langsam aufstaut. Solche Gärungsprozesse verlaufen lange unspektakulär - bis sie irgendwann schwer zu stoppen sind.
Verbesserungsvorschläge
Automatisierte Standardantworten auf Kununu kann man sich sparen. Sinnvoller wäre, Feedback ernsthaft auszuwerten, Muster zu erkennen und die Stimmung in der Belegschaft zu verstehen, bevor sie sich in Bewertungen entlädt.
Kommunikation sollte transparent, ehrlich und frei von austauschbarem Managementsprech sein. Mitarbeitende merken sehr schnell, ob man ihnen schwierige Entscheidungen erklärt oder nur kommunikativ weichzeichnet.
Wertschätzung, Weiterbildung, Karrierepfade und marktgerechte Vergütung sind Investitionen in Kompetenz - keine lästigen Kostenblöcke. Wer erfahrene Kollegen vergrault, verliert Wissen, Projekterfahrung und Kundenverständnis. Das anschließend mit günstigeren, unerfahreneren Kräften ersetzen zu wollen, ist betriebswirtschaftlich nur auf dem Papier clever.
Beförderungen sollten sich stärker an belastbarer Kompetenz, Erfahrung und tatsächlicher Wirkung orientieren - nicht an Präsentationstalent, Nasenfaktor oder der beeindruckendste Schaumschlägerei.
Interne Zertifizierungspfade ohne erkennbaren Branchen- oder Kundenwert gehören gestrichen. Wenn außerhalb des Unternehmens niemand etwas damit anfangen kann, ist das keine Weiterbildung, sondern Beschäftigungstherapie mit erstaunlich hohem Verwaltungsaufwand.

