Von diesem Unternehmen ist abzuraten.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Kollegenzusammenhalt unter den Consultants war ganz gut damals. Doch die sind mittlerweile fast alle wieder weg. Die Erfahrung hat außerdem meine Erwartungen an transparente Führung und verlässliche Arbeitsorganisation sowie Integrität von Vorgesetzten nachhaltig geschärft.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Vorgesetzten und Partner habe ich insgesamt nicht als überzeugende Führungskräfte oder Vorbilder erlebt. Besonders kritisch waren aus meiner Sicht unklare Informationswege, kurzfristig erzeugter Arbeitsdruck sowie geringe Transparenz bei Bonus, Entwicklungsmöglichkeiten und Verantwortlichkeiten.
Wiederholt entstand bei mir der Eindruck, dass Anforderungen, Zeitrahmen und verfügbare Informationen nicht zusammenpassten. Bewerber sollten Zusagen zu Bonus, Weiterbildungen und „spannenden Projekten“ daher im Vorfeld konkret hinterfragen und möglichst verbindlich klären. Für eine nachhaltige fachliche und persönliche Entwicklung halte ich das Unternehmen nur sehr eingeschränkt geeignet.
Arbeitsatmosphäre
Ich habe die Arbeitsatmosphäre unter den Consultants/Senior Consultants als überwiegend angenehm empfunden. Die Atmosphäre seitens der Partner, insbes. seit der Änderung in der Führung zu Beginn 2025 habe ich als wenig vertrauenswürdig empfunden. Kritik wirkte auf mich oft als nicht erwünscht und wurde nach meiner Erfahrung eher persönlich als sachlich behandelt. Vertrauen in die Führung war dadurch meiner Wahrnehmung nach nicht mehr vorhanden. In der Konsequenz habe ich auch eine recht hohe Fluktuation wahrgenommen.
Image
Die Außendarstellung und die von mir im Arbeitsalltag wahrgenommene Realität passten aus meiner Sicht oft nicht zusammen. Insbesondere bei Entwicklungsmöglichkeiten und internen Strukturen nahm ich eine Lücke zwischen Kommunikation im Recruiting und späterer Erfahrung wahr. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und gelebter Praxis war zumindest bemerkenswert konsequent. Auch hier sollte man sich als junger Bewerber oder Praktikant nicht blenden lassen, auch wenn die Internetseite mittlerweile vielversprechend aussieht und ganz gut gemacht ist. Meines Erachtens nach trügt der Schein hier ganz erheblich.
Work-Life-Balance
Das variierte sehr, doch man kam meistens deutlich vor 18 Uhr nach Hause. Es gab im Jahr 2025 sogar recht viele Tage, an denen kaum etwas oder sogar rein gar nichts zu tun war und man nur seine Zeit absaß. Das variierte jedoch: Im M&A-Bereich, der nur aus 3-4 Mitarbeitern bestand, war deutlich mehr zu tun. Dies lag meiner Wahrnehmung nach jedoch überwiegend an chaotischen internen Strukturen und dem chronisch ad-hoc-mäßig erfolgendem ständigen Umpriorisieren in dieser "Abteilung".
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung und Entwicklung wurden im Bewerbungsprozess deutlich stärker betont, als ich sie später im Arbeitsalltag erlebt habe. Bei Lehrgängen gab es aus meiner Sicht Einschränkungen bei Freistellung, Lernzeit und Prüfungsvorbereitung; wesentliche Teile der Vorbereitung sollten in der Freizeit erfolgen. In einem Fall wurde eine zunächst zugesagte Freistellung für eine Präsenzphase wegen kurzfristig hoher Projektbelastung nicht mehr ermöglicht.
Die internen Lernangebote empfand ich als wenig zeitgemäß und für eine nachhaltige fachliche Entwicklung nicht ausreichend. Ein systematischer Wissenstransfer durch die Führung war kaum erkennbar. Wer klare Entwicklungspfade und verlässliche Förderung erwartet, sollte dies aus meiner Sicht kritisch prüfen...oder sich gleich woanders bewerben. Da dieser Aspekt hier so mangelhaft ist, verlassen nach meiner Einschätzung auch viele Mitarbeiter nach einer relativ kurzen Zeit das Unternehmen wieder.
Gehalt/Benefits
Das Gehalts- und insbesondere das Bonussystem empfand ich als wenig transparent. Es ist nicht nachvollziehbar, nach welchen einheitlichen und überprüfbaren Kriterien die variable Vergütung festgelegt wird. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass Leistung, Bindungsinteressen und individuelle Verhandlungssituationen und Sympathien nicht immer klar voneinander getrennt wurden.
Die "Benefits" beschränkten sich aus meiner Sicht im Wesentlichen auf gelegentlich bereitgestelltes Obst. Weitergehende branchenübliche Angebote wie betriebliche Altersvorsorge oder Fahrradleasing, Sportprogramme habe ich zu meiner Zeit nicht erlebt. Mein Tipp: Lasst euch nicht durch eine hohe Bonuskomponenten blenden oder ködern. Vorsichtig sein....
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ein ausgeprägtes Umwelt- oder Sozialbewusstsein habe ich im Alltag nicht wahrgenommen. Die beobachtete Mobilitätsorganisation und der Einsatz von Einweg-Kaffeekapseln vermittelten mir keinen besonderen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit.
Kollegenzusammenhalt
Unter den Consultants erlebte ich einen grundsätzlich guten Zusammenhalt. Kollegen halfen einander und kommunizierten vergleichsweise offen. Der gemeinsame Humor war hilfreich, entstand aber eher aus Belastung als aus einer entspannten Unternehmenskultur. Er ist also nicht Ausdruck eines positiven Betriebsklimas, sondern eher dessen Kompensation.
Umgang mit älteren Kollegen
Den Umgang mit älteren Kollegen habe ich nicht durchgehend als wertschätzend erlebt. In einem Fall entstand der Eindruck, dass altersbezogene Bemerkungen und Änderungen der Projektbesetzung ohne angemessene Einbindung des Betroffenen dessen Stellung beeinträchtigten. Die Reaktion auf die daraufhin geäußerte Rückmeldung wirkte zudem nicht deeskalierend. Auch bei der Gewinnung und Bindung erfahrener Fachkräfte erschien mir das Vergütungsniveau nicht ausreichend attraktiv.
Vorgesetztenverhalten
Der größte Minuspunkt ist aus meiner Sicht die Diskrepanz zwischen Anspruch und gelebter Praxis. Anfangs tritt das Unternehmen locker und kollegial auf, später werden Zusagen jedoch häufig relativiert oder durch zusätzliche Hürden erschwert – etwa bei Homeoffice und Weiterbildungen.
Probleme wurden nach meiner Wahrnehmung oft den ausführenden Mitarbeitenden zugeschrieben, auch wenn Vorgaben oder Kommunikation seitens der Führung unklar waren. Kritikfähigkeit und offene Entwicklungsgespräche habe ich nur eingeschränkt erlebt. Zudem entstand bei mir der Eindruck, dass für Vorgesetzte und Partner andere Maßstäbe bei der Einhaltung interner Regeln gelten als für Mitarbeitende. Im Ergebnis habe ich die Vorgesetzten als wenig integer wahrgenommen.
Arbeitsbedingungen
Die räumlichen Arbeitsbedingungen empfand ich für eine Unternehmensberatung als wenig geeignet: Lärm, beengte Arbeitsplätze und teils nicht ergonomische Ausstattung erschwerten konzentriertes Arbeiten. Auch die Verteilung der Büroflächen zwischen Partnern und arbeitender Ebene wirkte auf mich sehr unausgewogen. Die technische Ausstattung der Consultants war grundsätzlich gut. Eine langsame Internetverbindung und zeitaufwendige Dateisynchronisation führten jedoch regelmäßig zu vermeidbaren Verzögerungen. Praktikanten waren nach meiner Wahrnehmung teilweise deutlich schlechter ausgestattet.
Kommunikation
Wichtige Projektinformationen wurden aus meiner Sicht oft nicht vollständig an die zuständigen Mitarbeitenden weitergegeben. Gleichzeitig wurden belastbare Ergebnisse auf Basis dieser Informationen erwartet. Auch die Kommunikation im Zwischenmenschlichen habe ich oft als sehr widersprüchlich und seitens der Partner oft als aufgesetzt empfunden. Verlassen konnte man sich auf Aussagen nur wenig. Nach Vertragsunterzeichnung war vieles anders als zuvor erzählt…
Gleichberechtigung
Der Frauenanteil im Büro war sehr gering. Abgesehen von einzelnen Praktikantinnen waren kaum Frauen beschäftigt; zudem blieb nach meiner Wahrnehmung keine von ihnen länger im Unternehmen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren sehr unterschiedlich: Neben anspruchsvolleren Tätigkeiten gab es auch viel repetitive „Fließbandarbeit“. Aufgrund der geringen Größe und Bekanntheit des Unternehmens entstand bei mir der Eindruck, dass häufig auch weniger attraktive Projekte mit schwieriger Datenlage angenommen wurden – offenbar nach dem Prinzip, alles anzunehmen, was verfügbar war.