Gute Aufgaben und gute Kollegen, aber zunehmend schlechte Rahmenbedingungen
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre hat sich in den letzten Monaten leider deutlich verschlechtert. Zusätzlich belasten die angekündigten Einschränkungen beim mobilen Arbeiten, zunehmende Kontrollen durch Führungskräfte und HR sowie steigender Leistungs- und Zeitdruck die Stimmung. Gleichzeitig nimmt die Projektüberlastung zu: Neue Projekte werden laufend als dringend priorisiert, während bestehende Vorhaben unterbrochen oder neu priorisiert werden. Eine ausreichende Abstimmung von Projekten und Ressourcen findet aus meiner Sicht nicht statt. Die daraus entstehenden Zielkonflikte werden zu oft auf die Mitarbeitenden abgewälzt. In der Summe führt das zu mehr Frust, sinkender Motivation und aus meiner Sicht auch nachlassender Leistungsfähigkeit. Daher frage ich mich, wo die Maßnahmen bleiben, die tatsächlich die Kernprobleme adressieren. Wie sollen sich Überlastung, wechselnde Prioritäten und steigender Zeitdruck durch mehr Kontrolle und weniger Vertrauen langfristig verbessern?
Work-Life-Balance
Wer täglich mindesten zwei Stunden für den Arbeitsweg aufwendet, verliert Lebenszeit. Bei Kolleginnen mit längeren Anfahrtswegen umso mehr. Der angekündigte Abbau des mobilen Arbeitens verschärft das Problem. Das geplante Ausnahmegenehmigungsverfahren empfinde ich als fadenscheinige Lösung für ein unnötig selbst geschaffenes Problem. Die Begründung, damit den Zusammenhalt im Unternehmen stärken zu wollen, überzeugt mich nicht. Für mich entsteht vielmehr der Eindruck, dass es vor allem um mehr Kontrolle durch Präsenz geht. Statt eine bewährte Arbeitsform einzuschränken und anschließend Ausnahmen verwalten zu müssen, wäre es sinnvoller, mobiles Arbeiten dort zu ermöglichen, wo es sinnvoll ist. Am Ende ist es doch für alle ein Gewinn. Zusammen mit dem steigenden Leistungs- und Zeitdruck entsteht so zusätzliche Belastung zulasten der Work-Life-Balance, der Motivation und letztlich auch der Leistungsfähigkeit. Mehr Präsenz bedeutet aus meiner Sicht eben nicht automatisch bessere Ergebnisse oder bessere Zusammenarbeit. Und die angekündigte strenge Anwesenheitskontrolle durch Führungspersonal und HR macht die kommunizierte gute Absicht traurigerweise sehr unglaubwürdig.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsmöglichkeiten sind grundsätzlich vorhanden und werden teilweise auch unterstützt. Hier kommen aber nun die spürbaren Einsparungen zum Tragen. Gleichzeitig fehlt mir an einigen Stellen eine klare und nachvollziehbare Perspektive für die persönliche und fachliche Weiterentwicklung.
Gehalt/Benefits
Bei der Vergütung sehe ich weiterhin Verbesserungsbedarf. Gerade im IT-Bereich liegt die Vergütung nach den verfügbaren Gehaltsdaten eher unter dem regionalen Marktniveau. Gleichzeitig ist Gehalt/Benefits einer der am schlechtesten bewerteten Bereiche bei CEWE. Mehr Transparenz über Gehaltsstrukturen und nachvollziehbare Kriterien für die Vergütung wären aus meiner Sicht dringend wünschenswert.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
CEWE engagiert sich nach außen durchaus für Nachhaltigkeit und soziale Themen. Beim Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden sehe ich jedoch Verbesserungsbedarf. Gerade die Einschränkung des mobilen Arbeitens sehe ich auch unter ökologischen Gesichtspunkten kritisch: Mehr verpflichtende Präsenztage bedeuten zwangsläufig zusätzliche Pendelwege und damit potenziell mehr Emissionen. Gleichzeitig muss die marode und völlig überlastete Verkehrsinfrastruktur häufiger genutzt werden. Für mich passt das nur schwer zu einem glaubwürdigen Anspruch an Nachhaltigkeit, wenn mobiles Arbeiten bei geeigneten Tätigkeiten nachweislich funktioniert.
Vorgesetztenverhalten
Abwertende Äußerungen verschiedenster Art sind inakzeptables Führungsverhalten und das ist leider weiterhin ein Thema und blieb in manchen Fällen bisher unverändert. Es lässt sich also vereinzelt leider immer noch beobachten und ist in der Belegschaft, beim BR und in der HR bekannt. Andernfalls würde es ja auch nicht die Aktionen rund um das Thema Respekt geben. Daher kann ich hier auch keine weiteren Sterne vergeben. Hier hat sich zwar einiges verbessert, dennoch besteht das Problem aus meiner Sicht nach wie vor. Das sich viele Mitarbeitende mit solchen Themen nicht an die Verantwortlichen oder Vertrauenspersonen wenden, sehe ich dabei weniger als Problem der Mitarbeitenden, sondern als Folge fehlenden Vertrauens in die bestehenden Strukturen. Hier sehe ich die Verantwortlichen bei CEWE in der Pflicht, dieses Vertrauen wiederherzustellen. Ich denke es sollte auch eine Möglichkeit geschaffen werden, sich anonym melden zu können, dass wäre vielleicht eine Hilfe.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich aus meiner Sicht. Steigender Leistungs- und Zeitdruck, mehr Kontrolle, geplante Einschränkungen beim mobilen Arbeiten und eine teilweise unzureichende Projekt- und Ressourcenplanung führen zu unnötiger Belastung. Die technische Ausstattung ist hingegen gut und bietet grundsätzlich alles, was für die Arbeit benötigt wird. Allerdings sitzen nun auch viele sehr ungünstig in stickigen Großraumbüros oder im Haus Jever.
Kommunikation
Die Kommunikation des Vorstands empfinde ich mittlerweile als herablassend und wenig empathisch. Teilweise entsteht der Eindruck, dass mit erwachsenen Mitarbeitenden nicht auf Augenhöhe kommuniziert wird, sondern ihnen vorgegeben wird, wie bestimmte Situationen zu bewerten sind. Natürlich müssen Unternehmensentscheidungen naturgemäß getragen werden. Das bedeutet aber nicht, dass sie richtig oder sinnvoll sind. Besonders problematisch finde ich aber, wenn Frustration und Sorgen der Mitarbeitenden abgewertet oder relativiert werden und der Eindruck entsteht, bestimmte Dinge sollten besser nicht offen angesprochen werden. Zwar wird grundsätzlich Gesprächsbereitschaft angeboten, mir fehlt inzwischen jedoch das Vertrauen, dass offene Kritik tatsächlich folgenlos geäußert werden kann. Gerade in einer angespannten Situation braucht es aus meiner Sicht eine Kommunikation auf Augenhöhe, in der auch unangenehme Kritik offen geäußert werden kann, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Gleichberechtigung
Bei der Gleichberechtigung sehe ich weiterhin deutlichen Verbesserungsbedarf. Frauen verdienen häufig weniger als Männer. Solange Mitarbeitende bei vergleichbarer Qualifikation, Erfahrung, Verantwortung und Tätigkeit unterschiedlich vergütet werden, ist für mich eine tatsächliche Gleichbehandlung nicht gegeben. Wenn CEWE der Auffassung ist, dass es keine entsprechenden Unterschiede gibt, wäre mehr Transparenz bei den Gehältern aus meiner Sicht der beste Weg, dies nachvollziehbar zu belegen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind grundsätzlich interessant und abwechslungsreich. Leider wird dieser positive Aspekt durch die bereits von anderen hier beschriebenen Problemen zunehmend beeinträchtigt: steigender Leistungsdruck, anzuzweifelnde Führungskompetenzen oder unzureichendes Projektmanagement erschweren es, die eigentlich interessanten Aufgaben vernünftig und mit dem nötigen Anspruch zu bearbeiten. Dadurch geht leider viel von dem Potenzial verloren, das die Arbeit eigentlich bietet.

