Ein Arbeitgeber mit viel Potenzial, das gerade verspielt wird
Arbeitsatmosphäre
Misstrauen statt Vertrauen, Kontrolle statt Eigenverantwortung. Nach erfolgreichen Projektabschlüssen hört man inzwischen Aussagen wie: Wem die Veränderungen nicht gefallen, der soll sich ein anderes Unternehmen suchen. Das hinterlässt Spuren und sorgt zunehmend für Frust.
Image
CEWE hat nach außen ein sehr gutes Image und präsentiert sich als attraktiver und sozialer Arbeitgeber. Bewerber sollten allerdings genau hinschauen: Aus meiner Erfahrung werden im Bewerbungsprozess gemachte Zusagen nicht immer eingehalten. Intern entsteht zunehmend eine Lücke zwischen dem guten äußeren Image und dem, was Mitarbeiter tatsächlich erleben.
Work-Life-Balance
Immer mehr Projekte müssen in immer kürzerer Zeit umgesetzt werden. Gleichzeitig wird bewährte Flexibilität wie das Homeoffice eingeschränkt. Die Anforderungen an die Mitarbeiter steigen, während gleichzeitig Gestaltungsspielraum genommen wird. Für mich ist das eine klare Verschlechterung der Work-Life-Balance.
Karriere/Weiterbildung
Karriere ist hier vor allem über Führung möglich. Eine echte technische oder fachliche Karriereleiter fehlt. Weiterbildung wird hauptsächlich dann ermöglicht, wenn sie zum Bedarf des Vorgesetzten passt – nicht unbedingt zur persönlichen Entwicklung des Mitarbeiters. Wer fachlich wachsen möchte, findet daher nur wenige Perspektiven.
Gehalt/Benefits
Das 13. Gehalt ist ein Pluspunkt. Ansonsten liegt die Vergütung durch die Tarifbindung eher im unteren Durchschnitt. Gleichzeitig läuft das Cost-Cutting auf Hochtouren: Teamevents werden gestrichen, Gesundheitsangebote reduziert und Hansefit wird teurer. Auch bei der Kantine steigen die Preise, während die Qualität eher nachlässt. Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass an den Mitarbeitern gespart wird, um die gestiegenen Personalkosten an anderer Stelle wieder aufzufangen. Für die Branche und die Anforderungen ist das Gesamtpaket einfach zu wenig.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kollegen ist nach wie vor sehr gut. Gerade in schwierigen Zeiten merkt man, dass man sich aufeinander verlassen kann. Allerdings ist das je nach Abteilung oder Bereich sicherlich unterschiedlich.
Vorgesetztenverhalten
Der Vorstand begegnet den Mitarbeitern zunehmend von oben herab, teilweise fast schon bevormundend. Statt Wertschätzung und Dialog gibt es Aussagen zur Austauschbarkeit von Mitarbeitern und die Botschaft, dass man sich bei Unzufriedenheit eben etwas anderes suchen könne. Nach erfolgreichen Projekten und hohem Einsatz ist das enttäuschend und demotivierend.
Einige Führungskräfte wirken mit den aktuellen Anforderungen selbst eher überfordert. Führung heißt für mich auch, mit Menschen umgehen zu können – und genau das fehlt teilweise. Gerade wenn es schwierig wird, fehlt es an Rückhalt, klarer Kommunikation, Verantwortungsbewusstsein oder einfach einem offenen Ohr. Das sorgt eher für Frust als für Motivation.
Dabei war das Unternehmen einmal auf einem guten Weg. Teamwork, Vertrauen und Respekt waren Werte, die tatsächlich gelebt wurden. Von diesem Kurs hat man sich leider ziemlich schnell verabschiedet. Schade.
Arbeitsbedingungen
Immer mehr Aufgaben, immer kürzere Fristen und gleichzeitig weniger Flexibilität. Dazu kommt zunehmend das Gefühl, dass Kontrolle wichtiger wird als Vertrauen. Die Rahmenbedingungen machen es dadurch unnötig schwer, gute Arbeit abzuliefern.
Kommunikation
Der Vorstand, aber auch einige Führungskräfte, kommunizieren zunehmend von oben herab und wenig auf Augenhöhe. Mitarbeiter werden eher belehrt als ernst genommen. Aussagen wie „alle sind ersetzbar“ oder „wem es nicht passt, der kann gehen“ sprechen leider für sich.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben und Projekte sind grundsätzlich interessant. Leider kippen immer mehr Bereichs-, Abteilungs-, Team- und Projektleiter neue Ziele, Anforderungen und Projekte in die Organisation. Dadurch hetzt man oft nur noch von einem Termin zum nächsten. Projektmanagement besteht teilweise hauptsächlich daraus, abzufragen, wer was bis wann erledigt. Für die eigentliche Arbeit bleibt zu wenig Zeit – und in vielen Bereichen geht dadurch kaum noch etwas voran. Der permanente Druck macht die eigentlich interessanten Aufgaben zunehmend zur Belastung.

