Mehr Schein als Sein: Schwaches Management, KI-Versäumnisse und fehlende Gleichberechtigung
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung im Unternehmen ist im Moment ziemlich schlecht. In letzter Zeit wurden viele personalbezogene Entscheidungen getroffen, die für viele von uns schwer nachzuvollziehen sind. Einige der prägenden Köpfe aus München sind nicht mehr dabei – und das merkt man deutlich.
Auch fällt auf, dass immer mehr langjährige Kolleginnen und Kollegen gehen, teils freiwillig, teils weniger freiwillig. Da fragt man sich schon, wo die Loyalität bleibt, die das Unternehmen selbst so stark von uns einfordert.
Dazu kommt, dass Präsenz im Büro wieder strikt verlangt wird, sobald man nicht in einem Projekt ist, und Überstunden „empfohlen“ werden, um das Quartalsergebnis aufzuhübschen. All das trägt nicht gerade dazu bei, dass man gern und langfristig im Unternehmen bleiben möchte.
Work-Life-Balance
Kommt stark auf den Manager und das Projekt an, in vielen Fällen ist sie machbar. Sobald man allerdings kein Projekt mehr hat, wird tägliche Präsenz im Büro erwartet und der Druck steigt. Die „Power-of-an-hour“-Überstundenbitten von der Deutschlandebene tragen dabei nicht wirklich zu einer besseren Balance bei.
Karriere/Weiterbildung
Trainings werden verschoben, sobald am Quartalsende die letzten billable Stunden benötigt werden – egal wie lange das Training geplant, zugesagt oder gebucht war.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt empfinde ich für meinen Job grundsätzlich als fair. Die aktuelle Gehaltsrunde scheint allerdings auszufallen – aktuell gibt es nur einen öffentlichen Schlagabtausch zwischen Betriebsrat und Deutschlandmanagement.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Alles für den KPI. Wirkliches Interesse an aktivem Engagement für Umwelt oder soziale Themen scheint nicht vorhanden zu sein. Das ist ok, wir sind eine IT-Firma und müssen billable Stunden liefern. Wer sich trotzdem engagieren möchte, muss das nach Feierabend tun.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt leidet spürbar, vor allem weil immer mehr Kolleginnen und Kollegen das Unternehmen verlassen. Von meiner ursprünglichen Gruppe ist fast niemand mehr da.
Umgang mit älteren Kollegen
Wenn es nicht zu teuer wird, gibt’s eine Aufhebung. Pauschale Altersdiskriminierung gibt es nicht, solange man nicht zu oft krank ist.
Vorgesetztenverhalten
Mit meinem direkten RM hatte ich bisher durchweg gute Erfahrungen. Leider, wie immer in solchen Situationen, gehen die besten Manager zuerst. Es fehlt seit kurzem auf der VP Ebene an „Leuchttürmen“, die sich wirklich um die Mitarbeiter kümmern, gezielt fördern und coole interne Projekte umsetzen. Ein München-Chef aus Stuttgart – ob das der richtige Weg ist?
Arbeitsbedingungen
Das Office ist mäßig gut ausgestattet aber an sich ok. IPhone gibt es alle paar Jahre ein neues, Laptops ok. Negativ fällt auf, dass Arbeiten aus dem Ausland nicht erlaubt ist – für mich ein klarer Minuspunkt und, wie einiges bei der Firma, aus der Zeit gefallen. Wir arbeiten nicht mit KI-Tools, beinahe alles wird noch über Excel getrackt. Für eine IT-Beratung, die hier eigentlich vorne sein sollte, wirkt das rückständig und macht mir ehrlich gesagt Sorgen um die Zukunftsfähigkeit.
Kommunikation
Nach außen sieht alles immer super „grün“ aus. Das Deutschland-Management kann wirklich gut präsentieren – aber nur weil man es transparent nennt, heißt das noch lange nicht, dass es tatsächlich so ist. Kritische Themen werden kaum angesprochen. Auf der einen Seite hunderte Aufhebungen und zeitglich ein Linked-In Post: wir wollen 800 neue Mitarbeiter einstellen. Für welche Projekte?
Dafür werden kleine Dinge groß gemacht: Ein Mitarbeiter im AI-Projekt wird direkt als deutschlandweites Aushängeschild gefeiert. Dass es fast das einzige Projekt in dem Bereich ist, wird dagegen eher verschwiegen.
Gleichberechtigung
Wie so oft hängt vieles stark von der jeweiligen Führungskraft ab.
Wenn man sich allerdings den aktuellen Linked-In-Post des Deutschlandchefs anschaut, fällt schon ein klarer Trend auf: In der Führungsebene sitzen ausschließlich weiße Männer Ü40, eher Ü50. Da fragt man sich wirklich, ob das intern niemand bemerkt – oder warum man so etwas trotzdem so stolz nach außen trägt.
Dazu kommt, dass es in letzter Zeit auffällig viele (nicht ganz freiwillige) Aufhebungsverträge während der Elternzeit gab. Das wirft schon Fragen auf, wie ernst die Haltung gegenüber Müttern in Teilzeit wirklich gemeint ist.
Interessante Aufgaben
Gab es durchaus, aktuell ist es aufgrund der Auftragslage eher mau. Mein aktuelles Projekt gibt mir die Freiheiten, die mich aktuell noch im Unternehmen halten.

