KPI-Wahn, prozessuale Rückständigkeit und strukturelles Führungsversagen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Den Zusammenhalt im Team. Kolleg:innen gleichen vieles aus, was organisatorisch und durch Führung nicht funktioniert.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Zu viel KPI-Logik, zu wenig Substanz. Viel Excel, viel Verwaltung und zu wenig echte Beratungsqualität. Führung bedeutet aus meiner Sicht oft eher, Druck und Aufgaben nach unten weiterzugeben, statt Verantwortung zu übernehmen. Micromanagement wirkt hier oft wie ein Ersatz für fehlende Strategie. Gleichzeitig spricht die aktuelle Entwicklung aus meiner Sicht dafür, dass der Standort München ab 2027 zunehmend unter Auslastungsdruck geraten könnte.
Verbesserungsvorschläge
Management neu aufstellen. Wer Probleme über Jahre eher moderiert als löst, ist in einer Führungsrolle fehl am Platz. Weg vom Micromanagement, weniger Excel-Logik, mehr klare Verantwortung. Kennzahlen sind wichtig, dürfen aber Qualität und eigenständiges Denken nicht ersetzen. Dazu braucht es endlich moderne Prozesse, marktgerechte Gehälter sowie belastbaren Vertrieb und professionelles Bid-Management, statt diese Aufgaben intern weiter abzuwälzen. Ebenso muss die Zusammenarbeit zwischen den Business Units endlich ermöglicht werden, statt weiter durch KPI-getriebenes Silodenken blockiert zu werden. Hier muss durchgriffen werden.
Arbeitsatmosphäre
Im Team oft gut, darüber hinaus aber häufig von Vorsicht, Misstrauen und Flurfunk geprägt. Gefühlt wird die Organisation alle sechs Monate neu umgebaut, ohne dass dadurch mehr Klarheit oder Stabilität entstehen. Gleichzeitig haben in den letzten Jahren aus meiner Sicht zu viele gute Leute das Boot verlassen. Das muss managementseitig kritisch hinterfragt werden: Wie konnte es überhaupt so weit kommen, den Standort personell und organisatorisch in diese Lage zu bringen? Bitter...
Image
Nach außen stärker als innen. Dass Mitarbeitende intern als „Partner“ bezeichnet werden, wirkt auf mich eher wie sprachliche Aufwertung und Public Relations als wie Ausdruck echter partnerschaftlicher Zusammenarbeit. Dass es in den letzten drei Jahren bereits drei verschiedene Deutschland-Chefs gab, passt für mich leider in dieses Bild. Kontinuität, klare Richtung und nachhaltige Führung sehen anders aus.
Work-Life-Balance
Wird gern betont, wird durch KPI-, Auslastungs- und Lieferdruck aber spürbar relativiert.
Karriere/Weiterbildung
Karriere wird eher verwaltet als ermöglicht. Weiterbildung ist offiziell wichtig, in der Praxis aber schnell zweitrangig, sobald Auslastung zählt.
Gehalt/Benefits
Für München, Verantwortung und Marktvergleich klar zu schwach. Vergütung wirkt eher kostengetrieben als entwicklungsorientiert.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Wird kommuniziert, ist im Alltag aber kein besonders prägender Unterschied.
Kollegenzusammenhalt
Der größte Pluspunkt. Ohne die Kolleg:innen wäre vieles deutlich schwerer auszuhalten.
Umgang mit älteren Kollegen
Respekt grundsätzlich ja, echte Anerkennung für Erfahrung und Loyalität aus meiner Sicht zu wenig.
Vorgesetztenverhalten
Einzelne sind bemüht, systemisch wird aber zu oft moderiert statt gelöst. Druck und Aufgaben werden nach unten weitergereicht, auch dann, wenn sie eigentlich ins Management gehören. Wenn Hierarchie, interne Wirkung und Sympathie wichtiger werden als Eignung, Leistung und Führungsfähigkeit, sind Fehlbesetzungen auf Dauer unvermeidlich. Das Vertrauen vieler Mitarbeitender in das Management ist aus meiner Sicht weitgehend verloren gegangen. Das kann so nicht weitergehen...
Arbeitsbedingungen
Stark projektabhängig – von ruhigem, professionellem Arbeiten bis zur Rolle als „Mädchen für alles“ ist alles möglich. Für eine Beratung wirken Prozesse und Tool-Landschaft oft erstaunlich rückständig. Viel Excel, viele manuelle Behelfslösungen und teilweise Werkzeuge, die nicht mehr zeitgemäß wirken. Hier ist ein Upgrade dringend erforderlich.
Kommunikation
Oft verspätet, beschönigend und konfliktscheu. Statt Probleme klar zu benennen, gibt es zu viel Gerede über „Marktpotenzial“, während kritische Themen eher verwaltet, relativiert oder vertagt werden. Auch das Verhältnis zum Betriebsrat wirkt aus meiner Sicht seit Längerem sichtbar zerrüttet. Wenn Konflikte wiederholt öffentlich und bis in arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen getragen werden, spricht das nicht für eine reife Führungskultur.
Gleichberechtigung
Auf dem Papier ist Gleichberechtigung vorhanden. Auf dem Gehaltszettel entsteht aus meiner Sicht allerdings ein deutlich anderer Eindruck.
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben gibt es grundsätzlich, sie werden aber oft durch Hektik, Folienlastigkeit, kurzfristige Umsteuerung und operative Übersteuerung entwertet. Selbst der Wechsel in eine andere Business Unit wird durch KPI-getriebenes Silodenken unnötig erschwert.

