Früher top Arbeitgeber – heute nur noch Schatten seiner selbst“
Gut am Arbeitgeber finde ich
Flexible Regelungen zu Elternzeit und Arbeitszeitreduzierung
• Technisch gut funktionierendes Remote-Setup
• Einige engagierte Führungskräfte, die sich wirklich um ihre Leute kümmern
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Fehlende Transparenz und Fairness bei Gehalt, Karriere und Entscheidungen
• Lautes, ungemütliches Büro ohne vollständige Ausstattung
• Kaum echte Wertschätzung oder Weiterentwicklungsmöglichkeiten
• Misstrauen gegenüber Mitarbeitenden (Anwesenheitskontrolle)
• Verlust des Teamgeists durch willkürliche Umstrukturierungen
Verbesserungsvorschläge
Echte Transparenz bei Entscheidungen schaffen
• Faire, einheitliche Gehalts- und Karrierestrukturen etablieren
• Mitarbeitende wieder langfristig fördern statt austauschen
• Gleichberechtigung ernst nehmen
• Vertrauen und Wertschätzung aktiv leben
Arbeitsatmosphäre
Früher war CGI ein Arbeitgeber mit starkem Teamgeist, flachen Hierarchien und echtem Gemeinschaftsgefühl. Heute steht vor allem Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Entscheidungen wirken unpersönlich und kurzsichtig, Vertrauen hat spürbar abgenommen. Viele Mitarbeitende haben das Gefühl, austauschbar zu sein.
Die Atmosphäre ist deutlich kälter geworden. Besonders Kolleg:innen auf der Bench spüren das: Sie müssen ins Büro kommen, um angeblich „Kontakte zu knüpfen“. In der Realität sitzen dort aber nur andere Bench-Kolleg:innen, die in Meetings sind. Austausch findet kaum statt. Offiziell wird gesagt, Anwesenheit werde nicht kontrolliert – praktisch geschieht genau das. Früher herrschte Vertrauen, heute eher Misstrauen.
Image
Kaum jemand kennt CGI- obwohl es eine Firma mit 90000 Mitarbeitern ist.
Nach außen präsentiert sich CGI als moderner, mitarbeiterorientierter Arbeitgeber – intern ist davon leider wenig spürbar. Viele langjährige Mitarbeitende sind enttäuscht über die Entwicklung. Gespräche mit Kolleg:innen zeigen: Viele denken über einen Wechsel nach, weil das Vertrauen verloren gegangen ist.
Work-Life-Balance
Elternzeit und Stundenreduzierung sind unkompliziert möglich – das ist ein Pluspunkt. Beim Thema Überstunden sieht es anders aus: Offiziell sollen keine entstehen, in der Realität wird oft deutlich mehr gearbeitet. Trotzdem darf man nur 40 Stunden (bzw. 30 in Teilzeit) buchen. Viele führen heimlich Listen, um zumindest intern Ausgleich zu bekommen. Es hängt stark von der jeweiligen Führungskraft ab, ob Fairness gelebt wird.
Karriere/Weiterbildung
Zwischen Standorten gibt es keine einheitlichen Maßstäbe. Manche Kolleg:innen steigen schnell auf, andere bleiben trotz hoher Verantwortung jahrelang auf derselben Stufe. Titeländerungen bringen häufig nur auf dem Papier etwas.
Weiterbildung ist ein Schwachpunkt. Ich wollte mehrfach Schulungen besuchen, doch das Budget war jedes Mal bereits aufgebraucht. Später wurde mir vorgeworfen, dass ich meine Ziele nicht erreicht hätte – obwohl ich keine Möglichkeit hatte, sie umzusetzen. Karriereentwicklung ist unstrukturiert und stark abhängig von der jeweiligen Führungskraft oder vom Standort.
Gehalt/Benefits
Beim Einstieg lag mein Gehalt auf fast Mindestlohn-Niveau – mit der Erwartung, dass es sich mit wachsender Verantwortung verbessert. Erst durch den Betriebsrat kam Bewegung hinein. Gehaltserhöhungen liegen meist zwischen 1 und 3 % jährlich, wobei Führungskräfte ein begrenztes Budget haben. Das bedeutet: bekommt eine Person mehr, geht eine andere leer aus.
Benefits sind überschaubar: ein Rabattsystem über „Kooperative Benefits“, ein Aktienprogramm (2 % des Gehalts) und eine jährliche Gewinnbeteiligung, deren Berechnungsgrundlage unklar ist – meist rund 500 € brutto. Kein Weihnachtsgeld, kein 13. Gehalt.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter Kolleg:innen war früher hervorragend – man hat sich gegenseitig unterstützt, auch privat. Durch zahlreiche Umstrukturierungen und Aufhebungsverträge ist dieser Teamgeist verloren gegangen. Viele gute Kolleg:innen haben das Unternehmen verlassen, was die Stimmung stark beeinträchtigt.
Umgang mit älteren Kollegen
Im Allgemeinen korrekt, aber ohne besondere Förderung. Ältere Kolleg:innen werden teils als „teuer“ wahrgenommen und sind daher bei Umstrukturierungen eher gefährdet. Erfahrung wird nicht konsequent wertgeschätzt.
Vorgesetztenverhalten
Ständige Führungswechsel sorgen für Unruhe. Während meiner Elternzeit wurde ich ohne Rücksprache einem neuen Manager zugeteilt, der nach kurzer Zeit selbst mit einem Aufhebungsvertrag ging. Danach wechselte ich in einen völlig neuen Bereich ohne passende Erfahrung. Mein späterer Manager war bemüht, mich einzubinden, aber die Situation war insgesamt chaotisch. Besonders negativ war ein Termin mit einem Vice President, bei dem mir ohne Vorankündigung ein Aufhebungsvertrag überreicht wurde – ohne Betriebsrat.
Arbeitsbedingungen
Seit dem Umzug in den 5. Stock ist das Büro sehr laut – man fühlt sich wie in einer Bahnhofshalle. Viele Arbeitsplätze sind unvollständig ausgestattet (fehlende Tastaturen, Kabel, defekte Bildschirme). Remote-Arbeit funktionierte technisch einwandfrei, wurde aber ab 2025 zunehmend ungern gesehen. Positiv sind höhenverstellbare Tische, negativ unbequeme Stühle und erheblicher Baulärm durch laufende Sanierungen.
Kommunikation
Es wird meist nur das kommuniziert, was sich positiv anhört. Das Format „60 Seconds“ war eine gute Idee, um kurz und bündig informiert zu werden, ansonsten fehlt es aber an echter Transparenz. Viele wichtige Informationen erfährt man über den Flurfunk. Strategische Entscheidungen werden nicht erklärt, sondern einfach umgesetzt.
Gleichberechtigung
Diversität existiert bei CGI hauptsächlich auf dem Papier. In der Praxis war deutlich zu beobachten, dass nach den Umstrukturierungen zuerst viele indische Kolleg:innen und anschließend auffällig viele Mütter in Teilzeit von Aufhebungsverträgen betroffen waren. Das hat bei vielen im Kollegenkreis für Unverständnis gesorgt.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren grundsätzlich abwechslungsreich, vor allem in Projekten beim Kunden. Während meiner Bench-Zeit hingegen gab es kaum sinnvolle Tätigkeiten. Mein damaliger Manager versuchte, mir interne Aufgaben zu geben, um mich einzubinden – das rechne ich ihm hoch an. Insgesamt hängt die Aufgabenvielfalt stark vom Projekt und der jeweiligen Führungskraft ab.

