Viel Unsicherheit, wenig Menschlichkeit
Gut am Arbeitgeber finde ich
Spannende, grundsätzlich zukunftsorientierte Branche. Remote First und Workation sind echte Pluspunkte. Schade, dass die Unternehmenskultur diese Vorteile inzwischen zunehmend überschattet.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Unternehmenskultur hat sich in den letzten Monaten drastisch verschlechtert: der Arbeitsalltag ist geprägt von Top-down-Entscheidungen, ständige Kurswechsel, hoher Druck und wenig Raum für konstruktive Kritik. Gleichzeitig werden bekannte technische und organisatorische Probleme nicht gelöst, während die Verantwortung für Fehler und die Folgen von Managemententscheidungen häufig bei den Mitarbeitenden landet. Der frühere Zusammenhalt hat deutlich gelitten. Die kürzlichen Umstrukturierungen und Kündigungen verstärken dies weiter.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Buzzwords, mehr Klarheit und echte Verantwortung. Entscheidungen transparent erklären, konstruktive Kritik zulassen und Probleme an der Ursache lösen statt sie weiterzureichen.
Gerade in schwierigen Zeiten sollte Führung Orientierung geben und Vertrauen schaffen statt noch mehr Druck aufzubauen.
Und vor allem: Mitarbeitende wieder als Menschen behandeln und nicht nur als Kostenposition.
Die Krise hat nicht nur wirtschaftliche Probleme sichtbar gemacht, sondern vor allem ein erhebliches Führungs- und Vertrauensproblem.
Arbeitsatmosphäre
Deutliche Verschlechterung seit die Geschäftsführung erweitert wurde. Aus einem Unternehmen mit viel Zusammenhalt und Gestaltungsspielraum ist ein Umfeld geworden, das zunehmend von Unsicherheit, Druck und Angst vor der nächsten Kündigungswelle geprägt ist.
Besonders enttäuschend ist der Umgang mit der aktuellen Krise. Mitarbeitende wurden teilweise von heute auf morgen gekündigt. Insbesondere die Art und Weise wie einzelne Trennungen abliefen, ist aus meiner Sicht menschlich kaum zu rechtfertigen. Dies hat viel Vertrauen zerstört.
Zudem wird konstruktive Kritik zunehmend als Problem aufgefasst. Viele Mitarbeitende sagen lieber nichts mehr, weil sie nicht riskieren wollen, als unbequem zu gelten und als nächste dran zu sein. Wenn eine Belegschaft aus Angst schweigt, sollte das Management nicht zuerst die Belegschaft hinterfragen.
Work-Life-Balance
Das Überstundenkonto wurde Anfang 2026 abgeschafft. Stattdessen heißt es jetzt „ergebnisorientiert arbeiten“ und Mehrarbeit noch in derselben Woche ausgleichen. In Phasen hoher Belastung funktioniert das schlicht nicht. Wer dann länger arbeitet, schenkt seine Arbeitszeit her.
Remote First ist weiterhin positiv und verhindert zumindest unnötiges Pendeln.
Karriere/Weiterbildung
Beförderungen sind in der aktuellen Situation nur sehr eingeschränkt möglich. Die eingeführten Kompetenzmatrizen wirken auf dem Papier professionell. In der Praxis bleibt jedoch der Eindruck, dass persönliche Beziehungen zur Führungskraft weiterhin erheblichen Einfluss haben.
Weiterbildungen sind, wenn es sie gibt, meist intern.
Kollegenzusammenhalt
Das war einmal eine große Stärke von chargecloud.
Vor ein bis zwei Jahren gab es einen starken Zusammenhalt über Abteilungsgrenzen hinweg. Man hat gemeinsam Probleme gelöst und füreinander Verantwortung übernommen.
Heute herrscht zunehmend „Jeder rettet sich selbst“. Nach mehreren Kündigungswellen ist die Angst spürbar, selbst der Nächste zu sein. Das zerstört zwangsläufig Vertrauen und Teamgeist.
Vorgesetztenverhalten
Abhängig vom Team.
Einige gute Führungskräfte gibt es noch. Gleichzeitig haben mehrere erfahrene Teamleads das Unternehmen verlassen, die Position gewechselt oder wurden selbst Teil der personellen Veränderungen.
Bei manchen aktuellen Führungskräften entsteht der Eindruck, dass der Druck von oben ungefiltert nach unten durchgereicht wird. Statt Teams zu schützen, Probleme zu lösen und Mitarbeitende zu unterstützen, scheint teilweise der eigene Selbstschutz im Vordergrund zu stehen.
Kommunikation
Wenig Transparenz, kaum Mitgestaltung und zunehmend ein Ton, der eher Druck erzeugt als Vertrauen.
Mitarbeitende werden bei wichtigen Veränderungen häufig vor vollendete Tatsachen gestellt u.a. bei der Abschaffung des Überstundenkontos, Umstrukturierungen oder personellen Veränderungen. Entscheidungen werden kommuniziert, wenn sie offenbar bereits getroffen sind. Eine echte Einbindung oder Möglichkeit zur Mitgestaltung findet aus meiner Meinung nach kaum statt.
Auch sprachlich hat sich die Kommunikation aus meiner Sicht verändert: Der Ton wirkt zunehmend drohend und einschüchternd statt offen, wertschätzend und lösungsorientiert. Gerade in einer ohnehin angespannten Situation trägt diese Art der Kommunikation weiter dazu bei, Vertrauen und Motivation zu verlieren.
Gehalt/Benefits
Unterdurchschnittliches Gehalt, einige zusätzliche Benefits wie zB Probonio, Fürstenberg-Institut vorhanden

