Gute Branche, aber aktuell schwierige Zeiten
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Branche Elektromobilität ist spannend und gibt der Arbeit einen echten Sinn, da man zur Energiewende beiträgt. Positiv ist außerdem Remote First, inklusive einer tatsächlich gelebten Remote-Kultur. Was das Ganze aktuell noch trägt, ist aus meiner Sicht vor allem das Team.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Aktuell herrscht sehr viel Druck und es gibt hohe Erwartungshaltungen, ohne dass dieser Druck von der Führung abgefedert wird. Er wird eher weitergegeben. Es fehlt eine konsistente Strategie, Richtungswechsel werden häufig nicht erklärt, die Kommunikation ist stark Top-Down und wenig transparent. Das Gehalt ist aus meiner Sicht unterdurchschnittlich, gleichzeitig sind Überstunden durch die hohe Arbeitsbelastung kaum vermeidbar, seit die Arbeitszeitkonten abgeschafft wurden, gibt es aber keine echte Möglichkeit mehr, diese auszugleichen. Durch mehrere Kündigungswellen ist die Stimmung sehr angespannt, viele versuchen eher, nicht aufzufallen, als sich offen einzubringen; eine offene Fehlerkultur und Vertrauen in die Führung erlebe ich kaum noch. Beim Umgang mit den Kündigungen hatte ich nicht den Eindruck, dass sozial sensibel vorgegangen wurde. Insgesamt fehlt mir, auch nach den letzten Personalgesprächen, spürbar die Wertschätzung für die Mitarbeitenden und ihre Arbeit.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Transparenz und Ehrlichkeit in der Kommunikation. Insbesondere in schwierigen Phasen, mit echten statt vorgeschobenen Begründungen. Eine klare, konsistente Strategie mit erkennbarer Richtung statt häufiger Kurswechsel. Mehr Enablement und weniger Micromanagement in Teams und Abteilungen, um echten Fortschritt zu ermöglichen.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung ist aktuell sehr angespannt. Durch mehrere Kündigungswellen hat praktisch jedes Team Kolleg:innen verloren. Ich erlebe, dass viele versuchen, nicht aufzufallen, statt sich offen einzubringen. Der Druck aus der Führungsebene wird meiner Wahrnehmung nach kaum abgefedert, sondern eher weitergegeben.
Image
Nach außen wird ein sehr frisches, positives Markenbild gezeichnet. Aus meiner Sicht passt das nicht mehr ganz zum tatsächlichen Stand des Produkts, das an einigen Stellen Modernisierungsbedarf hätte.
Work-Life-Balance
Remote First und die Möglichkeit zur Workation schätze ich sehr. Die Arbeitsbelastung ist aber so hoch, dass Überstunden kaum vermeidbar sind. Seit die Arbeitszeitkonten abgeschafft wurden, gibt es praktisch keine Möglichkeit mehr, diese auszugleichen.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsangebote gibt es kaum, Anfragen werden eher zurückgestellt oder auf günstige Alternativen verwiesen. Kompetenzmatrizen für Beförderungen existieren, werden aber aus meiner Sicht uneinheitlich angewendet. Das persönliche Verhältnis zur Führungskraft scheint oft eine größere Rolle zu spielen als objektive Kriterien.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt liegt aus meiner Sicht unter dem Branchenvergleich. Die Benefits (u. a. Bike-Leasing, Zuschüsse über Probonio-App, Zuschuss zur Homeoffice-Ausstattung) finde ich dagegen in Ordnung.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es gibt mittlerweile ein Umweltreporting, gleichzeitig wird der Einsatz von KI stark vorangetrieben, ohne dass ich eine größere Reflexion über den Ressourcenverbrauch wahrnehme. Beim Umgang mit den Kündigungen hatte ich nicht den Eindruck, dass sozial sensibel vorgegangen wurde.
Kollegenzusammenhalt
Innerhalb der Teams erlebe ich den Zusammenhalt noch als gut. Zwischen Teams und Abteilungen hat er aus meiner Sicht aber gelitten. Durch den Druck entsteht eher Konkurrenzdenken als Zusammenarbeit.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gibt vergleichsweise wenige ältere Kolleg:innen, Neueinstellungen sind häufiger jünger. Eine fundierte Bewertung fällt mir dadurch schwer.
Vorgesetztenverhalten
Aus meiner Erfahrung geben Führungskräfte Druck eher weiter, als ihn von den Teams fernzuhalten. Blockaden werden selten aktiv beseitigt, eine gezielte Weiterentwicklung der Mitarbeitenden nehme ich kaum wahr. Entscheidungen auf Managementebene wirken auf mich intransparent.
Arbeitsbedingungen
Technische Ausstattung und die zur Verfügung gestellten KI-Tools sind gut. Allerdings gibt es aus meiner Sicht viel Prozess-Overhead für Dinge, die nicht zwingend teamübergreifend geregelt werden müssten, und wenig Autonomie bei der eigenen Arbeitsweise. Remote First wird geschätzt, eine zunehmende Reiseerwartung relativiert diesen Vorteil aber wieder.
Kommunikation
Entscheidungen und Strategiewechsel werden aus meiner Sicht selten nachvollziehbar begründet. Mein Eindruck ist, dass eher beschönigt als offen kommuniziert wird, auch bei schwierigen Themen.
Gleichberechtigung
Der Frauenanteil in Führungspositionen ist aus meiner Wahrnehmung gut. Insgesamt habe ich aber den Eindruck, dass die Diversität zuletzt leicht abgenommen hat.
Interessante Aufgaben
Das Thema E-Mobility finde ich nach wie vor spannend. Durch wegfallende Rollen infolge von Kündigungen verteilt sich die Arbeit aber auf immer weniger Leute, der Fokus auf wirklich interessante Aufgaben geht dadurch verloren.


