Von einem Ort, an dem ich gerne über 100 Prozent gegeben habe, zu einem, an dem ich mich täglich neu motivieren muss
Gut am Arbeitgeber finde ich
Je nach Kundenprojekt bestehen weiterhin gute Freiheiten, zum Beispiel beim Thema Homeoffice. Zudem gibt es ein modernes, gut ausgestattetes Office. Positiv ist auch, dass grundsätzlich Zeit für die eigene Weiterentwicklung vorgesehen ist, auch wenn das in der Praxis oft im Spannungsfeld mit der Umsatzorientierung steht. Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen ist in den meisten Fällen sehr angenehm und professionell.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich habe mich damals ganz bewusst für das Unternehmen entschieden, vor allem wegen der Kultur. Genau das war auch der Grund, warum ich die Arbeit dort lange wirklich geschätzt habe. Es gab Vertrauen, Freiräume und die Möglichkeit, eigenverantwortlich zu arbeiten. In diesem Umfeld war ich gerne bereit, auch mal den extra Schritt zu gehen, weil ich das Gefühl hatte, einen echten Beitrag zu leisten und mich gleichzeitig persönlich sowie fachlich weiterzuentwickeln.
Über die letzten Jahre hat sich dieses Gefühl für mich jedoch deutlich verändert. Ich habe dabei zunehmend das Gefühl, vor allem daran gemessen zu werden, wie viel Umsatz ich generiere, statt an dem tatsächlichen Wert meiner Arbeit oder der Qualität beim Kunden. Gleichzeitig fehlt es an einer entsprechenden Gegenleistung sowohl finanziell als auch in Form von Wertschätzung. Viele Mitarbeitende haben seit zwei bis drei Jahren keine Gehaltsanpassung erhalten, was real betrachtet einer Gehaltskürzung entspricht.
Besonders kritisch empfinde ich in diesem Zusammenhang den Umgang mit den Kriterien für Gehaltsanpassungen. Anforderungen, die im Vorjahr als maßgeblich kommuniziert wurden und von vielen auch erfüllt wurden, wurden im Nachhinein relativiert oder faktisch entwertet. Leistungen, auf die hingearbeitet wurde, haben damit rückwirkend an Bedeutung verloren. Stattdessen rückte plötzlich die Auslastung als zentrales Kriterium in den Vordergrund. Auf diese hat man jedoch oft nur begrenzten Einfluss, insbesondere wenn projektseitig nicht ausreichend Möglichkeiten vorhanden sind.
Parallel dazu sind die Anforderungen kontinuierlich gestiegen. Es kommen regelmäßig neue Ziele und Erwartungen hinzu, oft ohne klaren Plan oder konkrete Unterstützung, wie diese erreicht werden sollen. Häufig wirkt es so, als würde erwartet, dass Anforderungen einfach eigenständig umgesetzt werden sollen, ohne klare Richtung. Insgesamt entsteht dabei der Eindruck, dass Anforderungen irgendwie umgesetzt werden sollen, ohne dass es eine klare Führung oder Orientierung gibt.
Auch bei der Projektbesetzung hat sich aus meiner Sicht etwas verschoben. Ein wesentlicher Grund, warum ich mich damals für das Unternehmen entschieden habe, war der klare Fokus auf Qualität und darauf, beim Kunden echten Mehrwert zu schaffen. Genau das hat das Unternehmen für mich von vielen anderen Consulting Firmen unterschieden. Inzwischen habe ich jedoch den Eindruck, dass dieser Anspruch an Bedeutung verliert und man sich zunehmend an genau diesen anderen Firmen orientiert. Statt Qualität steht häufiger die schnelle Besetzung von Projekten im Vordergrund, auch wenn die eigenen Fähigkeiten nicht optimal passen. Wenn man anmerkt, dass man die erwartete Qualität in einem Projekt so nicht sicher liefern kann, wird das teilweise eher als fehlender Einsatz oder mangelnde Motivation ausgelegt.
Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass viele Entscheidungen und Vorgaben einfach eingeführt und umgesetzt werden, ohne die Mitarbeitenden wirklich einzubeziehen. Gleichzeitig wird zwar regelmäßig betont, dass man es beim nächsten Mal besser machen möchte und Feedback wird aktiv eingefordert, in der Praxis wirkt das jedoch häufig eher wie ein formaler Schritt ohne dass daraus spürbare Verbesserungen entstehen.
Darüber hinaus wurde das mittlere Management bereits deutlich ausgebaut. Für mich fühlt sich das so an, als würde sich die Organisation stärker in Richtung Steuerung und Kontrolle entwickeln. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass sich die Arbeitsweise zunehmend in Richtung Mikromanagement verschiebt.
Insgesamt hat sich das Unternehmen für mich von einer Umgebung, in der man gemeinsam Wert schaffen wollte, hin zu einem stärker vertriebsgetriebenen Modell entwickelt, das sich zunehmend wie klassisches Body Leasing anfühlt.
Verbesserungsvorschläge
Klare und verlässliche Kriterien für Gehaltsanpassungen ohne rückwirkende Änderungen. Realistische Zielvorgaben mit konkreter Unterstützung statt implizitem Erwartungsdruck. Stärkerer Fokus auf Qualität und nachhaltigen Kundennutzen statt reiner Auslastung. Mitarbeitende frühzeitig in Entscheidungen einbeziehen und Feedback sichtbar umsetzen. Führung stärken und Orientierung geben statt zusätzliche Steuerungsebenen aufzubauen. Ziele und Strategieänderungen sollten zudem inhaltlich tiefer ausgearbeitet und klarer definiert werden, da aktuell oft die notwendige Tiefe fehlt, was zu Unsicherheit, Rückfragen und nachträglichen Klärungen führt; bei zu vagen oder häufig wechselnden Richtungen wird eine nachhaltige Umsetzung erschwert.
Arbeitsatmosphäre
Früher geprägt von starkem Zusammenhalt und einer gewissen Leichtigkeit, heute eher von Unsicherheit und spürbarem Druck.
Kommunikation
Kommunikation wirkt häufig top down und wenig transparent, insbesondere bei neuen Anforderungen und Entscheidungen. Feedback wird zwar eingefordert, führt aus meiner Sicht jedoch selten zu sichtbaren Konsequenzen oder Verbesserungen.
Kollegenzusammenhalt
Früher war der Zusammenhalt sehr gut und ich war gerne mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen, auch über die Arbeit hinaus. Heute habe ich eher den Eindruck, dass sich viele auf die reine Aufgabenerfüllung konzentrieren. Die frühere Leichtigkeit ist spürbar weniger geworden und wurde teilweise durch Frust und Unsicherheit ersetzt, die jedoch selten offen angesprochen werden. Dadurch wirkt der Austausch insgesamt oberflächlicher.
Work-Life-Balance
Offiziell sollen keine Überstunden anfallen und es gibt Vertrauensarbeitszeit mit entsprechenden Freiheiten, gleichzeitig wird jedoch erwartet, hohe Auslastung zu erreichen, sich weiterzubilden und zusätzliche Ziele zu erfüllen, was in Summe schwer vereinbar wirkt.
Vorgesetztenverhalten
Nach meinem Eindruck fehlt oft die klare Führung und Orientierung, die ich von Vorgesetzten erwarte. Der Fokus liegt stark darauf, dass Mitarbeitende liefern, und wenn kein passendes Projekt verfügbar ist, entsteht spürbarer Druck. Es ist teilweise schwierig, Vertrauen aufzubauen.
Interessante Aufgaben
Je nach Kundenprojekt
Gleichberechtigung
Das Thema Gleichberechtigung wird sichtbar ernst genommen und aktiv betont, allerdings fehlen aus meiner Sicht transparente interne Kennzahlen oder messbare Ergebnisse, die diese Aussagen konkret untermauern.
Arbeitsbedingungen
Grundsätzlich gute Arbeitsbedingungen mit hochwertigem Equipment und einem modernen Office. Früher wurde stärker darauf geachtet, Projekte so zu wählen, dass man in der Regel jede Nacht zu Hause schlafen kann. Inzwischen ist jedoch die Erwartung hinzugekommen, regelmäßig beim Kunden vor Ort zu sein, etwa alle zwei Wochen für zwei Tage, wenn der Kunde es sich wünscht, auch wenn dieser am anderen Ende Deutschlands sitzt. Zwar wird kommuniziert, dass man das ansprechen kann, wenn es zu belastend wird, in der Praxis wird dies jedoch teilweise als mangelnde Motivation ausgelegt.
Gehalt/Benefits
Viele Mitarbeitende haben seit zwei bis drei Jahren keine oder nur sehr geringe Gehaltsanpassungen erhalten, was durch die Inflation faktisch einer Gehaltskürzung entspricht.
Image
Das Image ist weiterhin gut und war lange durch echte Qualität und Beratung auf Augenhöhe geprägt. Ich befürchte jedoch, dass es bei der aktuellen Entwicklung Schaden nehmen könnte, insbesondere wenn Projekte zunehmend auch ohne passende Kompetenzen besetzt werden.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt grundsätzlich viele Freiheiten und Möglichkeiten zur Weiterbildung, insbesondere wenn man gerade kein Projekt hat. Gleichzeitig wurde das Budget in den letzten Jahren spürbar eingeschränkt, was die Nutzung dieser Möglichkeiten begrenzt.


