Viel erlebt, viel gesehen – Zeit für Veränderungen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Vor sechs Jahren habe ich geschrieben, dass Compuserv fast wie eine Familie ist und man immer ein offenes Ohr für die Mitarbeitenden hat. Heute muss ich das leider etwas relativieren. Ja, das offene Ohr ist manchmal noch da – aber das familiäre Gefühl hat spürbar nachgelassen. Ich arbeite weiterhin engagiert, bleibe auch mal länger und bin bereit, am Wochenende einzuspringen, wenn es nötig ist. Aber meine private Zeit stelle ich nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung – ein Bein reiße ich mir dafür nicht mehr aus.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Es finden keine regelmäßigen Personalgespräche statt – dabei wären gerade diese wichtig, um Entwicklungspotenziale und Zufriedenheit ernsthaft zu besprechen. Eine transparente Firmenwagen-Policy existiert nicht, hier wird nach Sympathie entschieden. Wie bereits andere angemerkt haben: Wer gut mit der Geschäftsleitung kann, bekommt eher eine Beförderung oder mehr Gehalt. Paradoxerweise gilt oft: Je unzufriedener man ist und je öfter man das Gespräch sucht, desto schneller folgen Gehaltserhöhungen oder Benefits – unabhängig von tatsächlicher Leistung. Wer hingegen still und zuverlässig seinen Job macht, wird übersehen und bleibt unsichtbar. Zufriedenheit wird nicht anerkannt oder belohnt – im Gegenteil, sie scheint eher nachteilig zu sein.
Verbesserungsvorschläge
Auch nach sechs Jahren, seit meiner letzten Bewertung, hat sich in einigen Punkten leider wenig verändert. Personalgespräche, in denen es auch mal um die Perspektive des Mitarbeitenden geht – etwa: Wo sehe ich mich in fünf Jahren? – finden kaum statt. Die Work-Life-Balance könnte deutlich verbessert werden, und auch beim Thema Gehalt ist ein Angleich an größere Unternehmen dringend notwendig. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels gilt: Nur über faire Vergütung und transparente Entwicklungsmöglichkeiten lassen sich gute Mitarbeitende langfristig gewinnen und binden.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist stark abhängig von der jeweiligen Abteilung und den direkten Kolleg:innen. Grundsätzlich wäre viel Potenzial für ein angenehmes Miteinander vorhanden, doch in letzter Zeit macht sich zunehmend Unsicherheit breit. Es entsteht der Eindruck, dass viele Mitarbeitende Angst haben, ihren Job zu verlieren. Seitens der Geschäftsführung wird viel unternommen, um neue Kunden zu gewinnen – was verständlich ist, aber nicht immer erfolgreich verläuft. Leider überträgt sich die daraus entstehende Anspannung und Unzufriedenheit spürbar auf die Belegschaft, was das Klima belastet.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance hängt stark von der Position und der jeweiligen Führungskraft ab. In manchen Teams wird auf geregelte Arbeitszeiten und Pausen geachtet, in anderen sind Überstunden an der Tagesordnung – teils ohne echten Ausgleich. Homeoffice ist zwar grundsätzlich möglich, wird aber nicht überall gleich gehandhabt. Wer sich gut abgrenzt und klare Prioritäten setzt, kann hier eine Balance finden – von selbst ergibt sie sich allerdings nicht.
Gehalt/Benefits
Die jährliche Gehaltsanpassung wurde gestrichen – stattdessen gibt es Tank- oder REWE-Gutscheine. Ob das wirklich den Inflationsausgleich kompensiert, darf bezweifelt werden, zumal im zweiten Jahr keinerlei Anpassung erfolgte. Auch der Bonus, der sonst am Jahresende gezahlt wurde, ist weggefallen. Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten wäre es ein wichtiges Zeichen, den Mitarbeitenden zumindest den gesetzlichen Inflationsausgleich zukommen zu lassen. Wertschätzung sollte sich nicht nur in Gutscheinen zeigen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
In diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren eindeutig etwas getan. Der Fuhrpark setzt zunehmend auf E-Autos und Hybride, auf dem Firmendach wurde eine PV-Anlage installiert, und Trinkwasser kommt aus modernen Sprudlerhähnen statt aus Flaschen – das sind sichtbare Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Auch das Bewusstsein für soziale Verantwortung wächst, wenn auch noch Luft nach oben bleibt, etwa bei der internen Kommunikation und Einbindung der Mitarbeitenden in solche Entwicklungen.
Kollegenzusammenhalt
Es gibt einige wirklich tolle Kolleg:innen, mit denen die Zusammenarbeit Spaß macht und die sich gegenseitig unterstützen. Leider ist der Zusammenhalt aber stark abhängig vom Team – in manchen Abteilungen wird eher gegeneinander als miteinander gearbeitet. Klare Kommunikation fehlt oft, stattdessen wird gern mal hinter dem Rücken getratscht. Das sorgt für Misstrauen und ein angespanntes Arbeitsklima. Wer ein echtes „Wir-Gefühl“ sucht, wird hier nicht überall fündig.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kolleg:innen sind im Unternehmen mittlerweile kaum noch vertreten – viele sind bereits in Rente oder wurden (teils vorzeitig) verrentet. Ob das immer freiwillig geschah, lässt sich schwer beurteilen – das muss jeder für sich selbst bewerten. Fakt ist: Erfahrungswissen geht dadurch verloren, und ein echter generationenübergreifender Austausch findet kaum noch statt.
Vorgesetztenverhalten
Leider hat das Vorgesetztenverhalten in den letzten zwei Jahren spürbar nachgelassen. Präsenz und echtes Interesse an den Mitarbeitenden fehlen zunehmend. Entscheidungen wirken oft distanziert und wenig transparent. Ich würde mir wieder mehr Austausch auf Augenhöhe wünschen – auch mal ein ehrliches, freundliches Flurgespräch wäre ein Anfang. Führung bedeutet für mich nicht nur verwalten, sondern auch sichtbar sein und zuhören.
Kommunikation
Kommunikation ist für mich ein zentraler Bestandteil guter Zusammenarbeit – und ja, E-Mails und Videokonferenzen haben definitiv ihre Berechtigung. Trotzdem sind persönliche Gespräche und der kurze Smalltalk auf dem Flur mindestens genauso wichtig, gerade in einem kleineren Unternehmen. Leider zeigt sich die Geschäftsführung in dieser Hinsicht eher selten. Die Distanz zwischen Mitarbeitenden und Führungsebene empfinde ich als zu groß – für ein Unternehmen dieser Größe sollte Nähe und Austausch auf Augenhöhe eigentlich selbstverständlich sein.
