Ambitionierter Umbau. Kultur, Kommunikation und Zusammenhalt verlieren.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Sicherer Arbeitsplatz in einer schwierigen Marktphase.
Der aktuelle CEO denkt das Unternehmen strukturiert und nachvollziehbar und treibt die Transformation sichtbar voran.
Einige sehr gute Methoden und Kolleginnen und Kollegen aus der ehemaligen ISB finden sich in der CONET wieder.
Krabbelstube und an sich moderne Büros sind klare Pluspunkte.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Überfrachtete Veränderungsagenda mit vielen Projekten und PowerPoint-Fahrplänen. Sehr viele To-dos, ambitionierte Termine, die still nach hinten geschoben werden, ohne dass man offen darüber spricht.
Permanente „Vollgas“-Rhetorik: Jahresabschluss, Monatsabschluss, Fusion, Systemumstellung, Projekte. Menschen sind keine Dauer-Sprinter.
Informationsflut über zig Kanäle und Hierarchien mit oft unterschiedlichen Aussagen, ohne echte Klarheit, wer was entscheidet und verantwortet.
Führungsetage unterhalb des CEOs wirkt auf mich stark mit sich selbst und der eigenen Karriere beschäftigt. Viel Selbstinszenierung, wenig echtes Interesse an Mitarbeitenden.
Der frühere Geist der ISB mit offenen Türen, echtem Sparring und ernstgemeinten Fragen wie „Wie geht es dir?“ ist weitgehend verloren gegangen. Karlsruhe fühlt sich eher an wie ein Satellit von Bonn.
Verbesserungsvorschläge
Weniger nochmal-alles-geben als Dauer-Mantra, mehr ehrliche Priorisierung und Klarheit: Was ist wirklich wichtig, was kann weg, was hat realistische Termine.
Informationskanäle entschlacken und klare Kommunikationswege definieren. Lieber wenige, gepflegte Kanäle als einen Dschungel, in dem niemand mehr durchblickt.
Beteiligung ernst meinen: Wenn Mitarbeitende in Projekte und Arbeitsgruppen gezogen werden, dann mit realistischem Umfang, verbindlichen Entscheidungen und sichtbaren Ergebnissen. Bitte nicht nur als Folienlieferanten oder als Pseudo-Beteiligung.
Die Stärken der alten ISB-Kultur bewusst bewahren: offene Türen, echtes Sparring, ehrliches Interesse am Menschen. Das könnte ein Gegengewicht zur Konzernlogik sein, statt einfach nur als Ressource mit übernommen zu werden.
Arbeitsatmosphäre
Früher bei der ISB: kurze Wege, offene Türen, viel gemeinsames Arbeiten am Kunden.
Heute bei CONET: deutlich mehr Konzerngefühl, viele Parallelprojekte, viele mitivierende Aufrufe, wenig Raum, offen über Belastung zu sprechen. Die Stimmung schwankt, für mich ist es eher anstrengend als inspirierend.
Kommunikation
Massenweise Informationskanäle (Teams-Channels bis der Arzt kommt, Besprechungen, Chats, E-Mails, Funktionspostfächer, Aufzeichnungen). Man sucht in allem und findet trotzdem wenig Klarheit. Es gibt viele Ansagen, Buzzword-Bingo, aber wenig echte Rückkopplung und Nachhalten.
Kollegenzusammenhalt
Im ISB-Team war der Zusammenhalt hoch, man konnte jederzeit Kolleginnen und Kollegen oder den Vorstand ansprechen. Durch die Integration in die CONET ist das stark aufgeweicht. Es gibt weiterhin gute Leute, aber das Wir-Gefühl über Standort- und Firmengrenzen hinweg ist deutlich schwächer.
Work-Life-Balance
Formal: Zeiterfassung, Homeoffice, Flexibilität – alles da.
Praktisch: gefühlt liegt dauernd etwas an, bei dem man nochmal eine Schippe drauflegen soll: Jahresabschluss, Monatsabschluss, Fusion, Systemumstellungen, Projekten usw.. Dauerhaft Vollgas funktioniert im Sport nicht und im Beruf auch nicht. Wer sich nicht selbst schützt, kann schnell auslaugen.
Vorgesetztenverhalten
Positiv: Der aktuelle CEO wirkt auf mich klar, schnell, schlüssig und mit ernst gemeintem Gestaltungswillen.
Im „C-Level-Umfeld“ darunter erlebe ich aber viel Show, Konformität und Karriereorientierung. Fragen nach „Wie geht es dir?“ fühlen sich oft wie Pflicht oder Auftakt zur eigenen Story an, nicht wie echtes Interesse.
Interessante Aufgaben
Inhaltlich gibt es spannende Themen: Public Sector, große Industrie-Kunden, Modernisierung von Verfahren, Fusion, neue Strukturen, neue Leistungen. Das Potenzial an interessanten Aufgaben ist hoch.
Für mich persönlich wird es durch die noch nicht fertige Struktur (Verantwortung in den Leistungsfeldern ist noch nicht komplett zu Ende gedacht) teilweise wieder entwertet.
Gleichberechtigung
Ich erlebe keine offensichtliche Benachteiligung bestimmter Gruppen. Frauen sind in vielen Rollen vertreten, wenige auch in Führungsrollen.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich nehme einen starken Fokus auf Karriere und Sichtbarkeit wahr. Erfahrung zählt für mich weniger als früher.
Arbeitsbedingungen
Moderne Büros, gerade in Karlsruhe. Technische Ausstattung okay bis gut, Homeoffice möglich. Die Krabbelstube ist ein echtes Plus. Insgesamt solide Rahmenbedingungen, an denen es aus meiner Sicht wenig auszusetzen gibt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Naja, geht so. Bahn ist das bevorzugte Reisemittel, trotzdem gurken einige Führungskräfte oft mit ihren Verbrennern zwischen den Standorten hin und her.
Gehalt/Sozialleistungen
Die ISB-Gehälter waren aus meiner Sicht marktgerecht bis gut. In der CONET scheinen die Gehaltsniveaus eher uneinheitlich zu sein, große Sprünge sehe ich aktuell nicht. Positiv: Die Krabbelstube ist ein echtes Plus, ich hoffe sehr, dass sie nicht dem reinen EBIT-Denken geopfert wird.
Image
Nach außen: wachsendes IT-Unternehmen mit großen Kunden, moderner Auftritt, viel „Wir transformieren“.
Innen: für mich ein Mix aus ehrlichem Transformationswillen (vor allem beim CEO) und Konzern-Show (Hashtags, weiße Sneaker, viel Selbstdarstellung). Einige finden das attraktiv, für mich passt es immer weniger.
Karriere/Weiterbildung
Wer Karriere will, viel arbeitet und sich gut verkauft, findet aus meiner Sicht Chancen. Das System belohnt Sichtbarkeit, Lautstärke und Networking. Für Menschen, die eher gute Ergebnisse liefern als Selbstvermarktung betreiben, wird es schwieriger.


