Verlorene Führungskultur und fehlende Wertschätzung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv hervorzuheben sind die Möglichkeit, regelmäßig im Homeoffice zu arbeiten, sowie die Branche selbst. Die Bildungsbranche bietet grundsätzlich sinnstiftende Aufgaben und Produkte, die gesellschaftlich relevant sind. Die Flexibilität durch Homeoffice erleichtert den Arbeitsalltag und ist ein klarer Pluspunkt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich verstehe bis heute einige Personalentscheidungen nicht, die aus meiner Sicht von sehr wenig Respekt gegenüber den Leistungen der Mitarbeiterinnen zeugen. In den vergangenen Jahren und Monaten wurden zahlreiche großartige und erfahrene Kolleginnen entlassen – Menschen, die das Unternehmen über viele Jahre geprägt und getragen haben. Diese Entscheidungen wirken weder nachvollziehbar noch wertschätzend.
Besonders irritierend ist, wie leichtfertig langjährige Expertise im deutschen Schulsystem übergangen wird. Statt die Kompetenz erfahrener Mitarbeitender zu nutzen, entsteht der Eindruck, dass externe Einflüsterer und neue Mitarbeitende aus der Consulting‑Branche – häufig ohne tiefere Erfahrung in der deutschen Schullandschaft – mehr Einfluss auf langfristige Entscheidungen haben als fundiertes Wissen aus dem eigenen Haus. Das führt zu einer Kultur, in der Loyalität und Leistung kaum Anerkennung finden.
Insgesamt hinterlassen die Personalentscheidungen der letzten Zeit ein Bild, das wenig Vertrauen schafft und die Motivation vieler Mitarbeitender nachhaltig beeinträchtigt.
Verbesserungsvorschläge
Die Führungskultur ist aus meiner Sicht einer der größten Schwachpunkte im Unternehmen. Eine moderne, unterstützende und weniger hierarchische Führung würde die Zusammenarbeit erheblich verbessern. Stattdessen dominiert ein ausgeprägter Top‑down‑Stil, der demotivierend wirkt und eigenverantwortliches Arbeiten stark einschränkt.
Besonders problematisch ist der Umgang mit Mitarbeitergesprächen. Obwohl regelmäßig Jahresgespräche und Zielvereinbarungsgespräche stattfinden – mindestens zweimal im Jahr, teilweise häufiger – erfüllen diese kaum ihren eigentlichen Zweck. Häufig wird erwartet, dass Mitarbeitende den Fragebogen vollständig ausfüllen, während die Führungskraft unvorbereitet in das Gespräch geht. Dadurch entsteht kein echter Dialog.
In all den Jahren im Unternehmen habe ich kein einziges Mitarbeitergespräch erlebt, in dem ich ein konstruktives Feedback von meinen Vorgesetzten erhalten habe. Die Gespräche wurden zwar terminiert und formal durchgeführt, aber inhaltlich blieben sie oberflächlich. Weder wurde über meine Weiterentwicklung gesprochen, noch gab es konkrete Rückmeldungen zu meiner Arbeit oder Perspektiven.
Insgesamt fehlt eine Führungskultur, die Mitarbeitende ernst nimmt, Feedback gibt, Entwicklung fördert und Verantwortung teilt. Das wirkt sich negativ auf Motivation, Vertrauen und die gesamte Zusammenarbeit aus.
Arbeitsatmosphäre
Ein zentraler Wert in der Unternehmensphilosophie lautet „gemeinsam umsetzen“. In der täglichen Arbeit wird dieser Anspruch jedoch nicht gelebt. Entscheidungen werden überwiegend von oben nach unten getroffen, ohne die Mitarbeitenden mit ihrer fachlichen Expertise einzubeziehen. Rückmeldungen oder fachliche Einschätzungen werden selten gehört oder berücksichtigt.
Die Arbeitsweise ist insgesamt stark hierarchisch geprägt: Die Haltung „Ich als Vorgesetzte weiß, wie es geht, und die anderen führen aus“ bestimmt viele Abläufe. Das führt dazu, dass Mitarbeitende sich nicht ernst genommen fühlen und ihre Kompetenzen kaum einbringen können.
Zudem herrscht spürbare Unsicherheit und Angst im Team. Absprachen unter Kolleginnen und Kollegen werden häufig aus Vorsicht erneut mit der Führungskraft abgestimmt, was zu zusätzlichen Diskussionen, Verzögerungen und unnötigem Energieverlust führt. Dieser Umgang erschwert effizientes Arbeiten und belastet die Atmosphäre.
Work-Life-Balance
Positiv hervorzuheben ist die Möglichkeit, aktuell bis zu drei Tage pro Woche im Homeoffice zu arbeiten. Das bietet grundsätzlich Flexibilität und erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Gleichzeitig ist das Arbeitspensum – insbesondere für Führungskräfte – so hoch, dass die Aufgaben häufig kaum innerhalb der regulären Arbeitszeit zu bewältigen sind. Bei Mitarbeitenden ist die Situation sehr unterschiedlich: Es gibt Abteilungen, die eher nach Aufgaben suchen, während andere dauerhaft überlastet sind. Diese unausgewogene Verteilung führt zu Stress, Frustration und einer insgesamt angespannten Work‑Life‑Balance.
Eine nachhaltige Entlastung oder eine klare Priorisierung der Aufgaben findet kaum statt, sodass die Flexibilität des Homeoffice die strukturellen Probleme nicht ausgleichen kann.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Im Bereich Umwelt‑ und Sozialbewusstsein besteht aus meiner Sicht deutlicher Verbesserungsbedarf. Jährlich werden enorme Mengen an Materialien und Büchern makuliert. Diese Praxis steht im starken Widerspruch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und wirkt besonders kritisch, da viele dieser Produkte zuvor mit hohem Aufwand produziert wurden. Bessere Bedarfsplanung ist unbedingt notwendig.
Insgesamt fehlt eine klare Strategie, wie Ressourcen geschont und nachhaltige Prozesse etabliert werden können. Das Umwelt‑ und Sozialbewusstsein bleibt damit deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt, der früher einmal prägend war, ist heute kaum noch spürbar. Vor 20 Jahren konnte man tatsächlich von einem starken Miteinander sprechen – inzwischen jedoch nicht mehr. Wie bereits unter Arbeitsatmosphäre beschrieben, hat sich die Situation in den letzten Jahren deutlich verschlechtert.
Viele sehr gute und erfahrene Kolleginnen wurden in den vergangenen Jahren entlassen. Das hat zu einer spürbaren Verunsicherung geführt und eine Atmosphäre geschaffen, in der Angst mitschwingt, selbst die nächste Person sein zu können. Dieses Gefühl beeinflusst das Miteinander stark: Offene Zusammenarbeit wird vorsichtiger, Vertrauen nimmt ab, und Kolleginnen agieren häufig zurückhaltender, um nicht negativ aufzufallen.
Insgesamt ist der frühere Zusammenhalt kaum noch vorhanden, weil die Rahmenbedingungen eher Unsicherheit als Teamgeist fördern.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kolleg*innen ist aus meiner Sicht deutlich unzureichend. Viele Mitarbeitende mit mehr als 15 Jahren Berufserfahrung wurden in den vergangenen Jahren im Rahmen verschiedener Kündigungswellen entlassen. Dadurch ist ein großer Teil des langjährig aufgebauten Wissens verloren gegangen. Erfahrung wird kaum genutzt oder wertgeschätzt – selbst die Geschäftsführung betont, dass Berufserfahrung nicht wichtig sei.
Für ältere Mitarbeitende bestehen bei Cornelsen praktisch keine Zukunftschancen, außer in Positionen, die als weniger relevant gelten. Statt Anerkennung entsteht häufig der Eindruck, „nicht mehr gebraucht zu werden“. Verantwortung wird eher entzogen als übertragen, und Entwicklungsmöglichkeiten sind kaum vorhanden.
Insgesamt fehlt eine Kultur, die Erfahrung respektiert, aktiv einbindet und als Ressource begreift. Das wirkt sich negativ auf Motivation, Zusammenarbeit und den Wissenstransfer aus und schwächt das Unternehmen langfristig.
Vorgesetztenverhalten
Gute Vorgesetzte zu finden ist im Unternehmen sehr schwierig. Das Führungsverhalten ist überwiegend hierarchisch geprägt, Entscheidungen werden meist ohne Einbindung der Mitarbeitenden getroffen, und fachliche Expertise wird selten berücksichtigt. Statt echter Führung auf Augenhöhe dominiert ein Top‑down‑Ansatz, bei dem Vorgaben gemacht werden, ohne Hintergründe oder Ziele transparent zu erklären.
Feedback wird kaum eingeholt oder ernst genommen, und konstruktive Kritik findet wenig Raum. Viele Führungskräfte vermitteln eher Kontrolle als Vertrauen, was die Zusammenarbeit erschwert und die Motivation deutlich senkt. Zudem entsteht durch dieses Verhalten eine Kultur der Unsicherheit: Mitarbeitende haben häufig das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen oder bei jeder Entscheidung Rückversicherung einzuholen.
Insgesamt ist das Vorgesetztenverhalten weit entfernt von moderner, wertschätzender Führung und trägt maßgeblich zu einer angespannten Arbeitsatmosphäre bei.
Kommunikation
Die interne Kommunikation erfolgt überwiegend in Kaskaden von oben nach unten und ist häufig unklar, sehr pauschal oder so stark verkürzt, dass sie kaum Orientierung bietet. Dadurch weiß kaum jemand wirklich, welche Strategie verfolgt wird oder warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden.
Fragen aus dem Kreis der Mitarbeitenden werden zwar gesammelt, aber selten beantwortet – oder so allgemein kommuniziert, dass weiterhin keine Transparenz entsteht. Dieses Vorgehen vermittelt den Eindruck, dass die Geschäftsführung davon ausgeht, kritische Nachfragen würden nicht bemerkt oder seien nicht notwendig. Das wirkt entwertend und führt zu Frustration.
Insgesamt entsteht eine Kommunikationskultur, in der wichtige Informationen nicht offen geteilt werden und Mitarbeitende sich nicht ernst genommen fühlen. Das erschwert Vertrauen, Zusammenarbeit und ein gemeinsames Verständnis für Ziele und Prioritäten.


