Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Gut am Arbeitgeber finde ich
• Sinnstiftende Aufgaben und Produkte mit einem gesellschaftlich relevanten Beitrag zu Bildung.
• Einen sehr guten kollegialen Zusammenhalt. Viele Kolleginnen und Kollegen unterstützen sich gegenseitig und halten auch dann zusammen, wenn organisatorisch nicht alles rund läuft.
• Eine insgesamt gute Work-Life-Balance inkl. Homeoffice-Möglichkeit.
• Viele interessante und fachlich anspruchsvolle Aufgaben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich habe über viele Jahre einen deutlichen Kulturwandel erlebt: mehr Finanzen und Kommerz, mehr Steuerung und mehr Managementmethoden, gleichzeitig weniger verlegerischer Geist und weniger Vertrauen in die Expertise der Fachbereiche.
Komplexe Sachverhalte wurden aus meiner Sicht zunehmend stark vereinfacht. Gerade im Verlagsgeschäft gibt es aber nicht für jedes Problem eine einfache Lösung. Mir fehlte teilweise die Bereitschaft, diese Komplexität anzuerkennen und gemeinsam gute Lösungen zu entwickeln, die Kund*innen nutzen.
Was mich besonders beschäftigt hat, war die fehlende Entscheidungskraft. Es gab viele Ideen und konkrete Vorschläge zur Prozessverbesserung, Automatisierung und Effizienzsteigerung. Trotzdem wurden Themen teilweise über Jahre nicht entschieden oder immer wieder depriorisiert. Gleichzeitig haben engagierte Mitarbeitende die daraus entstehenden Lücken aufgefangen.
Seit etwa zwei bis drei Jahren hat sich für mich auch das Gefühl der Arbeitsplatzsicherheit deutlich verändert. Nach vielen Jahren, in denen man eine gewisse Sicherheit und Verlässlichkeit empfunden hat, ist inzwischen bei vielen die Sorge da, dass die eigene Stelle ebenfalls von einem Umbau betroffen sein könnte. Entscheidungen zu Umstrukturierungen und Stellenabbau sind für mich nicht immer nachvollziehbar. Auch die Personalpolitik empfinde ich teilweise als wenig transparent. Das schafft Unsicherheit und schwächt das Vertrauen in die Unternehmensführung.
Auch die strategische Priorisierung war für mich nicht immer nachvollziehbar. Es wurde aus meiner Sicht nicht nur an manchen Stellen zu wenig entschieden, sondern teilweise auch an den falschen Stellen priorisiert und investiert. In größere strategische Themen wurde erheblich investiert, während gleichzeitig bei Personal, Weiterbildung und teilweise auch bei der eigenen Organisation gespart wurde.
Dabei hatte ich zunehmend den Eindruck, dass Marktwissen und die Nähe zu den tatsächlichen Kunden und ihren Bedürfnissen nicht bei allen Entscheidern ausreichend vorhanden sind. Gerade im Verlags- und Bildungsgeschäft sind Märkte, Zielgruppen und Produkte komplex. Strategische Entscheidungen brauchen aus meiner Sicht neben Managementkompetenz auch ein tiefes Verständnis des Geschäfts und des Marktes.
Auch beim Umgang mit ausscheidenden Mitarbeitenden habe ich in den letzten Jahren Erfahrungen gemacht, die ich nicht mit dem Anspruch eines modernen Unternehmens verbinde. Von verschiedenen Kolleginnen und Kollegen habe ich ähnliche Eindrücke gehört: Der Exit wurde teilweise als wenig wertschätzend, unnötig formal oder wenig souverän erlebt.
Gerade der Abschied prägt aber, wie Menschen auf ihre Zeit in einem Unternehmen zurückblicken. Hier hätte ich von Cornelsen mehr Professionalität und Augenmaß erwartet.
Verbesserungsvorschläge
Wenn Begriffe wie Growth Mindset, Vertrauen, Lernkultur und moderne Führung Teil des eigenen Anspruchs sind, sollten sie auch im Arbeitsalltag erkennbar sein.
Ein Growth Mindset bedeutet für mich vor allem, Feedback ernst zu nehmen, Fehler nicht zu verwalten, sondern daraus zu lernen und gute Ideen auch tatsächlich umzusetzen.
Ich würde mir deshalb wünschen:
• mehr Entscheidungskraft und klare Verantwortlichkeiten,
• mehr Vertrauen in die Expertise der Fachbereiche,
• mehr Konsequenz bei der Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen,
• eine nachvollziehbare und transparentere Personalpolitik,
• mehr Transparenz bei Umstrukturierungen und Stellenabbau,
• eine nachvollziehbarere Priorisierung von strategischen Investitionen,
• strategische Entscheidungen stärker mit Markt-, Kunden- und Fachwissen zu unterfüttern,
• mehr Investitionen in die Entwicklung der eigenen Mitarbeitenden,
• und einen professionellen und wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitenden während und auch am Ende ihrer Beschäftigung.
Gerade für ein Unternehmen, das selbst für Bildung und lebenslanges Lernen steht, sollte die Entwicklung der eigenen Mitarbeitenden einen hohen Stellenwert haben.
Arbeitsatmosphäre
Sehr kollegial. Den Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden empfinde ich als eine der größten Stärken von Cornelsen.
Gleichzeitig finde ich, dass durch unklare Verantwortlichkeiten, nicht getroffene Entscheidungen und die zunehmende Unsicherheit über die eigene berufliche Zukunft teilweise unnötiger Druck entsteht.
Kommunikation
Es wird viel kommuniziert und verändert. Mir fehlt dabei teilweise die Konsequenz in der Umsetzung. Themen werden diskutiert, priorisiert und wieder verschoben, ohne dass eine klare Entscheidung getroffen wird.
Auch bei Umstrukturierungen und Personalentscheidungen wünsche ich mir mehr Transparenz darüber, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden und wohin die Reise gehen soll. Die Perspektive von Markt, Kunden und Fachbereichen wird aus meiner Sicht dabei nicht immer ausreichend berücksichtigt.
Kollegenzusammenhalt
Sehr gut. Für mich über viele Jahre eine der größten Stärken des Unternehmens. Aufgrund von Umstrukturierungen ist die Gefahr von Silodenken gewachsen und damit ein geringerer Zusammenhalt zu befürchten.
Work-Life-Balance
Durchschnittlich. Je nach Rolle und Abteilung unterschiedlich, wie vermutlich überall.
Vorgesetztenverhalten
Ich hätte mir mehr Vertrauen in die Erfahrung der Fachbereiche und mehr Wertschätzung von konstruktivem Feedback gewünscht.
Für mich gehört zu guter Führung auch, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und aus Fehlern und Rückmeldungen tatsächlich zu lernen.
Gerade bei größeren Veränderungen würde ich mir mehr Transparenz und nachvollziehbare Entscheidungen wünschen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind fachlich interessant, anspruchsvoll und sinnstiftend. Es gibt grundsätzlich viele Möglichkeiten, Dinge zu gestalten und Verbesserungen anzustoßen.
Gleichberechtigung
Entsprechend der gesamtgesellschaftlichen Situation in Deutschland.
Umgang mit älteren Kollegen
Langjährige Erfahrung und das Wissen langjähriger Mitarbeitender könnten aus meiner Sicht stärker genutzt und wertgeschätzt werden.
Arbeitsbedingungen
Insgesamt gut.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Der gesellschaftliche Anspruch des Unternehmens ist hoch. Ich würde mir wünschen, dass dieser Anspruch auch im Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden konsequent sichtbar wird.
Gehalt/Benefits
Insgesamt angemessen.
Image
Cornelsen möchte als modernes Medienunternehmen wahrgenommen werden und hat einen hohen Anspruch an Transformation und moderne Führung.
Mein Eindruck ist, dass Anspruch und Realität an einigen Stellen auseinanderliegen. Besonders bei Führung, Entscheidungskultur, strategischer Priorisierung und im Umgang mit Mitarbeitenden wird aus meiner Sicht noch nicht überall das gelebt, wofür das Unternehmen nach außen stehen möchte.
Karriere/Weiterbildung
Nach meinem Empfinden hat sich die Bedeutung von Weiterbildung in den letzten Jahren verändert.
Früher gab es regelmäßige, rollenbezogene Qualifizierungen und ein gutes Angebot externer Weiterbildungen. Inzwischen nutzt man stärker interne Schulungen, die von Mitarbeitenden selbst angeboten werden. Eigenverantwortliches Lernen ist sinnvoll. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass strukturierte Personalentwicklung und externe Weiterbildung an Priorität verloren haben.


