Mitarbeiter zählen – aber vor allem deren Zahlen
Arbeitsatmosphäre
Extrem viel Druck und ständige Überwachung, zum Beispiel wie viele Termine man im Kalender hat. Alte Geschäftsstellen verfügen teilweise über veraltetes Equipment. Das Betriebsklima ist geschädigt, da unfair gelobt wird und die Führungskraft immer wieder jemand anderen auf dem Kieker hat.
Es wird ständig mehr, mehr und noch mehr gefordert. Von oben nach unten wird getreten. Mitarbeiter werden bewusst kleingehalten, damit sie sich nicht selbst zur Führungskraft entwickeln, da der Organisationsleiter ansonsten ein Minus beim Personalbestand hätte.
Der Arbeitsalltag ist durch den extrem hohen Vertriebsdruck sehr belastend.
Kommunikation
Es gibt zwar eine hohe Kommunikationsdichte, allerdings wird man teilweise bereits früh am Morgen mit mehreren E-Mails von Führungskräften konfrontiert, die eher zusätzlichen Druck aufbauen. Zudem werden regelmäßig aus meiner Sicht unnötige Zeitungsartikel weitergeleitet, was teilweise schon wie Spam wirkt.
Man wird zwar stetig informiert, allerdings häufig mit dem Ziel, noch mehr Aktivitäten einzufordern. Gleichzeitig wird man regelmäßig infrage gestellt, beispielsweise warum Person X oder Firma Y noch nicht angesprochen wurde oder weshalb daraus noch keine Abschlüsse generiert wurden.
Kollegenzusammenhalt
Echter Kollegenzusammenhalt ist kaum vorhanden. Durch regelmäßig per E-Mail verschickte Rankings wird der Konkurrenzkampf zusätzlich angeheizt und jeder soll besser sein als der andere. Nur wenige erfolgreiche Kollegen teilen ihr Wissen und unterstützen andere, viele schauen hauptsächlich auf den eigenen Vorteil. Auch zwischen einzelnen Teams herrscht teilweise starke Konkurrenz statt Zusammenarbeit. Besonders beim Kundenbestand entsteht schnell Neid und Streit. Führungskräfte wirken diesem Verhalten aus meiner Sicht kaum entgegen und verfolgen häufig eher ihre eigenen Interessen. Insgesamt wird Konkurrenz stärker gefördert als ein gemeinsames Miteinander.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance wird nach außen zwar als gut dargestellt, in der Realität erlebe ich sie jedoch anders. Es wird eine nahezu ständige Erreichbarkeit erwartet und auch nach Feierabend bleibt der Vertriebsdruck im Kopf bestehen. Die Devise lautet gefühlt immer: mehr Termine, mehr Kunden, mehr Abschlüsse. Einen wirklichen Ausgleich für diesen dauerhaften Druck gibt es kaum. Freizeit ist zwar theoretisch vorhanden, praktisch entsteht aber schnell ein schlechtes Gewissen.
Vorgesetztenverhalten
Kommunikation auf Augenhöhe findet aus meiner Sicht nur bedingt statt. Kritik und Verbesserungsvorschläge sind offiziell zwar erwünscht, werden in der Praxis aber häufig relativiert, heruntergespielt oder nicht wirklich aufgegriffen. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, dass kritisches Feedback zwar angehört wird, daraus aber wenig Konsequenzen entstehen. Für eigene Ideen und persönliche Entfaltung gibt es ebenfalls nur begrenzten Spielraum. Nach außen werden Vertrieb, Entwicklung und Konzern gerne sehr positiv dargestellt, während interne Probleme deutlich weniger offen thematisiert werden.
Teilweise entsteht der Eindruck, dass bestehende Probleme bewusst beschönigt oder anders dargestellt werden, als sie im Arbeitsalltag tatsächlich wahrgenommen werden. Kritische Entwicklungen werden heruntergespielt und Mitarbeitern wird vermittelt, dass die Situation deutlich besser sei, als sie viele selbst erleben. Dadurch wirkt es, als solle die positive interne Debeka-Welt möglichst aufrechterhalten und verhindert werden, dass bestehende Strukturen und Entwicklungen zu stark hinterfragt werden.
Interessante Aufgaben
Wirklich abwechslungsreiche oder neue Aufgaben ergeben sich auch mit zunehmender Betriebszugehörigkeit nur bedingt. Im Kern bleibt man Außendienstmitarbeiter und bekommt mit neuen Positionen häufig lediglich zusätzliche Aufgaben und Verantwortung. Bezeichnungen wie Spezialist oder Führungskraft werden zwar entsprechend hervorgehoben, im Arbeitsalltag bleiben jedoch viele der ursprünglichen Tätigkeiten und Vertriebsziele bestehen. Auch nach mehreren Jahren und trotz vermeintlicher Weiterentwicklung muss man weiterhin einen großen Teil der gleichen Aufgaben erledigen und ähnliche Zielvorgaben erfüllen.
Dadurch wirken manche Karriereschritte eher wie zusätzliche Verantwortung als eine tatsächliche fachliche oder berufliche Veränderung der eigentlichen "neuen" Berufsstellung.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung wird aus meiner Sicht nicht immer konsequent gelebt. Bei manchen Führungskräften entsteht deutlich der Eindruck, dass bestimmte Mitarbeiter bevorzugt werden. Besonders bei der Verteilung von Direktanfragen oder anderen Geschäftsmöglichkeiten wirkt die Vergabe teilweise nicht transparent und eher davon abhängig, wer bei der jeweiligen Führungskraft gut dasteht. Während einzelne Kollegen dadurch regelmäßig zusätzliche Chancen erhalten, fühlen sich andere Mitarbeiter schnell übergangen.
Eine nachvollziehbare und faire Verteilung wäre hier dringend notwendig.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang zu älteren Kollegen ist stets respektvoll.
Arbeitsbedingungen
Die Geschäftsstelle in Heidenheim ist insgesamt in einem guten und weitgehend zeitgemäßen Zustand. Bei einzelnen Servicebüros sieht es aus meiner Sicht jedoch deutlich anders aus. Manche Räumlichkeiten wirken veraltet und teilweise ziemlich heruntergekommen und entsprechen nicht dem Standard, den man von einem großen Versicherungskonzern erwarten würde. Besonders kritisch sehe ich, dass Mitarbeiter für solche Büros teilweise auch noch selbst Kosten tragen sollen. Wenn schon eine finanzielle Beteiligung erwartet wird, sollten zumindest moderne, gepflegte und professionelle Arbeitsbedingungen gewährleistet sein.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Beim Umwelt- und Sozialbewusstsein sehe ich weder besonders große Pluspunkte noch gravierende Kritikpunkte. Auffällig ist allerdings, dass im Arbeitsalltag weiterhin sehr viel mit Papier gearbeitet und vieles unnötig ausgedruckt wird, obwohl eine digitale Abwicklung problemlos möglich wäre. Hier besteht aus meiner Sicht noch Verbesserungspotenzial. Ansonsten ist der Bereich insgesamt in Ordnung, hebt sich für mich aber auch nicht besonders positiv hervor.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Benefits sehe ich sehr kritisch. Das kommunizierte Fixum ist durch den sogenannten „Auffüller“ aus meiner Sicht irreführend, da zunächst entsprechendes Geschäft erwirtschaftet werden muss. Mit der Zeit hängt das Einkommen stark von Abschlussprovisionen ab. Eine laufende Bestandsprovision gibt es nicht und die Provisionshöhe empfinde ich im Marktvergleich als wenig attraktiv. Dadurch kann das Gehalt, auch saisonbedingt, deutlich schwanken.
Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden positiv hervorgehoben. Zahlungen im Zusammenhang mit Urlaub oder Krankheit sollte man jedoch klar von freiwilligen Benefits unterscheiden. Problematisch ist außerdem der fest zugeteilte Kundenbestand. Dieser wurde teilweise bereits von mehreren Vorgängern betreut, bearbeitet und teilweise Geschäft ausgeschöpft ist, was die Arbeit erschwert. Gleichzeitig ist die Produktauswahl in einigen Bereichen begrenzt, etwa bei der Altersvorsorge. Dadurch fehlen aus meiner Sicht teilweise Möglichkeiten und Einkommenspotenziale, Kunden wirklich breit und individuell zu beraten. Insgesamt stehen variable Vergütung und Abschlussgeschäft deutlich im Vordergrund.
Image
Das Image der Debeka ist nach außen deutlich besser als das, was ich intern erlebt habe. Besonders die Sicherheit eines großen und bekannten Versicherers sowie die starke Position im öffentlichen Dienst werden sehr positiv dargestellt. Intern zeigt sich aus meiner Sicht jedoch ein anderes Bild: hoher Vertriebsdruck, teilweise veraltete Strukturen und eine Unternehmenskultur, die nicht immer so modern und mitarbeiterorientiert ist, wie sie nach außen vermittelt wird. Vieles wird sehr positiv verkauft und Probleme werden eher relativiert. Bei Kunden genießt die Debeka teilweise noch einen guten Ruf, allerdings merkt man auch dort, dass das Image nicht überall so positiv ist, wie intern gerne dargestellt wird.
Karriere/Weiterbildung
Die Weiterbildungsmöglichkeiten wirken auf den ersten Blick umfangreicher, als sie aus meiner Sicht tatsächlich sind. Wirkliche Spezialisierungen gibt es nur bedingt. Mitarbeiter werden zwar zu „Spezialisten“ entwickelt oder entsprechend bezeichnet, bleiben im Kern jedoch normale Außendienstmitarbeiter und müssen weiterhin dieselben Vertriebsaufgaben und Ziele erfüllen. Dadurch entsteht teilweise der Eindruck, dass neue Titel attraktiver klingen als die tatsächliche Veränderung der Tätigkeit.
Auch bei der Personalentwicklung sehe ich Probleme. Es entsteht der Eindruck, dass Führungskräfte Mitarbeiter teilweise unbedingt halten möchten, weil Abgänge die eigene Personalentwicklung negativ beeinflussen und anschließend Ersatz gefunden werden muss. Dadurch steht nicht immer die individuelle Entwicklung des Mitarbeiters im Mittelpunkt, sondern auch die Personalzahl der jeweiligen Organisation.


