Moderne Fassade, veraltetes Führungsverständnis
Gut am Arbeitgeber finde ich
Tolle Feste, tolle Kantine und durchaus ein familiäres miteinander. Sogar Firmenurlaube in tolle Hotels wurden verwirklicht.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Bildlich gesprochen erinnert die Führungsebene manchmal an den einen Verwandten, der seit Jahren dieselben Verhaltensmuster zeigt und bei Familienfeiern zuverlässig für schlechte Stimmung sorgt. Der Wille zur persönlichen Weiterentwicklung wirkt leider begrenzt, was sich auch auf die Unternehmenskultur auswirkt. Dort fehlt es teilweise an der Bereitschaft zur Weiterentwicklung und an einem modernen Führungsverständnis. Das führt immer wieder zu unnötigen Spannungen und einer aufgeheizten Arbeitsatmosphäre. Besonders bemerkenswert ist dies vor dem Hintergrund, dass die Führungspositionen von Frauen besetzt sind, von denen man sich gerade in diesen Bereichen mehr Fortschritt und Vorbildfunktion wünschen würde.
Verbesserungsvorschläge
Unbedingt in die Entwicklung der Führungskräfte investieren. Mitarbeiterführung ist mehr als Aufgaben zu verteilen. Regelmäßiges Feedback, nachhaltiges Management und ein echter Fokus auf die Entwicklung der Mitarbeitenden sollten fester Bestandteil der Führungskultur werden. So können Unzufriedenheiten auch besser erkannt und daran gearbeitet werden. Zudem wäre es dadurch möglich, die Belastbarkeit einzelner Personen zu minimieren, weil sich durch Strukturen wie Projektmanagement ein transparentes Bild des Workloads gemacht werden könnte. Ebenso könnten Abteilung besser ineinander übergreifen.
Arbeitsatmosphäre
Das Arbeiten im Großraumbüro ist aufgrund der hohen Lautstärke häufig herausfordernd. Eine strukturierte Meetingkultur ist kaum vorhanden. Statt geplanter Abstimmungen besteht eher die Erwartung, jederzeit spontan verfügbar zu sein. Zudem fehlt es an Transparenz über die verschiedenen Geschäftsbereiche und strategische Entscheidungen. Ein Betriebsrat existiert nicht. Mitarbeitergespräche finden in der Regel lediglich einmal jährlich im Rahmen des sogenannten „Weihnachtsgesprächs“ statt, wodurch regelmäßiges Feedback und ein ernstgemeinter, kontinuierlicher Austausch zu kurz kommen.
Work-Life-Balance
Ein fester Homeoffice-Tag sowie flexible Arbeitszeiten sind zwar offiziell vorgesehen, werden in der Praxis jedoch nicht uneingeschränkt unterstützt. Die gelebte Flexibilität bewegt sich eher in einem engen Rahmen. Wer beispielsweise aufgrund unvorhergesehener Probleme auf dem Arbeitsweg nicht ins Büro kommen kann, muss Urlaub nehmen, anstatt kurzfristig einen zusätzlichen Homeoffice-Tag nutzen zu können. Die Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag besteht bereits seit vielen Jahren. Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass seit Anfang des Jahres Überstunden anerkannt werden. Vorher sind diese am Ende des Monats auf null herunter gesetzt worden.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Geht nicht über verpflichtende Quoten hinaus.
Karriere/Weiterbildung
Wer auf einen Karriereaufstieg hofft, sollte seine Erwartungen realistisch halten. Die Strukturen wirken sehr statisch und freie Entwicklungsmöglichkeiten sind selten. Entsprechend entsteht der Eindruck, dass Weiterbildung eher Selbstzweck als Grundlage für tatsächliche Karriereperspektiven ist.
Kollegenzusammenhalt
Die Kolleginnen und Kollegen sind überwiegend großartig. Allerdings fehlt es oft an gegenseitiger Unterstützung. Probleme werden zwar untereinander ausführlich diskutiert, doch wenn es darauf ankommt, diese offen anzusprechen, bleiben viele still. Dadurch geraten einzelne Personen unnötig in eine schwierige Position.
Vorgesetztenverhalten
Verantwortung wird häufig weitergegeben, anstatt übernommen zu werden. Gleichzeitig fehlt ein nachhaltiger Managementansatz mit klarer Zukunftsperspektive. Die individuellen Stärken und Potenziale der Mitarbeitenden werden kaum erkannt oder gefördert. Die Mitarbeiterorientierung ist insgesamt stark ausbaufähig.
Arbeitsbedingungen
Es gibt höhenverstellbare Schreibtische und mehrere Monitore sowie die Möglichkeit, sich kostenlos in der Kantine an der Salatbar gesund zu ernähren. Spaziergänge können um die Firma herum gut gemacht werden, da sich dort unmittelbar ein Naturschutzgebiet befindet. Leider empfand ich die Akustik durch den direkt angrenzenden Lagerverkehr und die Großraumbüros belastend. Aufgrund der lauten Außengeräusche oder Abgasluft ist es selten möglich, das Fenster offen zu lassen. Und in dem Büro selbst habe ich es häufig als störend laut empfunden. Das wurde natürlich regelmäßig angesprochen, jedoch hat die laute Atmosphäre nach wenigen Tagen wieder Einzug gehalten.
Kommunikation
Häufig gibt es Unstimmigkeiten aufgrund von fehlenden Strukturen und Verantwortlichkeiten. Das geht dann so weit, dass die Kommunikation der Führungskräfte über die Mitarbeitenden ausgetragen werden. Der Flurfunk funktioniert sehr gut.
Gehalt/Benefits
Die angebotenen Benefits sind sicherlich ein wichtiger Faktor für die Personalgewinnung. Ohne diese Rahmenbedingungen dürfte es angesichts der begrenzten Flexibilität schwieriger sein, qualifizierte Mitarbeitende für den Standort zu begeistern.
Gleichberechtigung
Chancengleichheit wird aus meiner Sicht teilweise durch subjektive Sympathien beeinflusst. Dabei spielt der persönliche Hintergrund der Mitarbeitenden keine erkennbare Rolle, wohl aber die individuelle Nähe zu bestimmten Entscheidungsträgern. Ansonsten hohe Frauenquote
Interessante Aufgaben
Das Sortiment ist abwechslungsreich und bietet viel Raum für spannende Ideen. Leider werden Vorschläge von Mitarbeitenden häufig zunächst zurückgestellt, um später in ähnlicher Form als eigene Ideen präsentiert zu werden.

