Was wirklich hinter der Kupferfassade steckt ...
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die ehrlich lieben Menschen.
Verbesserungsvorschläge
Wo fängt man an, wo hört man auf?
Nochmal zum Beispiel "flexible Anfangsarbeitszeiten":
Depesche hat seine Mitarbeiter jahrzehntelang um 7 Uhr morgens an den Schreibtisch verhaftet. Vor 2 Jahren wurde diese Regelung gelockert - seitdem ist ein Arbeitsbeginn zwischen 6 und 8.30 Uhr möglich. Die Verwunderung war riesig, dass alle seitdem gerne die früheren Morgenstunden nutzen (sie haben nun mal alle zu Frühaufstehern erzogen) und mit Machtspielchen wird regelmäßig versucht, die Lockerung wieder zu festigen. Es schmeckt nicht, wenn alle frühmorgens da sind, denn man gehe am Nachmittag nicht gerne durch leere Büros. Außerdem "muss man sich schon gut überlegen, ob man früh am Morgen überhaupt schon effektiv arbeiten kann." Es fallen zudem auch Sätze wie "Sonst müssen wir eben die starre 7-Uhr-Regelung wieder einführen, wenn es nicht klappt!".
Auch die Homeoffice-Regelungen sind total verquer. 1 x die Woche und an viele Bedingungen geknüpft. Die Bedürfnisse haben sich einfach geändert und es ist nicht zeitgemäß, wie hier gehandelt wird. Den Mitarbeitern wird nicht vertraut, dass sie im Homeoffice auch tatsächlich arbeiten.
Man rühmt sich zudem mit einer 36,5 Stunden Woche. Wird aber dazu verpflichtet (als Vollzeitkraft) jeden Tag zwei Pausen zu machen. Somit ist man trotzdem an vier Tagen 9 Stunden lang vor Ort. Achja, da fällt mir noch die Zeiterfassung ein! Überstunden? Sind angeblich nicht erwünscht und jede Minute zu viel wird in der Erfassung gekappt. Angeblich nicht erwünscht? Ja! Denn mehrere Mitarbeiter wurden darauf angesprochen, wieso sie pünktlich ausstempeln. Minusminuten bleiben im Übrigen bestehen.
Mehrarbeit (z.B. am Wochenende oder im Ausland) wird übrigens als selbstverständlich angesehen und jeder Ausgleich dafür ist hart umkämpft.
Spricht man auf gewisse Dinge an (denn man habe ja immer ein offenes Ohr und Verständnis), wird man schnell lautstark unterbrochen, weil man sich angegriffen fühlt. Man solle doch z. B. mal ein Unternehmen nennen, in dem man so früh anfangen kann, wie bei Depesche. Surprise: Ich habe zahlreiche gefunden und mich für eines davon entschieden!
Durch u.a. solche Gespräche lernt man irgendwann, den Mund zu halten, nett zu lächeln, sich seinen Teil zu denken und fängt an, Bewerbungen zu schreiben.
Generell fallen immer wieder von Personen in Leitungspositionen unprofessionelle Kommentare und Bemerkungen, die einen (obwohl man es schon gewohnt ist) nur entsetzt den Kopf schütteln lassen. Das kommt davon, wenn einem Führung in den Schoß fällt. Schulungen würden vielen sehr gut tun.
Auch nicht nett: Hier ist kein Job sicher! Egal ob lang dabei oder gerade angefangen, jeder Mitarbeiter kennt einige Fälle, in dem plötzlich jemand ohne Vorwarnung gekündigt wurde. Am Ende des Monats, an einem Freitagmittag, kann man sich nicht immer unbedingt auf das Wochenende freuen.
Arbeitsatmosphäre
Die Luft ist zum Schneiden dick: In vielen Abteilungen herrscht große Unzufriedenheit. Aus Angst, den Job zu verlieren, trauen sich aber die wenigsten, den Mund aufzumachen.
Image
Das Image stimmt nicht mit der Realität überein.
Work-Life-Balance
Durch "flexible Anfangsarbeitszeiten" meint man selbst, eine Work-Life-Balance existiere. Jedoch könnte es kaum unflexibler sein. Es wird (manchmal mehr und manchmal weniger) subtil Druck gemacht, nicht zu früh die Arbeit zu beginnen. Beim Wort Gleitzeit fällt allen vor Schreck die Diddl-Tasse aus der Hand. Stunden umzulegen und an anderen Tagen abzuarbeiten ist per se nicht möglich. (Alleinerziehende) Eltern die bei Krankheit o.ä. mehr Flexibilität der Stundengestaltung bräuchten, sind i.d.R. aufgeschmissen. Es gibt hin und wieder eine kleine Ausnahme, aber keine Lockerungen. Die meisten haben schon gar keine Lust, zu fragen. Würde es das "Work-Life" doch aber so viel entspannter machen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es werden regelmäßig Tonnen von neuen (!) Produkten weggeschmissen (sichtbar vor den Mitarbeitern). Angeblich günstiger, als zu spenden. Dabei ist Geld in dieser Firma nicht das Problem.
Karriere/Weiterbildung
Ich habe nur erlebt, dass Mitarbeitende ihre Weiterbildungen selbst bezahlen.
Kollegenzusammenhalt
Im Team kann man viel Spaß haben, mit lieben Menschen zusammenarbeiten und gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Die meisten fühlen und erleben das gleiche, was einen kollektiv zusammenhält. Doch kommt nach dem Frust wieder Unsicherheit zum Vorschein, wird man mit seiner standhaften Meinung leider schnell als rebellisch eingestuft.
Vorgesetztenverhalten
Verständnis wird gerne vorgetäuscht. Generell weiß man nicht, was tatsächlich ehrlich gemeint ist und was nicht - heute so, morgen so ...
Arbeitsbedingungen
Es gibt (nicht für alle) höhenverstellbare Schreibtische und gute Technik. Manche Büros/Hallen/Räume haben Tageslicht und Fenster, viele träumen davon.
Kommunikation
... ist bei Depesche ein Fremdwort. Arbeitsprozesse sind dadurch unnötig langwierig und fehlerhaft.
Gehalt/Benefits
Langjährige Mitarbeiter betonen gerne, wie toll das Gehalt ist. Das gilt aber eben vor allem für langjährige Mitarbeiter, die diverse Boni und Gehaltserhöhungen mitgenommen haben. Ansonsten eher durchschnittlich, als Neuling wird man für die Probezeit auch erstmal gedrückt.
Gelegentlich ausgezahlte Boni werden wenn dann mit der Gießkanne ausgeschüttet.
Gleichberechtigung
Vollzeitkräfte sind Teilzeitkräften definitiv unterlegen und müssen sich an noch starrere Regeln halten als die Teilzeitkräfte.
Interessante Aufgaben
Gibt es generell. Mit Ideen darf man allerdings 5 Mal um die Ecke kommen, bis sie irgendwann als die eigenen verkauft werden. Neue Aufgaben werden einem für die Zukunft vor die Nase gehalten und dann ohne Rücksprache mit dem Team anderweitig vergeben.

