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Bewertung

Respekt für das Team – Kritik am System

2,7
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat bis 2026 bei Deutsche Post DHL in Hamburg gearbeitet.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Ich habe knapp zwei Monate als Verbundzusteller bei der Deutschen Post gearbeitet und gehe mit gemischten Eindrücken.

Sehr positiv hervorheben möchte ich die Kolleginnen und Kollegen sowie die direkte Führungsebene in meiner Zustellbasis. Das Team war außergewöhnlich hilfsbereit, menschlich und engagiert. Auch die Zustellbasisleitung und deren Vertretungen habe ich fachlich wie menschlich als sehr kompetent erlebt. Die Einarbeitung war grundsätzlich gut gemeint und es war von Anfang an abgesprochen, dass ich nach etwa 3-4 Wochen selbstständig fahren sollte.

Der Hauptgrund für meine Kündigung war jedoch das aus meiner Sicht unrealistisch hohe Arbeitspensum und die damit verbundene Erwartungshaltung. Trotz kurzer Einarbeitung – mitten im Weihnachtsgeschäft – wurde sehr schnell erwartet, dass meine Leistung an die langjähriger Stammkräfte heranreicht.

Ich habe wirklich alles versucht, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Regelmäßig war ich bereits vor meinem offiziellen Dienstbeginn vor Ort und habe schon mit der Arbeit begonnen. Während andere sich vor der Abfahrt noch eine kurze Pause oder eine Zigarette gönnten, habe ich ohne Unterbrechung gearbeitet. Auch unterwegs habe ich keine echten Pausen gemacht – Essen und Trinken fanden, wenn überhaupt, nebenbei statt. Nach der Rückkehr in die Zustellbasis kam es zudem vor, dass ich selbst nach dem Ausstempeln noch Arbeiten erledigte, weil ich mich durch das enorme Arbeitspensum und die Erwartungshaltung dazu gedrängt fühlte. Mir ist bewusst, dass das offiziell nicht vorgesehen ist.

Umso mehr hat es mich enttäuscht, dass dieser Einsatz keinerlei Anerkennung fand. Als ich meinem Vorgesetzten schilderte, wie sehr ich mich trotz allem bemühe, sagte er lediglich, dass ihm das bisher gar nicht aufgefallen sei und ich das ohnehin nicht machen solle. Gewürdigt wurde mein Einsatz leider nicht – stattdessen hieß es immer wieder nur, dass es „bald flutschen“ müsse.

Die Einarbeitung litt zusätzlich unter enormem Zeitdruck. Viele Abläufe wurden nur im Schnelldurchlauf erklärt oder gar nicht gezeigt, sodass später im Alleingang Wissenslücken entstanden. Gleichzeitig wurde mir einer der schwersten Bezirke der gesamten Zustellbasis zugeteilt. Mehrere Kollegen bestätigten mir, dass dort bislang kaum ein neuer Mitarbeiter dauerhaft geblieben ist. Trotzdem wurde mir trotz mehrfacher Gespräche kein anderer Bezirk angeboten.

Ein weiterer Punkt, der mich nachdenklich gemacht hat, war der Umgang mit der Qualität der Zustellung. Aufgrund der dauerhaften Unterbesetzung wurden wir regelmäßig durch Unterstützungskräfte aus anderen Zustellbasen oder speziell eingesetzte Hilfskräfte entlastet. Grundsätzlich war ich für jede Unterstützung dankbar. Allerdings habe ich dabei mehrfach erlebt, dass Sendungen aus meiner Sicht nicht sorgfältig zugestellt wurden. So lagen Pakete beispielsweise offen auf Briefkästen oder wurden nur halb in Briefkästen gesteckt. Auch Kunden berichteten mir von Zustellungen, bei denen Pakete ohne Ablagegenehmigung einfach im Hausflur abgelegt sein sollen.

Besonders belastend war für mich ein Fall, bei dem mich mein Vorgesetzter wegen einer offiziellen Kundenbeschwerde ins Büro bat. Zwei Pakete meiner Tour galten als zugestellt, der Kunde hatte sie jedoch nicht erhalten. Es sei angegeben worden, dass das Paket in den Briefkasten eingeworfen wurde, obwohl dieses für Briefkästen viel zu groß gewesen sei. Mir wurde erklärt, dass sich der Fall aufklären müsse und andernfalls sogar ein finanzieller Schaden für mich entstehen könnte, welcher von meinem Gehalt abgezogen werden würde. Daraufhin schilderte ich, dass regelmäßig Unterstützungskräfte auf meinem Bezirk unterwegs waren und ich dabei mehrfach unsaubere Zustellungen beobachtet hatte. Ich wollte ausdrücklich niemanden individuell beschuldigen, sondern lediglich einen möglichen Zusammenhang aufzeigen. Leider hatte ich den Eindruck, dass diese Hinweise kaum berücksichtigt wurden und der Fokus vor allem darauf lag, dass ich den Verbleib der Pakete schnell kläre. Das hat bei mir den Eindruck hinterlassen, dass der Erledigung des Arbeitspensums mehr Bedeutung beigemessen wurde als einer gründlichen Ursachenklärung oder der Qualität der Zustellung.

Nach meiner Kündigung habe ich mich wegen körperlicher und psychischer Überlastung krankschreiben lassen. Die spätere Anzweiflung meiner Arbeitsunfähigkeit empfand ich als sehr belastend. Fairerweise möchte ich aber erwähnen, dass dies nach meinem Eindruck nicht von der direkten Führung meiner Zustellbasis, sondern von einer übergeordneten Stelle der Deutschen Post ausging.

Fazit:
Die Menschen vor Ort verdienen großes Lob. An ihnen lag mein Weggang nicht. Das eigentliche Problem ist für mich das dauerhaft extrem hohe Arbeitspensum und die Erwartung, dieses bereits nach kürzester Zeit auf dem Niveau erfahrener Zusteller zu bewältigen. Ich hätte den Job wirklich gerne weitergemacht – aber unter diesen Bedingungen war das für mich nicht dauerhaft möglich.


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